Polizeiausbildung 2026: Alles was du wissen musst

Polizeiausbildung 2026: Alles was du wissen musst

Dauer, Inhalte, Gehalt und Unterschiede — von Polizist werden bis zur Verbeamtung.

Die Polizeiausbildung ist je nach angestrebter Laufbahn entweder eine klassische Berufsausbildung (mittlerer Dienst) oder ein duales Studium (gehobener Dienst). Beide Wege führen direkt in ein Beamtenverhältnis — zunächst als Beamter auf Widerruf, dann auf Probe. Die Ausbildung ist anspruchsvoll, aber fair vergütet: Bereits während der Ausbildung erhälst du ein monatliches Anwärtergehalt, das weit über einer typischen Ausbildungsvergütung liegt.

Anders als in vielen zivilen Ausbildungsberufen bist du als Polizeianwärter von Tag eins an Beamter — mit allen Pflichten, aber auch mit den typischen Beamtenvorteilen wie Absicherung im Krankheitsfall und einem klar geregelten Aufstiegspfad. Welcher der drei Laufbahnwege am Ende der richtige ist, hängt vor allem von deinem Schulabschluss ab: Hauptschulabschluss oder mittlerer Schulabschluss öffnen die Tür zum mittleren Dienst, Abitur oder Fachhochschulreife zum gehobenen Dienst. Der höhere Dienst ist in der Praxis meist ein späterer Aufstiegsschritt nach einem Studium und keine klassische Einstiegsausbildung. Die folgenden Abschnitte erklären, was dich in jeder Laufbahn erwartet, wie hoch das Anwärtergehalt ausfällt und worin sich Bundes- und Landespolizei unterscheiden.

Zwei Wege: Ausbildung oder Studium

Laufbahn Qualifikation Abschluss Dauer
Mittlerer Dienst (mD) Hauptschulabschluss / MSA A7 Polizeimeister 2–2,5 Jahre
Gehobener Dienst (gD) Abitur / FH-Reife Bachelor of Arts, A9 3 Jahre
Höherer Dienst (hD) Universitätsstudium Master + Aufstieg variiert

So liest du die Tabelle: Die Spalte „Qualifikation“ zeigt, welchen Schulabschluss du für den jeweiligen Einstieg mindestens brauchst — mehr ist natürlich immer möglich, wer mit Abitur in den mittleren Dienst startet, kann sich später leichter für den Aufstieg qualifizieren. Die Spalte „Abschluss“ nennt die Besoldungsgruppe, mit der du direkt nach bestandener Ausbildung bzw. Studium verbeamtet wirst — das ist dein Startgehalt, nicht dein Endgehalt. Wie es von dort aus weitergeht, erklärt die Übersicht zum Aufstieg innerhalb der Laufbahnen. Der höhere Dienst ist mit „variiert“ markiert, weil er in den meisten Bundesländern kein direkter Einstiegsweg ist, sondern über ein Masterstudium bzw. einen Aufstieg aus dem gehobenen Dienst erreicht wird.

Ausbildung Mittlerer Dienst — Alltag und Inhalte

Die Ausbildung im mittleren Polizeidienst dauert je nach Bundesland 24 bis 30 Monate und ist in drei Phasen gegliedert. In der Grundausbildung (ca. 6 Monate) werden Rechtskunde, Strafrecht, Kriminalistik, polizeiliche Einsatztaktik, Erste Hilfe und Schießen gelehrt. Die praktische Ausbildungsphase folgt: Der Anwärter kommt für mehrere Monate in eine echte Polizeidienststelle und begleitet erfahrene Beamte im Wach- und Wechseldienst. Den Abschluss bilden eine schriftliche, mündliche und praktische Prüfung.

Ein typischer Ausbildungstag im mittleren Dienst beginnt um 07:30 Uhr mit Dienstsport, danach folgen Theorieblöcke, nachmittags Einsatztraining oder Fahrausbildung. Wochenendunterricht ist selten — die meisten Ausbildungsabschnitte laufen als reguläre Wochenarbeitszeit.

