
Dienstunfähigkeit Polizei 2026: Risiko, Versorgung & Absicherung
Polizisten haben ein überdurchschnittlich hohes Risiko, dienstunfähig zu werden. Hier erfahren Sie, was Dienstunfähigkeit bedeutet, welche Versorgung Sie erhalten – und wie Sie sich richtig absichern.
Dienstunfähigkeit ist für Polizeivollzugsbeamte kein Randthema, sondern eines der größten finanziellen Risiken der gesamten Laufbahn. Schichtdienst, körperliche Einsatzbelastung und psychisch fordernde Einsätze führen dazu, dass Polizisten deutlich häufiger vorzeitig aus dem aktiven Dienst ausscheiden als viele andere Beamtengruppen. Wer die besonderen gesundheitlichen Anforderungen des Vollzugsdienstes nicht mehr erfüllt – etwa nach einem Dienstunfall, einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder einer psychischen Erkrankung wie Burnout –, steht mitunter Jahrzehnte vor der regulären Altersgrenze vor der Frage, wovon er künftig leben soll. Diese Seite erklärt die rechtlichen Grundlagen, zeigt anhand einer Tabelle und eines Rechenbeispiels, wie groß die Versorgungslücke tatsächlich werden kann, und beschreibt, worauf es bei der privaten Absicherung ankommt.
Was bedeutet Dienstunfähigkeit für Polizeibeamte?
Dienstunfähigkeit liegt vor, wenn ein Beamter aufgrund körperlicher, geistiger oder psychischer Einschränkungen dauerhaft nicht mehr in der Lage ist, seine Dienstpflichten zu erfüllen. Bei Polizisten gibt es dabei eine wichtige Besonderheit: die Vollzugsdienstunfähigkeit.
Vollzugsdienstunfähigkeit vs. allgemeine Dienstunfähigkeit
- Vollzugsdienstunfähigkeit: Der Beamte kann die besonderen körperlichen Anforderungen des Polizeivollzugs nicht mehr erfüllen (z. B. nach Verletzung oder Erkrankung), ist aber noch zu anderen Bürotätigkeiten fähig. → Versetzung in einen anderen Dienst (Innendienst) möglich.
- Allgemeine Dienstunfähigkeit: Der Beamte kann gar keine Dienstverpflichtungen mehr erfüllen. → Versetzung in den Ruhestand.
So wird die Dienstunfähigkeit festgestellt
Die Dienstunfähigkeit stellt nicht der Hausarzt fest, sondern der Dienstherr – auf Grundlage eines amtsärztlichen bzw. polizeiärztlichen Gutachtens. Für Landesbeamte ist die allgemeine Dienstunfähigkeit in § 26 Beamtenstatusgesetz (BeamtStG) geregelt, für Bundesbeamte in § 44 Bundesbeamtengesetz (BBG); die besonderen Anforderungen an die Polizeidienstfähigkeit ergeben sich aus den jeweiligen Polizei- und Landesbeamtengesetzen. Dabei gilt der Grundsatz „Weiterverwendung vor Versorgung“: Bevor ein Polizist in den Ruhestand versetzt wird, prüft der Dienstherr, ob eine anderweitige Verwendung möglich ist – etwa im Innendienst, in der Verwaltung oder in Teilzeit. Erst wenn auch das ausscheidet, folgt die Zurruhesetzung. Für Betroffene bedeutet das Verfahren oft monatelange Unsicherheit; umso wichtiger ist es, die finanziellen Folgen vorher zu kennen.
Wie hoch ist das Ruhegehalt bei vorzeitiger Dienstunfähigkeit?
