
Einstellungstest Polizei: Aufgaben & Übungen
Logik, Sprache, Diktat, Konzentration — die Aufgabentypen mit Beispielen.
Der schriftliche Einstellungstest prüft, ob du den theoretischen Anforderungen der Ausbildung gewachsen bist. Er ist Teil des Auswahlverfahrens und wird bei den meisten Landespolizeien sowie bei der Bundespolizei computergestützt durchgeführt. Anders als beim Vorstellungsgespräch geht es hier nicht um Persönlichkeit, sondern um messbare Fähigkeiten: Wie schnell und fehlerfrei rechnest du? Wie sicher ist deine Rechtschreibung? Wie gut erkennst du logische Muster unter Zeitdruck? Der Test ist bewusst standardisiert aufgebaut, damit alle Bewerberinnen und Bewerber unter denselben Bedingungen antreten. Das hat einen entscheidenden Vorteil für dich: Weil die Aufgabentypen bekannt und wiederkehrend sind, lässt sich der Test sehr gut trainieren. Wer die Struktur kennt und typische Fallstricke übt, verbessert sein Ergebnis spürbar — unabhängig vom eigenen Bildungsweg.
Wichtig zu wissen: Der schriftliche Test ist meist nur eine von mehreren Stationen. In der Regel folgen noch ein Sporttest und ein psychologisches Auswahlgespräch. Wer im schriftlichen Teil durchfällt, kommt in vielen Bundesländern nicht zu den weiteren Stationen — deshalb lohnt sich gezielte Vorbereitung besonders hier. Die genauen Voraussetzungen für die Bewerbung selbst findest du in der Checkliste zu den Einstellungsvoraussetzungen.
Die typischen Aufgabentypen
Die folgende Tabelle zeigt die sechs Bereiche, die in nahezu jedem Einstellungstest der Landespolizeien und der Bundespolizei vorkommen — auch wenn Reihenfolge, Zeitvorgabe und genaue Aufgabenform je nach Bundesland variieren. Wichtig ist: Kein Bereich verlangt Spezialwissen aus dem Polizeidienst selbst. Geprüft wird Schulwissen aus Deutsch und Mathematik sowie allgemeine kognitive Fähigkeiten, die sich durch regelmäßiges Üben trainieren lassen.
| Bereich | Was geprüft wird |
|---|---|
| Sprachverständnis | Rechtschreibung, Grammatik, Textverständnis |
| Diktat | fehlerfreies Schreiben nach Diktat |
| Logisches Denken | Zahlenreihen, Analogien, Matrizen |
| Mathematik | Dreisatz, Prozent, Grundrechenarten |
| Konzentration | Fehler suchen unter Zeitdruck (z. B. d2-Test) |
| Allgemeinwissen | Politik, Geschichte, aktuelle Ereignisse |
So liest du die Tabelle: Jeder Bereich steht für einen eigenen Testabschnitt mit eigener Zeitvorgabe — die Bereiche werden also nacheinander, nicht gemischt, abgefragt. Sprachverständnis und Diktat prüfen zusammen, wie sicher du dich schriftlich ausdrückst; das ist im Polizeialltag wichtig, weil Anzeigen, Berichte und Protokolle fehlerfrei und eindeutig formuliert sein müssen. Logisches Denken und Mathematik testen dein analytisches Denkvermögen unabhängig von Vorwissen — hier zählt vor allem Übung mit dem jeweiligen Aufgabenformat. Konzentration simuliert die Anforderung, auch unter Stress und Zeitdruck präzise zu bleiben, etwa beim Ausfüllen von Formularen im Einsatz. Allgemeinwissen schließlich zeigt, ob du gesellschaftliche und politische Zusammenhänge einordnen kannst, die für den Polizeiberuf relevant sind.
Beispiel: Konzentrationstest
Beim d2- oder ähnlichen Test musst du in begrenzter Zeit bestimmte Zeichen aus einer Reihe markieren. Geübt wird die Fähigkeit, lange konzentriert und fehlerfrei zu arbeiten — eine Kernkompetenz im Streifendienst.
