Polizeiausbildung 2026: Alles was du wissen musst

Polizeiausbildung 2026: Alles was du wissen musst

Dauer, Inhalte, Gehalt und Unterschiede — von Polizist werden bis zur Verbeamtung.

Die Polizeiausbildung ist je nach angestrebter Laufbahn entweder eine klassische Berufsausbildung (mittlerer Dienst) oder ein duales Studium (gehobener Dienst). Beide Wege führen direkt in ein Beamtenverhältnis — zunächst als Beamter auf Widerruf, dann auf Probe. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, aber fair vergütet: Bereits während der Ausbildung erhälst du ein monatliches Anwärtergehalt, das weit über einer typischen Ausbildungsvergütung liegt.

Anders als in vielen zivilen Ausbildungsberufen bist du als Polizeianwärter von Tag eins an Beamter — mit allen Pflichten, aber auch mit den typischen Beamtenvorteilen wie Absicherung im Krankheitsfall und einem klar geregelten Aufstiegspfad. Welcher der drei Laufbahnwege am Ende der richtige ist, hängt vor allem von deinem Schulabschluss ab: Hauptschulabschluss oder mittlerer Schulabschluss öffnen die Tür zum mittleren Dienst, Abitur oder Fachhochschulreife zum gehobenen Dienst. Der höhere Dienst ist in der Praxis meist ein späterer Aufstiegsschritt nach einem Studium und keine klassische Einstiegsausbildung. Die folgenden Abschnitte erklären, was dich in jeder Laufbahn erwartet, wie hoch das Anwärtergehalt ausfällt und worin sich Bundes- und Landespolizei unterscheiden.

Die amtlichen Anwärtergrundbeträge aller 17 Dienstherren für den mittleren und den gehobenen Dienst – mit Rechtsstand und Polizeizulage in der Ausbildung – stehen auf der Seite Polizei-Ausbildung: Gehalt und Anwärterbezüge.

Zwei Wege: Ausbildung oder Studium

Laufbahn Qualifikation Abschluss Dauer
Mittlerer Dienst (mD) Hauptschulabschluss / MSA A7 Polizeimeister 2–2,5 Jahre
Gehobener Dienst (gD) Abitur / FH-Reife Bachelor of Arts, A9 3 Jahre
Höherer Dienst (hD) Universitätsstudium Master + Aufstieg variiert

So liest du die Tabelle: Die Spalte „Qualifikation“ zeigt, welchen Schulabschluss du für den jeweiligen Einstieg mindestens brauchst — mehr ist natürlich immer möglich, wer mit Abitur in den mittleren Dienst startet, kann sich später leichter für den Aufstieg qualifizieren. Die Spalte „Abschluss“ nennt die Besoldungsgruppe, mit der du direkt nach bestandener Ausbildung bzw. Studium verbeamtet wirst — das ist dein Startgehalt, nicht dein Endgehalt. Wie es von dort aus weitergeht, erklärt die Übersicht zum Aufstieg innerhalb der Laufbahnen. Der höhere Dienst ist mit „variiert“ markiert, weil er in den meisten Bundesländern kein direkter Einstiegsweg ist, sondern über ein Masterstudium bzw. einen Aufstieg aus dem gehobenen Dienst erreicht wird.

Ausbildung Mittlerer Dienst — Alltag und Inhalte

Die Ausbildung im mittleren Polizeidienst dauert je nach Bundesland 24 bis 30 Monate und ist in drei Phasen gegliedert. In der Grundausbildung (ca. 6 Monate) werden Rechtskunde, Strafrecht, Kriminalistik, polizeiliche Einsatztaktik, Erste Hilfe und Schießen gelehrt. Die praktische Ausbildungsphase folgt: Der Anwärter kommt für mehrere Monate in eine echte Polizeidienststelle und begleitet erfahrene Beamte im Wach- und Wechseldienst. Den Abschluss bilden eine schriftliche, mündliche und praktische Prüfung.

