
Polizist werden 2026: Der komplette Leitfaden
Von den Voraussetzungen über den Einstellungstest bis zur Verbeamtung — alles was du wissen musst.
Der Weg zur Polizei ist klar strukturiert, aber er hat mehrere Etappen: Von den formalen Voraussetzungen über den Einstellungstest bis zur Ausbildung oder dem Studium und schließlich der Verbeamtung auf Lebenszeit vergehen je nach Bundesland und Laufbahn mehrere Jahre. Wer sich bewerben möchte, sollte deshalb frühzeitig wissen, welche Laufbahngruppe zum eigenen Schulabschluss passt, wie der zeitliche Ablauf aussieht und mit welchen Bezügen während der Ausbildung realistisch zu rechnen ist. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess: von den grundlegenden Zulassungskriterien über die drei Laufbahngruppen mit ihrer jeweiligen Einstiegsbesoldung bis zum konkreten Zeitplan von der Bewerbung bis zum ersten Diensttag. Ergänzend beantworten wir die Fragen, die angehende Polizistinnen und Polizisten am häufigsten stellen — von der Numerus-Clausus-Frage über die Bleibepflicht im Einstellungs-Bundesland bis zum Quereinstieg ohne polizeiliche Vorerfahrung. Wichtig vorab: Die konkreten Regelungen zu Höchstalter, Bewerbungsfristen und Auswahlverfahren unterscheiden sich zwischen den Bundesländern und dem Bund teils deutlich, weshalb du dich für verbindliche Details immer beim Einstellungsamt deines Wunsch-Bundeslandes informieren solltest.
Voraussetzungen für den Polizeidienst
Die grundlegenden Einstellungsvoraussetzungen sind bundesweit ähnlich aufgebaut, variieren aber im Detail von Land zu Land — etwa bei Alters- und Größengrenzen. Neben dem Schulabschluss prüfen die Einstellungsämter vor allem die gesundheitliche und charakterliche Eignung sowie die körperliche Fitness, die im Sporttest nachgewiesen werden muss. Die folgende Liste zeigt die wichtigsten Kriterien im Überblick:
- Deutsche Staatsbürgerschaft (EU-Bürger in einigen Ländern möglich)
- Mindestalter: 16–18 Jahre je nach Bundesland
- Höchstalter: 30–32 Jahre für den regulären Einstieg
- Schulabschluss: Mittlerer Abschluss für mD, Abitur/FH-Reife für gD
- Gesundheitliche Eignung (Polizeiärztliche Untersuchung)
- Verfassungstreue (keine Vorstrafen, keine Extremismus-Einträge)
Die drei Laufbahngruppen
Welche Laufbahn für dich infrage kommt, hängt in erster Linie von deinem Schulabschluss ab. Die drei Laufbahngruppen unterscheiden sich nicht nur in der Zugangsvoraussetzung, sondern auch in Ausbildungsdauer, Aufgabenfeld und Einstiegsbesoldung. Die Spalte „Einstiegsbesoldung“ nennt dabei die Besoldungsgruppe zu Beginn der jeweiligen Laufbahn — das tatsächliche Grundgehalt innerhalb dieser Gruppe hängt zusätzlich von der Erfahrungsstufe und dem Bundesland ab, wie das Rechenbeispiel weiter unten zeigt.
| Laufbahn | Abkürzung | Qualifikation | Einstiegsbesoldung |
|---|---|---|---|
| Mittlerer Dienst | mD | Hauptschulabschluss + Ausbildung | A7 |
| Gehobener Dienst | gD | Abitur/FH-Reife + Studium | A9/A10 |
| Höherer Dienst | hD | Universitätsstudium | A13 |
In der Praxis entscheiden sich die meisten Bewerberinnen und Bewerber für den gehobenen Dienst, weil er mit Abitur oder Fachhochschulreife erreichbar ist und ein duales Bachelorstudium an der Polizeifachhochschule beinhaltet. Der mittlere Dienst bleibt in einigen Bundesländern eine Option für Bewerber mit mittlerem Schulabschluss, wird aber zunehmend durch den gehobenen Dienst als Regelzugang ersetzt. Der höhere Dienst ist demgegenüber der kleinste Zugangsweg und richtet sich meist an Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium, die direkt in Führungspositionen einsteigen.
