
Auswahlverfahren Polizei
Test, Sport, Psychologie, Assessment, Arzt — was dich in jeder Phase erwartet.
Wie lange das Auswahlverfahren der Polizei dauert, hängt vom Dienstherrn ab: In Baden-Württemberg ist der Auswahltest eintägig, in Bayern verteilt sich die Prüfung auf zwei nicht aufeinanderfolgende Tage, bei der Bundespolizei auf bis zu vier Tage. Das Verfahren ist bewusst mehrstufig aufgebaut, damit fachliche Eignung, körperliche Belastbarkeit und psychische Stabilität unabhängig voneinander geprüft werden können. Wer einen Prüfungsteil nicht besteht, scheidet in der Regel aus – in Bayern etwa wird die Prüfung vorzeitig beendet, wenn die Note in einem Teil nicht ausreicht. Innerhalb eines Teils kann eine schwache Einzelleistung aber durchaus ausgeglichen werden: Im Sporttest der Bundespolizei zählt die Gesamtpunktzahl aus drei Übungen. Je nach Bundesland unterscheiden sich Reihenfolge, Dauer und genaue Ausgestaltung der einzelnen Stationen, wiederkehrende Bausteine sind aber ein schriftlicher bzw. PC-Test (in Baden-Württemberg, Berlin und Hessen mit Persönlichkeitsteil), der Sport als Test oder Nachweis, ein Gespräch oder Assessment-Center und die polizeiärztliche Untersuchung. Wer weiß, was in welcher Phase erwartet wird, kann gezielt üben statt sich auf ein diffuses „irgendwie fit und klug sein“ zu verlassen — und genau das entscheidet oft über Bestehen oder Scheitern. Bevor du dich anmeldest, lohnt sich außerdem ein Blick auf die formalen Einstellungsvoraussetzungen, denn nur wer diese erfüllt, wird überhaupt zum Auswahlverfahren zugelassen.
Die Phasen im Detail
| Phase | Inhalt | Häufige Hürde |
|---|---|---|
| Schriftlicher Test | Allgemeinwissen, Logik, Deutsch, Konzentration | Diktat & Zeitdruck |
| Sport | Test je nach Land (z. B. Cooper-Test, 3.000-m-Lauf, Parcours); NRW und BW: Sportabzeichen statt Test | Testformat des eigenen Landes bzw. Frist für das Abzeichen |
| Persönlichkeitsteil | Fragebogen, meist im PC-Test enthalten (z. B. BW, Berlin, Hessen) | ehrliche, stimmige Antworten |
| Assessment / Gruppe | Rollenspiel, Diskussion, Präsentation | Auftreten unter Beobachtung |
| Polizeiärztlich | Seh-/Hörtest, BMI, Belastung | Sehstärke & Gewicht |
So liest du die Tabelle: Die Reihenfolge ist nicht überall identisch: Niedersachsen beginnt mit dem Sport und hängt den Computertest am selben Tag an, Berlin prüft erst am PC und danach im Sport, NRW und Baden-Württemberg testen Sport gar nicht, sondern verlangen ein Sportabzeichen. Die Spalte „Häufige Hürde“ zeigt, woran Bewerber in der Praxis am ehesten scheitern: Beim schriftlichen Test ist es meist nicht das Allgemeinwissen, sondern das Diktat unter Zeitdruck, weil Rechtschreibfehler direkt Punkte kosten. Beim Sport kommt es auf das konkrete Format an: Ein Cooper-Test, ein 3.000-m-Lauf oder ein Hindernisparcours verlangen jeweils ein anderes Training als reines Joggen, und für ein Sportabzeichen zählt vor allem die Abgabefrist. Beim polizeiärztlichen Test ist die Sehstärke ein häufig unterschätzter Faktor — wer eine Sehschwäche vermutet, sollte diese frühzeitig abklären lassen, mehr dazu findest du im Beitrag zum Sehtest bei der Polizei.
Wie lange dauert das gesamte Verfahren?
Von der Bewerbung bis zur Zusage vergehen häufig mehrere Monate, weil zwischen den einzelnen Phasen Wartezeiten liegen und die Behörden mehrere Bewerbertermine pro Jahr anbieten. Der eigentliche Test-Tag oder die Test-Tage selbst sind dabei nur ein kleiner Ausschnitt: In Bayern liegt der zweite Prüfungstag mit dem Interview in der Regel in der Folgewoche, in Baden-Württemberg folgt die polizeiärztliche Untersuchung an einem eigenen Termin. Wer sich auf mehrere Bundesländer gleichzeitig bewirbt, sollte die Termine sorgfältig planen, da Doppelbelastungen an Fitness und Konzentration entstehen können. Details zum organisatorischen Ablauf und zu Fristen findest du im Beitrag zur Polizei Bewerbung.
