Einstellungstest Polizei 2026: Was wird geprüft?

Einstellungstest Polizei 2026: Was wird geprüft?

Sport, Wissen, Psychologie — alle Prüfungsbestandteile des Polizei-Eignungstests erklärt.

Der Einstellungstest der Polizei ist mehrstufig — und deutlich anspruchsvoller als viele Bewerber erwarten. Jedes Bundesland hat eigene Anforderungen, aber die Grundstruktur ist bundesweit ähnlich: Wissenstest, Sporttest, psychologische Begutachtung und ärztliche Untersuchung. Nur wer alle Stufen besteht, erhält eine Einladung zur Ausbildung. Weil jede Stufe für sich bestanden werden muss, ist gute Vorbereitung kein Nice-to-have, sondern Pflicht.

Wichtig zu wissen: Die einzelnen Testteile werden in aller Regel nacheinander durchlaufen, nicht an einem einzigen Tag. Wer den schriftlichen Test besteht, wird zum Sporttest eingeladen, wer auch diesen besteht, folgt der psychologische Test und danach das Vorstellungsgespräch. Fällt ein Bewerber in einer Stufe durch, ist das Verfahren an dieser Stelle in der Regel beendet — eine der folgenden Stufen wird dann nicht mehr durchlaufen. Wer die formalen Einstellungsvoraussetzungen erfüllt und sich rechtzeitig über die Bewerbung bei der Polizei informiert, verschafft sich einen klaren Vorteil, weil er weiß, welche Unterlagen und Fristen für die jeweilige Stufe gelten.

Aufbau des Einstellungstests

Die folgende Tabelle zeigt die typische Reihenfolge und den ungefähren Zeitaufwand der einzelnen Prüfungsbestandteile. Die genaue Reihenfolge kann je Bundesland leicht abweichen — manche Länder legen die medizinische Untersuchung vor den Sporttest, andere danach. Die Gesamtdauer bis zur endgültigen Zusage kann sich dadurch über mehrere Wochen bis Monate erstrecken.

Prüfungsbestandteil Inhalt Dauer ca.
Schriftlicher Test Deutsch, Mathematik, Allgemeinwissen, Logik 2–3 Stunden
Sporttest je nach Land z. B. Ausdauerlauf, Parcours, Kraft, Koordination; in NRW und Baden-Württemberg Sportabzeichen statt Test 1–2 Stunden
Psychologischer Test Persönlichkeitstest, Stress-Simulation 1–2 Stunden
Medizinische Untersuchung Sehvermögen, Gehör, Allgemeingesundheit 1 Tag
Vorstellungsgespräch Motivation, Eignung, Persönlichkeit 30–60 Min.

So liest du die Tabelle: Die Spalte „Dauer ca.“ bezieht sich jeweils auf den reinen Prüfungstermin vor Ort, nicht auf die Vorbereitungszeit zu Hause. Die medizinische Untersuchung wird mit „1 Tag“ angegeben, weil dort oft mehrere Einzeluntersuchungen (Sehtest, Blutbild, Belastungs-EKG) an einem Termin gebündelt werden. Für die Gesamtplanung solltest du realistisch mehrere Monate zwischen Bewerbung und finaler Zusage einkalkulieren, insbesondere wenn zwischen den Stufen Wartezeiten liegen.

Schriftlicher Wissenstest: Was kommt dran?

Der schriftliche Test prüft vier Bereiche. Im Deutschteil werden Rechtschreibung, Grammatik und Textverständnis abgefragt — typisch sind Lückentexte, Satzumstellungen und kurze Aufsätze. Im Mathematikteil geht es um Grundrechenarten, Prozent- und Dreisatzrechnung sowie einfache Gleichungen, keine höhere Mathematik. Der Allgemeinwissenspart testet Grundkenntnisse in Politik, Geschichte und Geografie — aktuelle Ereignisse und das Grundgesetz sollten sitzen. Im Logikteil sind Muster erkennen, Zahlenreihen fortsetzen und räumliches Denken gefragt.

Diese vier Bereiche werden fast überall computerbasiert oder auf Papier innerhalb eines festen Zeitfensters abgefragt, sodass neben dem reinen Fachwissen auch Zeitmanagement eine Rolle spielt. Wer unter Zeitdruck unsicher wird, sollte das gezielt mit Probeklausuren unter realistischen Bedingungen trainieren, statt Aufgaben nur ohne Zeitlimit durchzugehen.

📝 Praxis-Tipp: Die meisten Bundesländer veröffentlichen Übungshefte oder Beispielaufgaben auf ihren Bewerbungsportalen. Wer mindestens vier Wochen vor dem Test täglich 30 Minuten übt, verbessert seine Testergebnisse messbar.

Sporttest: Was musst du können?