Der Weg zur Polizei: Schritt für Schritt
Vom ersten Klick auf die Online-Bewerbung bis zur Verbeamtung auf Lebenszeit durchläufst du mehrere klar getrennte Phasen. Jede Etappe hat eigene Anforderungen und teilweise eigene Fristen, weshalb sich eine frühzeitige Vorbereitung auszahlt — insbesondere beim Einstellungstest, der körperliche, kognitive und psychologische Elemente kombiniert.
- Bewerbung: Online beim Einstellungsamt des gewünschten Bundeslandes
- Einstellungstest: Sporttest, Wissenstest, Psychologie
- Medizinische Untersuchung
- Ausbildung/Studium: 2–4 Jahre an der Polizeischule/-hochschule
- Probezeit: 2–3 Jahre als Polizeibeamter auf Probe
- Verbeamtung auf Lebenszeit
Rechenbeispiel: Was verdienst du schon während der Ausbildung?
Ein Punkt, der bei der Berufswahl oft unterschätzt wird: Anders als bei vielen zivilen Ausbildungen oder Studiengängen bist du im Polizeidienst schon während der Ausbildung Beamter auf Widerruf und erhältst Anwärterbezüge — kein Gehalt im klassischen Sinn, aber ein planbares monatliches Einkommen. Im gehobenen Dienst (gD) liegen diese Anwärterbezüge bei ca. 1.400 bis 1.600 Euro netto im Monat, das duale Bachelorstudium dauert dabei rund 3 Jahre (36 Monate).
Rechenweg: Legt man den Mittelwert von ca. 1.500 Euro netto pro Monat zugrunde, ergibt sich über die volle Studiendauer: 1.500 € × 36 Monate = ca. 54.000 Euro netto, die angehende Kommissarinnen und Kommissare bereits während des Studiums verdienen — bevor überhaupt das reguläre Beamtengehalt einsetzt. Nach erfolgreichem Abschluss und Übernahme in die Besoldungsgruppe A9 (Eingangsstufe) liegt das monatliche Grundgehalt brutto in Bayern beispielsweise bei ca. 3.295 Euro (Stand 2025/2026, ohne Zulagen wie die Polizeizulage), Details dazu findest du in der Besoldungstabelle Bayern. Diese Werte sind Näherungswerte (ca.) und dienen der Orientierung — die exakte Höhe hängt von Bundesland, Erfahrungsstufe und Familienstand ab.
Häufige Fragen: Polizist werden
Welche Voraussetzungen brauche ich für den Polizeidienst?
Neben dem Mindestalter (16-18 Jahre je Bundesland) und der deutschen Staatsangehörigkeit musst du die körperliche Eignung, den Einstellungstest sowie eine polizeiärztliche Untersuchung bestehen. Deine Verfassungstreue und ein einwandfreies Führungszeugnis werden ebenfalls geprüft. In vielen Bundesländern gilt zudem ein Höchstalter von 28-32 Jahren beim Einstieg.
Wie lange dauert die Ausbildung oder das Studium?
Im mittleren Dienst (mD) dauert die Berufsausbildung 2,5-3 Jahre. Im gehobenen Dienst (gD) absolvierst du ein duales Bachelorstudium an der Polizeifachhochschule über 3 Jahre. Die Studierenden erhalten dabei Anwärterbezüge (ca. 1.400-1.600 € netto) und sind bereits Beamte auf Widerruf.
Gibt es einen Numerus Clausus (NC) für den Polizeidienst?
Für den gD (Bachelor) gilt je nach Bundesland ein Notendurchschnitt von 2,5-3,0 als Richtwert – entscheidend ist aber der Gesamteindruck im Auswahlverfahren, nicht allein der Schulabschluss. Für den mD ist ein Hauptschulabschluss (einige Länder: Realschulabschluss) Mindestvoraussetzung.
Wie hoch ist die Einstiegsbesoldung nach der Übernahme?