💰 Anwärtergehalt mittlerer Dienst: ca. 1.350–1.550 € brutto monatlich, je nach Bundesland. Nach der Ausbildung direkt A7 (Polizeimeister) — Einstieg in der Eingangsstufe mit ca. 2.890–3.220 € brutto Grundgehalt, je nach Bundesland (Stand 2026).

Der Sprung vom Anwärtergehalt auf das erste reguläre Beamtengehalt ist im mittleren Dienst besonders spürbar, weil er auf einen Schlag erfolgt — es gibt keine schrittweise Angleichung. Wie sich das konkret auswirkt, zeigt das Rechenbeispiel weiter unten. Wichtig zu wissen: Die genannten Beträge sind Bruttobeträge ohne Zulagen. Wer im Wechselschichtdienst arbeitet, bekommt zusätzlich Schichtzulagen; nach der Verbeamtung kommt außerdem die Polizeizulage hinzu. Einen Überblick über alle Zuschläge und wie sie sich addieren, gibt der Polizei-Gehaltsrechner.

Studium Gehobener Dienst — Duales Konzept

Das Studium zum Polizeikommissar (gehobener Dienst) dauert drei Jahre und endet mit dem Bachelor of Arts „Polizeivollzugsdienst“. Es ist dual aufgebaut: Theoriesemester an der Hochschule der Polizei wechseln sich mit praktischen Ausbildungsabschnitten in den Dienststellen ab. Inhalte sind Kriminologie, Recht, Führungslehre, Verkehrsrecht, Kriminalistik und interkulturelle Kompetenz — deutlich breiter als im mittleren Dienst.

Wer mit dem Bachelor fertig ist, wird direkt als Polizeikommissar (A9) verbeamtet. Der Karrierevorteil ist erheblich: Die Laufbahn geht bis A13/A14 ohne erneutes Studium, während Beamte des mittleren Dienstes aufwändig aufsteigen müssen.

💰 Anwärtergehalt gehobener Dienst: ca. 1.450–1.680 € brutto monatlich. Nach dem Studium direkt A9 (Polizeikommissar) — Einstieg in der Eingangsstufe mit ca. 3.190–3.550 € brutto Grundgehalt plus Polizeizulage, je nach Bundesland (Stand 2026).

Auch hier gilt: Die genannten Beträge sind das Grundgehalt ohne Zuschläge. Die Polizeizulage kommt für Beamte im Vollzugsdienst automatisch dazu und wird unabhängig von der Besoldungsgruppe gezahlt. Wichtig für die Studienwahl ist außerdem, dass der gehobene Dienst nicht nur ein höheres Einstiegsgehalt bringt, sondern vor allem eine deutlich höhere Gehaltsdecke: Wer den Sprung in den mittleren Dienst wählt und später aufsteigen will, muss den Aufstiegslehrgang durchlaufen — Details dazu findest du in der FAQ weiter unten und in der Übersicht zum Karriereweg innerhalb der Polizei.

Rechenbeispiel: Vom Anwärtergehalt zur ersten Besoldung

Nina beginnt ihre Ausbildung im mittleren Dienst in einem Bundesland, das sich in der Mitte der oben genannten Spanne bewegt — ihr Anwärtergehalt liegt bei ca. 1.450 € brutto monatlich. Nach 27 Monaten besteht sie die Abschlussprüfung und wird als Polizeimeisterin in A7 verbeamtet — mit einem Grundgehalt in der Eingangsstufe von ca. 2.900 € brutto (je nach Bundesland ca. 2.890–3.220 €, Stand 2026). Die Rechnung: 2.900 € minus 1.450 € ergibt eine Steigerung von ca. 1.450 € brutto monatlich — ihr Gehalt verdoppelt sich damit in etwa gegenüber dem letzten Ausbildungsmonat. Zusätzlich zum Grundgehalt kommen bei Nina, sobald sie im Streifendienst eingesetzt wird, noch die Polizeizulage sowie mögliche Schichtzulagen hinzu, sodass ihr tatsächliches Bruttogehalt über den 2.900 € liegt. Diese Rechnung ist eine Annäherung zur Orientierung — die exakten Beträge hängen vom Bundesland, der individuellen Erfahrungsstufe und eventuellen Zulagen ab.