Rechenbeispiel: Dreisatz- und Prozentaufgaben im Mathematikteil
Im Mathematikteil tauchen häufig Dreisatz- und Prozentaufgaben in praxisnaher Verpackung auf, etwa aus dem Einsatzalltag. Ein typisches Beispiel: Eine Funkstreife legt in 3 Stunden 126 Kilometer zurück. Wie viele Kilometer legt sie bei gleicher Durchschnittsgeschwindigkeit in 5 Stunden zurück?
Der Rechenweg per Dreisatz: Zunächst ermittelst du die Strecke pro Stunde, indem du 126 km durch 3 Stunden teilst — das ergibt 42 km pro Stunde. Anschließend multiplizierst du diesen Wert mit der gesuchten Zeit von 5 Stunden: 42 km × 5 = 210 km. Die Funkstreife legt in 5 Stunden also 210 Kilometer zurück.
Eine zweite typische Variante ist die Prozentrechnung: Von 240 Bewerbern eines Einstellungsjahrgangs bestehen 60 den schriftlichen Test nicht. Wie viel Prozent sind das? Du teilst die durchgefallenen Bewerber (60) durch die Gesamtzahl (240) und multiplizierst mit 100: 60 ÷ 240 × 100 = 25 Prozent. In diesem Beispiel bestehen also ca. 75 Prozent der Bewerber den schriftlichen Test. Solche Aufgaben wirken auf den ersten Blick komplizierter als reine Rechenaufgaben, folgen aber immer demselben Muster: erst den Wert pro Einheit oder den Anteil bestimmen, dann auf die gefragte Größe hochrechnen.
Neben eigenständigem Üben lohnt sich auch ein Blick auf die Struktur der gesamten Bewerbung: Wer weiß, wie der Ablauf von der Bewerbung bis zur Zusage aussieht, kann die Vorbereitung besser timen und den Einstellungstest nicht isoliert, sondern als einen Baustein im Gesamtprozess betrachten.
Übungsaufgaben mit Lösungsweg
Rechenaufgaben im Einstellungstest wirken selten wie Mathe aus dem Schulunterricht. Sie kommen als
Textaufgaben aus dem Dienstalltag — und genau das ist die eigentliche Hürde: Man
muss zuerst erkennen, welches Rechenverfahren gemeint ist, bevor man rechnet. Die folgenden
fünf Aufgaben decken die Typen ab, die am häufigsten vorkommen. Rechne sie erst selbst, bevor du die Lösung aufklappst — zu jedem Schritt gibt es eine kurze Erklärung.
Erst die Frage: proportional oder antiproportional?
Beim Dreisatz gibt es zwei Grundfälle, und sie werden im Test gern gemischt. Beim
proportionalen Dreisatz wachsen beide Größen gemeinsam: doppelte Strecke, doppelter
Spritverbrauch. Beim antiproportionalen Dreisatz läuft es gegenläufig — mehr
Einsatzkräfte bedeuten weniger Zeit für dieselbe Aufgabe. Wer das verwechselt, rechnet
sauber und kommt trotzdem auf ein falsches Ergebnis.
Die Formel dahinter lässt sich in einem Satz merken. Proportional gilt
„Wert ÷ Menge × neue Menge“: erst der Wert für eine Einheit, dann hochrechnen.
Antiproportional gilt dagegen „Menge × Wert ÷ neue Menge“: Das Produkt aus beiden Größen bleibt
konstant. Die Kontrollfrage vor jeder Aufgabe lautet deshalb: Wird das Ergebnis größer oder
kleiner, wenn die vorgegebene Größe steigt? Wird es kleiner, ist es antiproportional.
Grundwissen, das reicht. Für den Mathematikteil brauchst du
kein Oberstufenniveau. Gefragt sind die vier Grundrechenarten, Dreisatz in beiden Varianten,
Prozentrechnung, Verhältnisse und Maßstab sowie einfache Flächen- und
Zeitberechnungen. Alles davon steht im Lehrstoff der Mittelstufe — der Unterschied zum Schulunterricht
liegt im Zeitdruck und in der Verpackung als Textaufgabe.
Aufgabe 1 — Proportionaler Dreisatz
Vier Streifenwagen verbrauchen auf einer Kontrollfahrt zusammen 34 Liter Kraftstoff. Wie viel verbrauchen sieben Streifenwagen auf derselben Strecke?
Lösung anzeigen
- Verbrauch pro Fahrzeug bestimmen: 34 Liter ÷ 4 = 8,5 Liter.