Der Sporttest ist oft die erste Hürde, an der Bewerber scheitern. Wie er aussieht, entscheidet jede Polizei selbst: Die Bundespolizei prüft einen Koordinations-Test, einen Pendellauf und den 12-Minuten-Lauf (Cooper-Test), Bayern kombiniert den Cooper-Test mit Kleinbank-Springen, Bankdrücken und Pendellauf, Berlin und Niedersachsen setzen auf einen Hindernisparcours (Niedersachsen zusätzlich 3.000 m auf Zeit). In NRW und Baden-Württemberg gibt es gar keinen Sporttest – dort weist du deine Fitness mit dem Deutschen Sportabzeichen und einem Schwimmnachweis nach.

Die folgende Tabelle zeigt belegte Beispielwerte einzelner Dienstherren – sie gelten nur dort. Ein Mindestwert bedeutet dabei nicht automatisch „bestanden im Gesamtverfahren“ — je nach Land fließt die Sportleistung teils punktebasiert in eine Gesamtwertung ein, teils gilt sie als reines Bestehen-oder-Nichtbestehen-Kriterium. Informiere dich deshalb zusätzlich beim jeweiligen Landespolizeiamt, wie die Werte konkret gewichtet werden.

Disziplin Männer (Mindestwert) Frauen (Mindestwert)
12-Min-Lauf (Bundespolizei, ab 18 Jahren, „ausreichend“) ≥ 2.400 m ≥ 2.000 m
3.000-m-Lauf (Niedersachsen) ≤ 17 Min ≤ 20 Min
Hindernisparcours (Berlin, unter 30 Jahren) ≤ 3:23 Min ≤ 4:00 Min
200 m Schwimmen (Baden-Württemberg, Nachweis) ≤ 6:00 Min ≤ 6:40 Min

Die genauen Anforderungen variieren je Bundesland — prüfe in deiner Ausschreibung bzw. Einladung, welche Disziplinen und Zeiten für dich gelten. Mehr Details findest du auf der Seite Sporttest Polizei.

🧮 Rechenbeispiel: Cooper-Test. Bei der Bundespolizei gilt der 12-Minuten-Lauf für Männer ab 18 Jahren ab 2.400 Metern als „ausreichend“. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 2.400 m ÷ 12 Min = 200 m pro Minute. Hochgerechnet auf eine Stunde sind das 200 m × 60 = 12.000 m, also 12 km/h. Umgerechnet auf die gängige Laufpace-Angabe pro Kilometer bedeutet das: 1.000 m ÷ 200 m/Min = 5 Minuten, also ein Tempo von 5:00 Minuten pro Kilometer, das über die vollen 12 Minuten durchgehalten werden muss. Wer aktuell z. B. 5:30 Min/km läuft, muss sein Tempo also noch um rund 30 Sekunden pro Kilometer steigern — ein realistisches Trainingsziel über einen strukturierten Aufbauplan von einigen Wochen, aber kein Wert, den man ohne Vorbereitung „aus dem Stand“ schafft.

Psychologischer Test und Vorstellungsgespräch

Der psychologische Test besteht meist aus standardisierten Persönlichkeitsfragebögen (z. B. zum Stressverhalten, zur emotionalen Stabilität) und computergestützten Konzentrationstests. Zusätzlich simulieren manche Länder stressige Situationen — etwa durch unerwartete Aufgaben oder Zeitdruck. Hier gibt es keine „richtigen“ Antworten im klassischen Sinne: Bewerber sollten authentisch antworten, denn inkonsistente Angaben fallen auf.

Das Vorstellungsgespräch dauert 30–60 Minuten. Typische Fragen: Warum Polizei? Wie reagierst du auf Konflikte? Hast du Vorstrafen oder Schulden? Bewerber, die ehrlich und reflektiert antworten, schneiden besser ab als solche, die vorgefertigte Antworten aufsagen. Wer sich unsicher ist, wie frühere Verfehlungen im Verfahren gewertet werden, findet einen Überblick auf der Seite Polizei trotz Vorstrafen oder Schulden — pauschale Ausschlüsse gibt es selten, entscheidend ist meist die Art und Schwere des Vorfalls.

Medizinische Anforderungen

Die ärztliche Untersuchung prüft unter anderem: Sehschärfe (korrigiert mindestens 0,8/0,8, unkomplizierte Brillen meist kein Ausschlussgrund), Farbsehvermögen, Gehör, Kreislauf und psychische Belastbarkeit. Details zu den genauen Sehwerten und wann eine Sehhilfe zum Problem werden kann, findest du auf der Seite Polizei Sehtest & Augen. Auch die Körpergröße spielt in einigen Bundesländern noch eine Rolle — die aktuellen Mindestmaße sind auf der Seite Polizei Mindestgröße zusammengefasst.