Ein typischer Ausbildungstag im mittleren Dienst beginnt um 07:30 Uhr mit Dienstsport, danach folgen Theorieblöcke, nachmittags Einsatztraining oder Fahrausbildung. Wochenendunterricht ist selten — die meisten Ausbildungsabschnitte laufen als reguläre Wochenarbeitszeit.

💰 Anwärtergehalt mittlerer Dienst: 1.457,11 € bis 1.588,41 € brutto monatlich (Anwärtergrundbetrag, je nach Dienstherr, Stand September 2026). Nach der Ausbildung direkt A7 (Polizeimeister) — Einstieg in der Eingangsstufe mit ca. 2.890–3.220 € brutto Grundgehalt, je nach Bundesland (Stand 2026).

Der Sprung vom Anwärtergehalt auf das erste reguläre Beamtengehalt ist im mittleren Dienst besonders spürbar, weil er auf einen Schlag erfolgt — es gibt keine schrittweise Angleichung. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten. Wichtig zu wissen: Die genannten Beträge sind Bruttobeträge ohne Zulagen. Wer im Wechselschichtdienst arbeitet, bekommt zusätzlich Schichtzulagen; nach der Verbeamtung kommt außerdem die Polizeizulage hinzu. Einen Überblick über alle Zuschläge und wie sie sich addieren, gibt der Polizei-Gehaltsrechner.

Studium Gehobener Dienst — Duales Konzept

Das Studium zum Polizeikommissar (gehobener Dienst) dauert drei Jahre und endet mit dem Bachelor of Arts „Polizeivollzugsdienst“. Es ist dual aufgebaut: Theoriesemester an der Hochschule der Polizei wechseln sich mit praktischen Ausbildungsabschnitten in den Dienststellen ab. Inhalte sind Kriminologie, Recht, Führungslehre, Verkehrsrecht, Kriminalistik und interkulturelle Kompetenz — deutlich breiter als im mittleren Dienst.

Wer mit dem Bachelor fertig ist, wird direkt als Polizeikommissar (A9) verbeamtet. Der Karrierevorteil ist erheblich: Die Laufbahn geht bis A13/A14 ohne erneutes Studium, während Beamte des mittleren Dienstes aufwändig aufsteigen müssen.

💰 Anwärtergehalt gehobener Dienst: 1.513,45 € bis 1.643,69 € brutto monatlich in den Ländern, 1.846,85 € beim Bund (Anwärtergrundbetrag, Stand September 2026). Nach dem Studium direkt A9 (Polizeikommissar) — Einstieg in der Eingangsstufe mit ca. 3.190–3.550 € brutto Grundgehalt plus Polizeizulage, je nach Bundesland (Stand 2026).

Auch hier gilt: Die genannten Beträge sind das Grundgehalt ohne Zuschläge. Die Polizeizulage kommt für Beamte im Vollzugsdienst automatisch dazu und wird unabhängig von der Besoldungsgruppe gezahlt. Wichtig für die Studienwahl ist außerdem, dass der gehobene Dienst nicht nur ein höheres Einstiegsgehalt bringt, sondern vor allem eine deutlich höhere Gehaltsdecke: Wer den Sprung in den mittleren Dienst wählt und später aufsteigen will, muss den Aufstiegslehrgang durchlaufen — Details dazu findest du in der FAQ weiter unten und in der Übersicht zum Karriereweg innerhalb der Polizei.

Rechenbeispiel: Vom Anwärtergehalt zur ersten Besoldung

Nina beginnt ihre Ausbildung im mittleren Dienst in Brandenburg – ihr Anwärtergrundbetrag liegt bei 1.518,37 € brutto monatlich (Tabelle Juli 2024; die Anpassung 2026 ist im Landtag). Nach der Abschlussprüfung wird sie als Polizeimeisterin in A7 verbeamtet – mit einem Grundgehalt in der Eingangsstufe von 2.891,11 € brutto (je nach Bundesland ca. 2.890–3.220 €, Stand 2026). Die Rechnung: 2.891,11 € minus 1.518,37 € ergibt eine Steigerung von 1.372,74 € brutto monatlich – ihr Grundgehalt verdoppelt sich damit fast gegenüber dem Ausbildungsmonat. Die Polizeizulage erhält sie schon in der Ausbildung ab dem zweiten Jahr und danach weiter, dazu kommen mögliche Schichtzulagen, sodass ihr tatsächliches Bruttogehalt über dem Grundgehalt liegt. Diese Rechnung ist eine Annäherung zur Orientierung — die exakten Beträge hängen vom Bundesland, der individuellen Erfahrungsstufe und eventuellen Zulagen ab.

