Auswahlverfahren Polizei: Alle Phasen erklärt

Auswahlverfahren Polizei

Test, Sport, Psychologie, Assessment, Arzt — was dich in jeder Phase erwartet.

Das Auswahlverfahren der Polizei zieht sich meist über ein bis zwei Tage und filtert konsequent: Im Schnitt schaffen es nur 10–20 % der Bewerber bis zur Einstellung. Das Verfahren ist bewusst mehrstufig aufgebaut, damit fachliche Eignung, körperliche Belastbarkeit und psychische Stabilität unabhängig voneinander geprüft werden können. Wer in einer Phase durchfällt, scheidet in der Regel unmittelbar aus — es gibt also keine „Gesamtpunktzahl“, die eine schwache Einzelleistung ausgleicht. Je nach Bundesland unterscheiden sich Reihenfolge, Dauer und genaue Ausgestaltung der einzelnen Stationen, die Grundstruktur aus schriftlichem Test, Sporttest, psychologischem Test, Assessment-Center und polizeiärztlicher Untersuchung ist aber bundesweit vergleichbar. Wer weiß, was in welcher Phase erwartet wird, kann gezielt üben statt sich auf ein diffuses „irgendwie fit und klug sein“ zu verlassen — und genau das entscheidet oft über Bestehen oder Scheitern. Bevor du dich anmeldest, lohnt sich außerdem ein Blick auf die formalen Einstellungsvoraussetzungen, denn nur wer diese erfüllt, wird überhaupt zum Auswahlverfahren zugelassen.

Die Phasen im Detail

Phase Inhalt Häufige Hürde
Schriftlicher Test Allgemeinwissen, Logik, Deutsch, Konzentration Diktat & Zeitdruck
Sporttest Ausdauer, Kraft, Koordination Cooper-Test / Pendellauf
Psychologischer Test Persönlichkeit, Stresstoleranz Interview-Szenarien
Assessment / Gruppe Rollenspiel, Diskussion, Präsentation Auftreten unter Beobachtung
Polizeiärztlich Seh-/Hörtest, BMI, Belastung Sehstärke & Gewicht

So liest du die Tabelle: Die Reihenfolge in der Tabelle entspricht dem typischen Ablauf, ist aber nicht überall identisch — manche Bundesländer legen den Sporttest vor den schriftlichen Test, andere prüfen beides am selben Tag. Die Spalte „Häufige Hürde“ zeigt, woran Bewerber in der Praxis am ehesten scheitern: Beim schriftlichen Test ist es meist nicht das Allgemeinwissen, sondern das Diktat unter Zeitdruck, weil Rechtschreibfehler direkt Punkte kosten. Beim Sporttest scheitern viele nicht an fehlender Grundfitness, sondern an der spezifischen Belastungsform von Cooper-Test oder Pendellauf, die anders trainiert werden muss als reines Joggen. Beim polizeiärztlichen Test ist die Sehstärke ein häufig unterschätzter Faktor — wer eine Sehschwäche vermutet, sollte diese frühzeitig abklären lassen, mehr dazu findest du im Beitrag zum Sehtest bei der Polizei.

Wie lange dauert das gesamte Verfahren?

Von der Bewerbung bis zur Zusage vergehen häufig mehrere Monate, weil zwischen den einzelnen Phasen Wartezeiten liegen und die Behörden mehrere Bewerbertermine pro Jahr anbieten. Der eigentliche Test-Tag oder die Test-Tage selbst sind dabei nur ein kleiner Ausschnitt: Nach dem schriftlichen Test und dem Sporttest folgt oft erst nach Wochen der Termin für den psychologischen Test und das Assessment-Center, und die polizeiärztliche Untersuchung kann noch einmal separat stattfinden. Wer sich auf mehrere Bundesländer gleichzeitig bewirbt, sollte die Termine sorgfältig planen, da Doppelbelastungen an Fitness und Konzentration entstehen können. Details zum organisatorischen Ablauf und zu Fristen findest du im Beitrag zur Polizei Bewerbung.

Rechenbeispiel: Wie viele Bewerber schaffen es tatsächlich?