Wer als Polizist früh dienstunfähig wird, bekommt deutlich weniger als die reguläre Pension. Das Ruhegehalt berechnet sich nach den tatsächlich geleisteten Dienstjahren:
| Dienstunfähigkeit nach | Ruhegehaltssatz | Beispiel (Grundgehalt 3.200 €) |
|---|---|---|
| 10 Jahren Dienst | ca. 35 % (Mindestversorgung) | ca. 1.120 € brutto |
| 20 Jahren Dienst | ca. 35,9 % | ca. 1.149 € brutto |
| 30 Jahren Dienst | ca. 53,9 % | ca. 1.724 € brutto |
So lesen Sie die Tabelle: Pro ruhegehaltfähigem Dienstjahr wächst der Ruhegehaltssatz um 1,79375 Prozentpunkte, bis maximal 71,75 % erreicht sind. Fällt der errechnete Satz zu niedrig aus, greift die Mindestversorgung von rund 35 % – deshalb liegen die Werte für 10 und 20 Dienstjahre so nah beieinander. Die dritte Spalte rechnet die Sätze beispielhaft auf ein Grundgehalt von 3.200 € brutto um; alle Beträge sind Näherungswerte vor Steuern. In der Praxis kommen zwei Effekte hinzu: Bei Dienstunfähigkeit wird eine sogenannte Zurechnungszeit angerechnet, die den Satz erhöhen kann – gleichzeitig kann ein Versorgungsabschlag von bis zu 10,8 % das Ruhegehalt wieder mindern. Wichtig außerdem: Zulagen wie die Polizeizulage sind je nach Dienstherr nicht oder nur teilweise ruhegehaltfähig – das Ruhegehalt fällt dadurch oft niedriger aus, als das letzte Bruttogehalt vermuten lässt.
Rechenbeispiel: Dienstunfähig nach 20 Dienstjahren
Ein Polizeibeamter wird nach 20 ruhegehaltfähigen Dienstjahren dienstunfähig. Seine ruhegehaltfähigen Dienstbezüge betragen – wie im Tabellenbeispiel – 3.200 € brutto im Monat. So entsteht sein Ruhegehalt Schritt für Schritt:
- Schritt 1 – Ruhegehaltssatz: 20 Dienstjahre × 1,79375 % = 35,875 % (in der Tabelle gerundet als ca. 35,9 % ausgewiesen).
- Schritt 2 – Ruhegehalt: 3.200 € × 35,875 % = 1.148 € brutto im Monat.
- Schritt 3 – Versorgungslücke: 3.200 € − 1.148 € = ca. 2.052 € brutto, die gegenüber den bisherigen Bezügen monatlich fehlen.
Das Beispiel ist bewusst vereinfacht: Die Zurechnungszeit kann den Satz im Einzelfall erhöhen, ein Versorgungsabschlag von bis zu 10,8 % kann ihn mindern, und Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherung sind noch nicht abgezogen. Die Größenordnung bleibt aber dieselbe: Wer mitten im Berufsleben dienstunfähig wird, muss dauerhaft mit rund einem Drittel des bisherigen Einkommens auskommen – und genau diese Lücke lässt sich nur privat schließen.
Dienstunfähigkeitsversicherung (DU-Versicherung) für Polizisten
Da die staatliche Versorgung bei früher Dienstunfähigkeit oft nicht ausreicht, ist eine spezielle Dienstunfähigkeitsversicherung für Polizeibeamte unverzichtbar. Sie schließt die Versorgungslücke und zahlt eine monatliche Rente, wenn man dienstunfähig wird.
Die Beitragshöhe hängt vor allem vom Eintrittsalter, vom Gesundheitszustand, von der vereinbarten Rentenhöhe und von der Laufzeit ab. Als Faustregel gilt: Je früher der Vertrag abgeschlossen wird, desto günstiger sind die Beiträge – und desto einfacher fällt die Gesundheitsprüfung aus. Für Polizeianwärter und Dienstanfänger gibt es zudem spezielle Einsteigertarife. Wichtig für die Höhe der versicherten Rente: Sie sollte die tatsächliche Lücke zwischen erwartbarem Ruhegehalt und laufenden Ausgaben abdecken – im Rechenbeispiel oben also rund 2.000 € pro Monat.