Bundespolizei vs. Landespolizei: Unterschiede in der Ausbildung

Wer sich bei der Bundespolizei bewirbt, durchläuft die Ausbildung an der Bundespolizeiakademie in Lübeck oder Neustrelitz. Die Inhalte sind ähnlich wie bei den Ländern, die Besoldung erfolgt nach Bundesbesoldungsgesetz. Ein Vorteil der Bundespolizei: Die Bewerberauswahl erfolgt zentral, es gibt keine 16 verschiedenen Bewerberportale.

Bei beiden Dienstherren beginnt der Berufsweg nach der Ausbildung oft in einer Einsatzhundertschaft: Die Unterschiede zwischen Landes- und Bundesbereitschaftspolizei erklärt die Seite zur Bereitschaftspolizei.

Für angehende Landespolizisten gilt dagegen: Jedes Bundesland organisiert Ausbildung, Bewerbungsverfahren und teils auch die genaue Ausbildungsdauer eigenständig. Das betrifft auch die Höhe des Anwärtergehalts und die spätere Besoldung — beide unterscheiden sich je nach Bundesland spürbar. Wer sich vor der Bewerbung einen Überblick verschaffen will, findet detaillierte Zahlen in den landesspezifischen Besoldungstabellen, etwa zur Besoldung in NRW oder zur Besoldung in Bayern.

Welchen Abschluss braucht man für die Polizei?

Die Frage lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, weil sie von der Laufbahn abhängt — aber die Struktur ist überall dieselbe. Für den mittleren Polizeivollzugsdienst braucht man in der Regel einen mittleren Schulabschluss; in mehreren Ländern reicht auch ein Hauptschulabschluss zusammen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Für den gehobenen Dienst wird die Fachhochschulreife oder das Abitur verlangt, weil dort ein Studium absolviert wird.

Wichtiger als der Abschluss selbst ist ein Punkt, den viele unterschätzen: Der Schulabschluss ist eine Zugangsvoraussetzung, kein Auswahlkriterium. Über die Einstellung entscheidet das Auswahlverfahren, nicht der Notendurchschnitt auf dem Zeugnis. Wer formal zugelassen ist, startet dort mit denselben Chancen wie alle anderen. Die vollständige Liste der formalen Kriterien — Alter, Staatsangehörigkeit, Führungszeugnis — steht unter Einstellungsvoraussetzungen.

Ausbildungsbeginn: wann eingestellt wird

Anders als in der freien Wirtschaft gibt es keinen bundesweit einheitlichen Ausbildungsbeginn. Die Länder und die Bundespolizei stellen zu festen Terminen ein, meist ein- bis dreimal im Jahr; verbreitet sind Termine im Frühjahr und im Spätsommer. Die Bewerbungsfristen liegen dabei weit vor dem Einstellungstermin — je nach Behörde neun bis zwölf Monate, weil das Auswahlverfahren mehrstufig ist und die ärztliche Untersuchung Zeit braucht.

Praktisch heißt das: Wer im Sommer sein Abitur macht und im selben Jahr anfangen will, bewirbt sich im Herbst davor. Wer diese Frist verpasst, verliert nicht das Jahr, sondern den Termin — und je nach Land ist der nächste erst zwölf Monate später. Die aktuellen Termine und den Ablauf beschreibt der Ratgeber Polizeilaufbahn, das Verfahren selbst Auswahlverfahren der Polizei.