Für Tätowierungen gibt es keine bundesweit einheitliche Regel. Hessen verlangt, dass sie im Dienst nicht sichtbar sind. Bayern lässt Tattoos am Unterarm zu, wenn du sie im Dienst abdeckst; an Kopf, Hals und Händen sind sie dort generell nicht erlaubt (Ausnahmen nur nach Einzelfallprüfung). Baden-Württemberg erlaubt an den Händen nur dezente Motive, am Hals und im Gesicht keine. Bei der Bundespolizei führen Tattoos an Händen, Kopf, Nacken oder Hals zum Ausschluss, und Tunnel gelten dort als Einstellungshindernis. Extremistische oder verfassungsfeindliche Motive schließen bei allen hier genannten Dienstherren aus. Gib deshalb jedes Tattoo in deiner Bewerbung an und prüfe die Regeln deines Landes — einen Überblick gibt die Seite Tattoos bei der Polizei.

Wer den Prüfungstermin schon hat: Der Einstellungstest-Countdown begleitet dich in neun E-Mails bis zum Testtag.

In den ersten fünf Dienstjahren meist kein Ruhegehalt

Wirst du als Anwärter oder Beamter auf Probe dienstunfähig, bekommst du vor Ablauf der fünfjährigen Wartezeit in der Regel kein Ruhegehalt – es sei denn, die Dienstunfähigkeit geht auf einen Dienstunfall oder eine im Dienst erlittene Schädigung zurück – dann greift die Unfallfürsorge. Kostenlose Erstinformation anfordern:

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Häufige Fragen zum Einstellungstest

Wie oft darf man den Test wiederholen?

Das regelt jedes Land anders: In NRW kannst du dich nach einem Nichtbestehen frühestens für das folgende Einstellungsjahr neu bewerben, in Bayern lässt sich die Einstellungsprüfung insgesamt zweimal wiederholen, bei der Bundespolizei gibt es keine Sperrfrist, und in Berlin kannst du dich einmal pro Halbjahr bewerben. Die Grenze setzt jeweils das Höchstalter, und das liegt weit auseinander – zum Beispiel 27 Jahre im mittleren und 33 im gehobenen Dienst der Bundespolizei, 30 in Bayern, 31 in Niedersachsen, 36 in Hessen und 40 bzw. 41 Jahre in Berlin, jeweils mit Ausnahmen. Prüfe die Grenze in der Ausschreibung deines Landes.

Gibt es Vorbereitungskurse?

Ja. Neben den kostenlosen Übungsunterlagen der Bundesländer gibt es kommerzielle Kurse, vor allem für den Sporttest und den Wissenstest. Für den Cooper-Test reicht in der Regel ein strukturierter 8-Wochen-Laufplan.

Was passiert nach dem Bestehen?

Wer alle Stufen besteht, kommt auf eine Rangliste. Die Einstellung erfolgt nach Punktzahl und verfügbaren Ausbildungsplätzen — auch wer besteht, muss manchmal ein Jahr auf einen Platz warten.

Was passiert, wenn ich eine Teilprüfung nicht bestehe?

In der Regel endet das Verfahren an der Stelle, an der eine Stufe nicht bestanden wurde — die nachfolgenden Stufen werden dann nicht mehr durchlaufen. Eine detaillierte Übersicht über die einzelnen Phasen findest du auf der Seite Auswahlverfahren Polizei.

Kann ich mich mit Sehschwäche bewerben?

Ja, eine Sehschwäche schließt eine Bewerbung nicht grundsätzlich aus. Entscheidend ist die korrigierte Sehschärfe, die bei der medizinischen Untersuchung geprüft wird. Genaue Grenzwerte und Ausnahmen sind auf der Seite Polizei Sehtest & Augen erklärt.

Wie unterscheiden sich die Anforderungen zwischen den Bundesländern?

Der grobe Aufbau aus Wissenstest, Sporttest, psychologischem Test und ärztlicher Untersuchung ist bundesweit ähnlich, die konkreten Mindestwerte und die Gewichtung einzelner Bereiche unterscheiden sich aber. Beim Sport sind die Unterschiede besonders groß: NRW und Baden-Württemberg verlangen statt eines Tests ein Sportabzeichen, andere Länder testen mit Parcours, Cooper-Test oder Lauf- und Kraftübungen.

Wie lange dauert das gesamte Auswahlverfahren?

Von der Bewerbung bis zur finalen Zusage vergehen häufig mehrere Monate, da die einzelnen Stufen zeitlich nacheinander stattfinden und zwischen den Terminen Wartezeiten liegen können. Wer frühzeitig plant und sich rechtzeitig um die Bewerbungsunterlagen kümmert, vermeidet unnötige Verzögerungen.

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