Was die DU-Versicherung leistet
- ✅ Zahlt eine monatliche Rente ab dem Zeitpunkt der Dienstunfähigkeit
- ✅ Greift bereits bei Vollzugsdienstunfähigkeit (nicht erst bei allgemeiner Dienstunfähigkeit)
- ✅ Unabhängig von der Ursache (Unfall, Krankheit, psychische Erkrankung)
- ✅ Beiträge als Sonderausgaben steuerlich absetzbar
Was eine echte Polizei-DU-Versicherung leisten muss
Nicht jede Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Polizisten geeignet. Achten Sie auf folgende Merkmale, die speziell auf Polizeibeamte zugeschnitten sind:
- Dienstunfähigkeitsklausel: Anerkennung der behördlichen Dienstunfähigkeitserklärung ohne weitere Prüfung
- Vollzugsdienstunfähigkeit eingeschlossen: Zahlung schon bei körperlicher Einschränkung für den Vollzug
- Keine abstrakte Verweisung: Kein Verweis auf andere Berufe bei DU
Häufige Fragen zur Dienstunfähigkeit
Was sind die häufigsten Ursachen für Dienstunfähigkeit bei Polizisten?
Die häufigsten Ursachen sind psychische Erkrankungen (ca. 35 %), Erkrankungen des Bewegungsapparats (ca. 25 %) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der psychische Druck des Polizeiberufs ist ein erheblicher Risikofaktor – bei belastenden Einsätzen kann eine frühzeitige Psychotherapie helfen, eine dauerhafte Dienstunfähigkeit zu vermeiden.
Was ist der Unterschied zwischen Vollzugsdienstunfähigkeit und allgemeiner Dienstunfähigkeit?
Vollzugsdienstunfähig ist, wer die besonderen gesundheitlichen Anforderungen des Polizeivollzugsdienstes nicht mehr erfüllt, aber noch andere Tätigkeiten – etwa im Innendienst – ausüben kann. Allgemein dienstunfähig ist, wer gar keine Dienstpflichten mehr erfüllen kann; in diesem Fall folgt die Versetzung in den Ruhestand.
Wie wird die Dienstunfähigkeit bei Polizisten festgestellt?
Die Feststellung trifft der Dienstherr auf Grundlage eines amtsärztlichen bzw. polizeiärztlichen Gutachtens. Rechtsgrundlage ist für Landesbeamte § 26 BeamtStG, für Bundesbeamte § 44 BBG. Vor einer Zurruhesetzung wird geprüft, ob eine anderweitige Verwendung – etwa im Innendienst – möglich ist.
Brauche ich als Polizist eine separate BU-Versicherung?
Nein, Polizeibeamte brauchen keine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung – sie erhalten stattdessen eine speziell auf Beamte zugeschnittene Dienstunfähigkeitsversicherung. Diese muss zwingend die Dienstunfähigkeitsklausel enthalten.
Wann greift die Dienstunfähigkeitsversicherung?
Eine gute DU-Versicherung greift, sobald der Dienstherr die Dienstunfähigkeit amtlich feststellt – unabhängig davon, ob eine allgemeine oder nur eine Vollzugsdienstunfähigkeit vorliegt.
Wie hoch ist die Mindestversorgung bei Dienstunfähigkeit?
Die amtsabhängige Mindestversorgung beträgt 35 % der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge. Daneben gibt es eine amtsunabhängige Mindestversorgung, die sich an der Endstufe der Besoldungsgruppe A4 orientiert – gezahlt wird der für den Beamten günstigere Betrag. Für Polizisten, die früh dienstunfähig werden, liegt die Versorgung damit häufig deutlich unter dem bisherigen Einkommen.
Kann ich eine DU-Versicherung trotz Vorerkrankungen abschließen?
Grundsätzlich ja, allerdings verlangt der Versicherer eine Gesundheitsprüfung. Je nach Vorerkrankung sind Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse möglich, in Einzelfällen auch eine Ablehnung. Eine anonyme Risikovoranfrage über einen Vermittler klärt vorab, welche Anbieter infrage kommen – auch deshalb lohnt sich ein möglichst früher Abschluss mit unbelasteter Gesundheitshistorie.
Weiterführende Informationen
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