Ausbildungsgehalt: was Polizeivollzugsbeamte in Ausbildung bekommen

Polizeianwärterinnen und -anwärter sind vom ersten Tag an Beamte auf Widerruf und beziehen deshalb kein Ausbildungsentgelt, sondern Anwärterbezüge. Der Unterschied ist mehr als sprachlich: Die Bezüge sind steuerpflichtig, aber sozialversicherungsfrei, und es besteht von Beginn an Anspruch auf Beihilfe oder freie Heilfürsorge — je nach Bundesland. Netto bleibt deshalb spürbar mehr übrig, als eine Bruttozahl im Vergleich mit einer dualen Ausbildung vermuten lässt.

Die Höhe richtet sich nach dem angestrebten Eingangsamt und wird von jedem Dienstherrn eigenständig festgesetzt. Wie sich daraus nach der Ernennung das erste reguläre Gehalt entwickelt, zeigt der Gehaltsvergleich nach Bundesland; welche Absicherung in dieser Phase überhaupt gilt, erklärt freie Heilfürsorge.

Häufige Fragen zur Polizeiausbildung

Kann man mit Mittlerem Schulabschluss Polizeikommissar werden?

Direkt nicht — der gehobene Dienst verlangt Fachhochschulreife oder Abitur. Aber: Wer den mittleren Dienst abschließt und sich durch herausragende Leistungen empfiehlt, kann über den Aufstiegslehrgang in den gehobenen Dienst wechseln. Das dauert zusätzliche 2–3 Jahre.

Gibt es eine Altersobergrenze?

Ja, aber sie ist sehr unterschiedlich – zum Beispiel 27 Jahre im mittleren und 33 im gehobenen Dienst der Bundespolizei, 30 in Bayern, 31 in Niedersachsen, 36 in Hessen und 40 bzw. 41 Jahre in Berlin. Für Bewerber mit bestimmten Qualifikationen (z. B. Militärdienst) gibt es teilweise Ausnahmen. Prüfe die Grenze in der Ausschreibung deines Landes.

Was passiert bei Nichtbestehen der Abschlussprüfung?

Die meisten Bundesländer erlauben eine Wiederholungsprüfung. Wer endgültig nicht besteht, verliert das Beamtenverhältnis auf Widerruf — muss also das Anwärtergehalt nicht zurückzahlen, hat aber keinen Abschluss in der Hand. In der Praxis ist die Durchfallquote bei der Abschlussprüfung sehr niedrig (unter 5 %).

Muss ich für die Unterkunft während der Ausbildung zahlen?

Viele Polizeischulen bieten Wohnheimplätze auf dem Campus an, teils gegen eine geringe Eigenbeteiligung. Ob und in welcher Höhe Kosten für Unterkunft und Verpflegung anfallen, regelt jedes Bundesland unterschiedlich — am besten fragst du direkt bei der zuständigen Landespolizei nach den konkreten Konditionen.

Wie bin ich während der Ausbildung krankenversichert?

Als Beamter auf Widerruf bist du ab dem ersten Ausbildungstag abgesichert — je nach Bundesland über freie Heilfürsorge oder über eine Kombination aus Beihilfe und einer privaten Restkostenversicherung. Welches Modell für dich gilt, hängt von deinem Ausbildungsland ab.

Habe ich während der Ausbildung Anspruch auf Urlaub?

Ja. Als Beamter auf Widerruf hast du regulären Anspruch auf Erholungsurlaub. Die genaue Anzahl der Urlaubstage richtet sich nach dem Landesbeamtenrecht des jeweiligen Bundeslandes und kann daher leicht variieren.

Was ist der Unterschied zwischen Ausbildung und Verbeamtung auf Probe?

Während der Ausbildung bist du Beamter auf Widerruf — dieses Verhältnis dient ausschließlich dem Zweck der Ausbildung. Nach bestandener Abschlussprüfung folgt die Verbeamtung auf Probe, die in der Regel mehrere Jahre dauert, bevor am Ende die Verbeamtung auf Lebenszeit steht.

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