Bundespolizei vs. Landespolizei: Unterschiede in der Ausbildung

Wer sich bei der Bundespolizei bewirbt, durchläuft die Ausbildung an der Bundespolizeiakademie in Lübeck oder Neustrelitz. Die Inhalte sind ähnlich wie bei den Ländern, die Besoldung erfolgt nach Bundesbesoldungsgesetz. Ein Vorteil der Bundespolizei: Die Bewerberauswahl erfolgt zentral, es gibt keine 16 verschiedenen Bewerberportale.

Für angehende Landespolizisten gilt dagegen: Jedes Bundesland organisiert Ausbildung, Bewerbungsverfahren und teils auch die genaue Ausbildungsdauer eigenständig. Das betrifft auch die Höhe des Anwärtergehalts und die spätere Besoldung — beide unterscheiden sich je nach Bundesland spürbar. Wer sich vor der Bewerbung einen Überblick verschaffen will, findet detaillierte Zahlen in den landesspezifischen Besoldungstabellen, etwa zur Besoldung in NRW oder zur Besoldung in Bayern.

Häufige Fragen zur Polizeiausbildung

Kann man mit Mittlerem Schulabschluss Polizeikommissar werden?

Direkt nicht — der gehobene Dienst verlangt Fachhochschulreife oder Abitur. Aber: Wer den mittleren Dienst abschließt und sich durch herausragende Leistungen empfiehlt, kann über den Aufstiegslehrgang in den gehobenen Dienst wechseln. Das dauert zusätzliche 2–3 Jahre.

Gibt es eine Altersobergrenze?

Ja, die meisten Bundesländer setzen die Grenze bei 30–34 Jahren für die Erstverbeamtung. Für Bewerber mit bestimmten Qualifikationen (z. B. Militärdienst) gibt es teilweise Ausnahmen.

Was passiert bei Nichtbestehen der Abschlussprüfung?

Die meisten Bundesländer erlauben eine Wiederholungsprüfung. Wer endgültig nicht besteht, verliert das Beamtenverhältnis auf Widerruf — muss also das Anwärtergehalt nicht zurückzahlen, hat aber keinen Abschluss in der Hand. In der Praxis ist die Durchfallquote bei der Abschlussprüfung sehr niedrig (unter 5 %).

Muss ich für die Unterkunft während der Ausbildung zahlen?

Viele Polizeischulen bieten Wohnheimplätze auf dem Campus an, teils gegen eine geringe Eigenbeteiligung. Ob und in welcher Höhe Kosten für Unterkunft und Verpflegung anfallen, regelt jedes Bundesland unterschiedlich — am besten fragst du direkt bei der zuständigen Landespolizei nach den konkreten Konditionen.

Wie bin ich während der Ausbildung krankenversichert?

Als Beamter auf Widerruf bist du ab dem ersten Ausbildungstag abgesichert — je nach Bundesland über freie Heilfürsorge oder über eine Kombination aus Beihilfe und einer privaten Restkostenversicherung. Welches Modell für dich gilt, hängt von deinem Ausbildungsland ab.

Habe ich während der Ausbildung Anspruch auf Urlaub?

Ja. Als Beamter auf Widerruf hast du regulären Anspruch auf Erholungsurlaub. Die genaue Anzahl der Urlaubstage richtet sich nach dem Landesbeamtenrecht des jeweiligen Bundeslandes und kann daher leicht variieren.

Was ist der Unterschied zwischen Ausbildung und Verbeamtung auf Probe?

Während der Ausbildung bist du Beamter auf Widerruf — dieses Verhältnis dient ausschließlich dem Zweck der Ausbildung. Nach bestandener Abschlussprüfung folgt die Verbeamtung auf Probe, die in der Regel mehrere Jahre dauert, bevor am Ende die Verbeamtung auf Lebenszeit steht.

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