Ein Beispiel verdeutlicht, was die Erfolgsquote von 10–20 % in der Praxis bedeutet: Bewerben sich in einem Einstellungsjahrgang ca. 300 Personen bei einer Landespolizei, und liegt die Erfolgsquote bei ca. 15 %, werden am Ende ca. 45 Personen eingestellt (300 × 0,15 = 45). Bei einer etwas strengeren Quote von nur 10 % wären es ca. 30 Personen (300 × 0,10 = 30), bei einer günstigeren Quote von 20 % ca. 60 Personen (300 × 0,20 = 60). Diese Zahlen sind Rechenbeispiele zur Veranschaulichung und keine offiziellen Statistiken einer bestimmten Behörde — die tatsächliche Quote hängt von Bundesland, Jahrgang und Personalbedarf ab. Wichtig ist die Konsequenz daraus: Selbst bei guter Vorbereitung scheidet die Mehrheit der Bewerber irgendwo im Verfahren aus, meist nicht wegen mangelnder Eignung insgesamt, sondern wegen einer einzelnen schwachen Phase.

💡 Tipp: Die meisten scheitern an Sporttest und psychologischem Test — nicht am Wissen. Beginne 8 Wochen vorher mit gezieltem Lauf- und Krafttraining.

Wie bereite ich mich auf die einzelnen Phasen vor?

Für den schriftlichen Test hilft regelmäßiges Üben mit Diktaten und Konzentrationsaufgaben unter Zeitdruck, da genau dieser Druck in der echten Prüfungssituation die meisten Fehler verursacht. Für den Sporttest reicht allgemeine Fitness nicht aus — Cooper-Test und Pendellauf verlangen eine spezifische Ausdauerform, die gezielt trainiert werden sollte; ein Trainingsplan über mehrere Wochen ist dabei deutlich wirksamer als kurzfristiges Sprinttraining direkt vor dem Termin. Für den psychologischen Test und das Assessment-Center gilt: Authentizität schlägt einstudierte Antworten, da geschulte Prüfer widersprüchliche oder auswendig gelernte Aussagen erkennen. Für die polizeiärztliche Untersuchung lohnt sich ein rechtzeitiger Check von Sehstärke, Gewicht und allgemeinem Gesundheitszustand, damit unerwartete Befunde nicht erst am Prüfungstag auffallen. Wer wissen möchte, welche körperlichen Mindestanforderungen grundsätzlich gelten, findet einen Überblick im Beitrag zur Mindestgröße bei der Polizei sowie zu allgemeinen Fitnessanforderungen im Polizeidienst.

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Häufige Fragen zum Auswahlverfahren der Polizei

Wie lange dauert das Auswahlverfahren der Polizei insgesamt?

Der reine Prüfungsteil erstreckt sich meist über ein bis zwei Tage, verteilt auf mehrere Termine. Von der Bewerbung bis zur endgültigen Zusage können jedoch mehrere Monate vergehen, da zwischen den einzelnen Phasen Wartezeiten liegen und Behörden mehrere Bewerbertermine pro Jahr organisieren.

Was passiert, wenn ich eine Phase des Verfahrens nicht bestehe?

In der Regel scheidet man beim Nichtbestehen einer Phase unmittelbar aus dem Verfahren aus, da die einzelnen Stationen unabhängig voneinander bewertet werden. Eine schwache Leistung in einer Phase kann meist nicht durch eine starke Leistung in einer anderen Phase ausgeglichen werden.

Kann ich mich nach einem Nichtbestehen erneut bewerben?

Ob und nach welcher Wartezeit eine erneute Bewerbung möglich ist, regelt jedes Bundesland unterschiedlich. In vielen Fällen ist eine Wiederholung nach einer bestimmten Frist grundsätzlich möglich, Details dazu erfährst du direkt bei der zuständigen Einstellungsbehörde.

Ist der Sporttest oder der schriftliche Test schwieriger?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, da beide unterschiedliche Fähigkeiten prüfen. Erfahrungsgemäß scheitern viele Bewerber eher am Sporttest oder am psychologischen Test als am schriftlichen Wissensteil, weil körperliche Spezialübungen und Stresssituationen gezielter vorbereitet werden müssen.

Wie sollte ich mich auf den psychologischen Test vorbereiten?

Wichtiger als das Auswendiglernen von Musterantworten ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Motivation und Belastbarkeit, da geschulte Prüfer einstudierte oder widersprüchliche Aussagen in der Regel erkennen.

Was wird bei der polizeiärztlichen Untersuchung genau geprüft?

Geprüft werden unter anderem Sehstärke, Hörvermögen, allgemeine körperliche Belastbarkeit und der Body-Mass-Index. Die genauen Grenzwerte und der Untersuchungsumfang können je nach Bundesland variieren.

Bekomme ich am Ende jeder Phase sofort ein Ergebnis?

Das hängt von der Phase und dem Bundesland ab. Bei manchen Tests, etwa dem Sporttest, liegt das Ergebnis oft noch am selben Tag vor, bei anderen, wie dem psychologischen Test oder der Gesamtbewertung, kann die Rückmeldung erst nach einigen Tagen bis Wochen erfolgen.

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