Der mittlere Dienst startet in Besoldungsgruppe A7, der gehobene Dienst in A9 oder A10, der höhere Dienst in A13. Das konkrete Grundgehalt innerhalb dieser Gruppe ist von Bundesland und Erfahrungsstufe abhängig — genaue Zahlen findest du in den Besoldungstabellen der einzelnen Bundesländer.
Tipp: Bewerbe dich in mehreren Bundesländern gleichzeitig – die Bewerbungsfristen variieren, und deine Chancen steigen erheblich.
Zeitplan: Von der Idee bis zum ersten Dienst
Die folgende Tabelle ordnet die einzelnen Phasen zeitlich ein — von der ersten Vorbereitung bis zur Verbeamtung auf Lebenszeit. Wichtig für die Einordnung: Die Zeiträume sind Richtwerte, die je nach Bundesland, Laufbahn und individuellem Bewerbungsverlauf variieren können. Wer sich beispielsweise für mehrere Bundesländer parallel bewirbt, kann die Bewerbungsphase unter Umständen verkürzen, muss dafür aber mehrere Auswahlverfahren gleichzeitig durchlaufen.
| Phase | Dauer | Was passiert |
|---|---|---|
| Vorbereitung | 6–12 Monate | Sport, Physik-Wiederholung, Bewerbungsunterlagen |
| Bewerbungsphase | 3–9 Monate | Tests, Sporttest, Medizin, ggf. AC |
| Studium/Ausbildung | 2,5–3 Jahre | Vollzeit, mit Anwärterbezügen |
| Probezeit | 2–3 Jahre | Beamter auf Probe, voller Dienst |
| Verbeamtung auf Lebenszeit | Nach Probezeit | Pensionsanspruch beginnt |
Insgesamt vergehen von der ersten Bewerbung bis zur Verbeamtung auf Lebenszeit häufig 5 bis 7 Jahre — je nach Laufbahn, Bundesland und individuellem Verlauf der Probezeit. Wer diesen Zeithorizont von vornherein einplant, kann die Wartezeiten realistisch in die eigene Lebensplanung einbauen, etwa bei Fragen zu Wohnort, Familienplanung oder Altersvorsorge.
Häufige Fragen für angehende Polizisten
Kann ich mich als Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse bewerben?
Ja — für den mittleren Dienst (mD) reicht Fachoberschulreife. Für den gehobenen Dienst (gD) braucht man Abitur oder Fachabitur. Polizeiliches Vorwissen ist keine Voraussetzung. Was zählt: körperliche Fitness, mentale Belastbarkeit, allgemeine Intelligenz (gemessen im Eignungstest). Wer aus einem nicht-polizeilichen Beruf kommt, kann sich mit Vorerfahrung (IT, Soziale Arbeit, Recht) für spezielle Einheiten empfehlen. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zum Quereinstieg bei der Polizei.
Muss ich nach der Einstellung im Bundesland bleiben, in dem ich mich beworben habe?
Für die ersten Jahre ja — in der Regel gibt es eine Bleibepflicht von 3–5 Jahren im Einstellungs-Bundesland. Danach sind Versetzungsanträge möglich, aber nicht automatisch genehmigt. Ein Wechsel in ein anderes Bundesland erfordert faktisch eine Neuanstellung. Das ist ein wichtiger Aspekt bei der Bundesland-Wahl: Man sollte sich mit dem Bundesland und der dortigen Lebensweise langfristig identifizieren können — auch mit Blick auf Besoldung und Lebenshaltungskosten, die sich im Bundesländer-Vergleich zeigen.
Spielen Tattoos oder Piercings bei der Bewerbung eine Rolle?
Ja, das wird im Rahmen der äußeren Erscheinung geprüft, allerdings unterscheiden sich die konkreten Regelungen je nach Bundesland zum Teil deutlich — insbesondere bei sichtbaren Tattoos im Dienst-Uniform-Bereich. Wer tätowiert ist oder es werden möchte, sollte sich vorab beim jeweiligen Einstellungsamt informieren. Einen Überblick gibt unser Beitrag Tattoos bei der Polizei.
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