- Auf die neue Anzahl hochrechnen: 8,5 Liter × 7 = 59,5 Liter.
- Plausibilität prüfen: Mehr Fahrzeuge, mehr Verbrauch — das Ergebnis muss größer als 34 Liter sein. Passt.
Ergebnis: 59,5 Liter
Aufgabe 2 — Antiproportionaler Dreisatz
Sechs Einsatzkräfte benötigen für den Aufbau einer Absperrung 40 Minuten. Wie lange brauchen acht Einsatzkräfte für dieselbe Absperrung?
Lösung anzeigen
- Erkennen, dass es antiproportional ist: Mehr Kräfte bedeuten weniger Zeit.
- Gesamtaufwand berechnen: 6 Kräfte × 40 Minuten = 240 Kräfte-Minuten.
- Durch die neue Anzahl teilen: 240 ÷ 8 = 30 Minuten.
- Gegenprobe: 8 × 30 = 240 — derselbe Gesamtaufwand wie oben. Korrekt.
Ergebnis: 30 Minuten
Aufgabe 3 — Prozentrechnung — der Grundwert ist gesucht
45 Bewerberinnen und Bewerber haben den schriftlichen Test bestanden. Das entspricht 30 Prozent aller Angetretenen. Wie viele sind insgesamt angetreten?
Lösung anzeigen
- Nicht der Prozentwert ist gesucht, sondern der Grundwert — also die Gesamtzahl.
- Bekannt sind der Prozentwert (45) und der Prozentsatz (30 %).
- Grundwert = Prozentwert ÷ Prozentsatz: 45 ÷ 0,30 = 150.
- Gegenprobe: 30 % von 150 sind 45. Passt.
Ergebnis: 150 Angetretene
Aufgabe 4 — Verhältnisrechnung
Eine Dienstgruppe aus 45 Beamtinnen und Beamten soll im Verhältnis 4 : 5 auf zwei Reviere aufgeteilt werden. Wie viele entfallen auf welches Revier?
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- Verhältnisteile addieren: 4 + 5 = 9 Teile.
- Wert eines Teils berechnen: 45 ÷ 9 = 5 Personen je Teil.
- Auf beide Reviere verteilen: 4 × 5 = 20 und 5 × 5 = 25.
- Gegenprobe: 20 + 25 = 45, und 20 : 25 gekürzt ergibt wieder 4 : 5.
Ergebnis: 20 und 25 Beamtinnen und Beamte
Aufgabe 5 — Maßstab
Auf einer Einsatzkarte im Maßstab 1 : 25.000 liegen zwei Punkte 14 Zentimeter auseinander. Wie weit sind sie in der Wirklichkeit voneinander entfernt?
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- Der Maßstab besagt: 1 cm auf der Karte entspricht 25.000 cm in der Natur.
- Kartenstrecke umrechnen: 14 cm × 25.000 = 350.000 cm.
- In Meter umrechnen: 350.000 ÷ 100 = 3.500 Meter.
- In Kilometer umrechnen: 3.500 ÷ 1.000 = 3,5 Kilometer.
Ergebnis: 3,5 Kilometer
Wenn du diese fünf Typen sicher berechnen kannst, deckst du den Mathematikteil
der meisten Auswahlverfahren ab. Sinnvoll ist es, zusätzlich unter Zeitdruck zu üben: Nimm dir für
eine Aufgabe höchstens zwei Minuten und rechne ohne Taschenrechner: Welche Hilfsmittel erlaubt sind, legt jede Polizei selbst fest und teilt es mit der Einladung mit – wer ohne Rechner sicher ist, ist auf beide Fälle vorbereitet. Wer bei einer Aufgabe hängt, überspringt sie und kommt später zurück — im
Test zählt die Zahl der richtigen Antworten, nicht die Reihenfolge.
Wer den Prüfungstermin schon hat: Der Einstellungstest-Countdown begleitet dich in neun E-Mails bis zum Testtag.
In den ersten fünf Dienstjahren meist kein Ruhegehalt
Wirst du als Anwärter oder Beamter auf Probe dienstunfähig, bekommst du vor Ablauf der fünfjährigen Wartezeit in der Regel kein Ruhegehalt – es sei denn, die Dienstunfähigkeit geht auf einen Dienstunfall oder eine im Dienst erlittene Schädigung zurück – dann greift die Unfallfürsorge. Kostenlose Erstinformation anfordern:
Häufige Fragen zum Einstellungstest der Polizei
Wie lange dauert der schriftliche Einstellungstest?