Rechenbeispiel: Wie die Bundespolizei den Sporttest wertet
Wie ein Ausgleich innerhalb eines Prüfungsteils funktioniert, zeigt der Sporttest der Bundespolizei. Er besteht aus Koordinations-Test, Pendellauf und 12-Minuten-Lauf; jede Übung bringt bis zu 5 Punkte, 2 Punkte gelten als ausreichend. Ausgeschlossen wird, wer insgesamt unter 6 Punkten bleibt oder in einer Übung 0 Punkte hat. Erreicht eine Bewerberin 3 + 2 + 1 Punkte, kommt sie auf 6 (3 + 2 + 1 = 6) und bleibt im Verfahren, obwohl eine Übung unter „ausreichend“ lag. Mit 4 + 2 + 0 Punkten wären es ebenfalls 6 – trotzdem scheidet sie aus, weil eine Übung mit 0 Punkten bewertet wurde. Mit 2 + 2 + 1 = 5 Punkten wäre sie ebenfalls raus. Andere Länder werten anders: In Bayern etwa ist die Prüfung nicht bestanden, wenn im Cooper-Test die Note 6 erteilt wird. Prüfe deshalb die Bewertungsregeln in der Ausschreibung bzw. Einladung deines Landes.
Wie bereite ich mich auf die einzelnen Phasen vor?
Für den schriftlichen Test hilft regelmäßiges Üben mit Diktaten und Konzentrationsaufgaben unter Zeitdruck, da genau dieser Druck in der echten Prüfungssituation die meisten Fehler verursacht. Für den Sport reicht allgemeine Fitness oft nicht aus – trainiere gezielt das Format deines Landes, etwa den Cooper-Test bei der Bundespolizei und in Bayern, den 3.000-m-Lauf in Niedersachsen oder den Parcours in Berlin; ein Trainingsplan über mehrere Wochen ist dabei deutlich wirksamer als kurzfristiges Sprinttraining direkt vor dem Termin. Für den psychologischen Test und das Assessment-Center gilt: Authentizität schlägt einstudierte Antworten, da geschulte Prüfer widersprüchliche oder auswendig gelernte Aussagen erkennen. Für die polizeiärztliche Untersuchung lohnt sich ein rechtzeitiger Check von Sehstärke, Gewicht und allgemeinem Gesundheitszustand, damit unerwartete Befunde nicht erst am Prüfungstag auffallen. Wer wissen möchte, welche körperlichen Mindestanforderungen grundsätzlich gelten, findet einen Überblick im Beitrag zur Mindestgröße bei der Polizei sowie zu allgemeinen Fitnessanforderungen im Polizeidienst.
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Häufige Fragen zum Auswahlverfahren der Polizei
Wie lange dauert das Auswahlverfahren der Polizei insgesamt?
Der reine Prüfungsteil dauert je nach Dienstherr einen Tag (Baden-Württemberg), zwei nicht aufeinanderfolgende Tage (Bayern) oder bis zu vier Tage (Bundespolizei). Von der Bewerbung bis zur endgültigen Zusage können jedoch mehrere Monate vergehen, da zwischen den einzelnen Phasen Wartezeiten liegen und Behörden mehrere Bewerbertermine pro Jahr organisieren.
Was passiert, wenn ich eine Phase des Verfahrens nicht bestehe?
In der Regel scheidet man beim Nichtbestehen einer Phase unmittelbar aus dem Verfahren aus, da die einzelnen Stationen unabhängig voneinander bewertet werden. Eine schwache Leistung in einer Phase kann meist nicht durch eine starke Leistung in einer anderen Phase ausgeglichen werden.
Kann ich mich nach einem Nichtbestehen erneut bewerben?
Ob und wann eine erneute Bewerbung möglich ist, regelt jedes Land unterschiedlich: Bei der Bundespolizei gibt es keine Sperrfrist, in Niedersachsen kannst du dich erneut bewerben, in NRW frühestens für das folgende Einstellungsjahr. Details erfährst du bei der zuständigen Einstellungsbehörde.
Ist der Sporttest oder der schriftliche Test schwieriger?
Das lässt sich pauschal nicht sagen, da beide unterschiedliche Fähigkeiten prüfen. Durchfallquoten je Prüfungsteil veröffentlichen die hier ausgewerteten Karriereseiten nicht. Wichtiger ist, dass du jeden Teil bestehen musst – bereite dich deshalb auf alle gleichermaßen vor.
Wie sollte ich mich auf den psychologischen Test vorbereiten?
Wichtiger als das Auswendiglernen von Musterantworten ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Motivation und Belastbarkeit, da geschulte Prüfer einstudierte oder widersprüchliche Aussagen in der Regel erkennen.
Was wird bei der polizeiärztlichen Untersuchung genau geprüft?
Geprüft werden unter anderem Sehstärke, Hörvermögen, allgemeine körperliche Belastbarkeit und der Body-Mass-Index. Die genauen Grenzwerte und der Untersuchungsumfang können je nach Bundesland variieren.
Bekomme ich am Ende jeder Phase sofort ein Ergebnis?
Das hängt von der Phase und dem Bundesland ab. Bei manchen Tests, etwa dem Sporttest, liegt das Ergebnis oft noch am selben Tag vor, bei anderen, wie dem psychologischen Test oder der Gesamtbewertung, kann die Rückmeldung erst nach einigen Tagen bis Wochen erfolgen.