Die Gesamtdauer variiert je nach Bundesland und Testanbieter, liegt aber meist bei mehreren Stunden, verteilt auf einzelne Testabschnitte mit jeweils eigener Zeitvorgabe. Genaue Zeiten teilt dir die zuständige Landespolizei oder die Bundespolizei in der Einladung zum Test mit.
Kann ich den Einstellungstest wiederholen, wenn ich durchfalle?
Ob und wie oft eine Wiederholung möglich ist, regelt jedes Bundesland beziehungsweise die Bundespolizei unterschiedlich. Häufig ist eine erneute Bewerbung nach einer bestimmten Wartezeit möglich. Verlässliche Angaben dazu bekommst du direkt von der jeweiligen Einstellungsbehörde.
Brauche ich für den Test spezielles Fachwissen aus dem Polizeidienst?
Nein. Geprüft wird Allgemeinwissen sowie Schulwissen aus Deutsch und Mathematik auf einem Niveau, das dem jeweils geforderten Schulabschluss entspricht. Polizeispezifisches Fachwissen wird erst in der Ausbildung vermittelt und ist im Einstellungstest nicht Voraussetzung.
Was passiert, wenn ich einen Aufgabentyp im Test nicht schaffe?
Meist wird nicht jeder Abschnitt einzeln bestanden oder nicht bestanden, sondern es zählt eine Gesamtpunktzahl über alle Bereiche. Wie genau die Auswertung gewichtet wird, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und wird in der Regel vorab kommuniziert.
Wie kann ich mich am besten auf den Konzentrationstest vorbereiten?
Regelmäßiges Training mit Aufmerksamkeits-Belastungstests wie dem d2-Test hilft, das Aufgabenformat kennenzulernen und Tempo aufzubauen. Ausreichend Schlaf vor dem Testtermin und Pausen beim Üben sind ebenso wichtig, weil der Test gezielt Ausdauer unter Zeitdruck prüft.
Zählt der Einstellungstest genauso viel wie der Sporttest?
Beide Bausteine sind in der Regel eigenständige Hürden im Auswahlverfahren, die unabhängig voneinander bestanden werden müssen. Wie sie im Gesamtergebnis gewichtet werden, hängt vom jeweiligen Auswahlverfahren der Landespolizei oder Bundespolizei ab.
Gibt es Unterschiede zwischen dem Test für den mittleren und den gehobenen Dienst?
Das Anforderungsniveau orientiert sich meist am geforderten Schulabschluss der jeweiligen Laufbahn, sodass Aufgaben für den gehobenen Dienst tendenziell anspruchsvoller ausfallen können. Die grundsätzlichen Aufgabentypen — Sprache, Logik, Mathematik, Konzentration, Allgemeinwissen — bleiben aber vergleichbar.
Woran erkenne ich einen antiproportionalen Dreisatz?
An der Richtung: Wenn die gesuchte Größe kleiner wird, während die vorgegebene größer wird, ist die Aufgabe antiproportional. Typisch sind Formulierungen mit mehr Personen, Maschinen oder Fahrzeugen für dieselbe Arbeit. Gerechnet wird dann über das konstante Produkt: Menge × Wert ÷ neue Menge, statt wie beim proportionalen Dreisatz über den Wert je Einheit.
Welches Grundwissen brauche ich für den Mathematikteil?
Die vier Grundrechenarten, Dreisatz in proportionaler und antiproportionaler Form, Prozentrechnung einschließlich der Suche nach dem Grundwert, Verhältnisse und Maßstab sowie einfache Flächen- und Zeitberechnungen. Das entspricht dem Stoff der Mittelstufe. Anspruchsvoll ist nicht der Inhalt, sondern der Zeitdruck und die Verpackung als Textaufgabe.
Darf ich im Einstellungstest einen Taschenrechner benutzen?
Das legt jede Polizei selbst fest; welche Hilfsmittel zugelassen sind, steht in der Einladung zum Test. Übe trotzdem von Anfang an ohne Rechner und mit sauberem Rechenweg auf Papier – dann bist du auf beide Fälle vorbereitet.
