BFE bei der Polizei: Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit

Aufgaben, Weg in die Einheit, Unterschied zu SEK, USK und GSG 9 – und was Bund und Länder zur BFE veröffentlichen.

Wenn bei einer Demonstration oder im Fußballstadion Straftäter aus einer Menge heraus festgenommen werden müssen, ist das nicht Aufgabe der normalen Hundertschaft, sondern der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit – kurz BFE. Sie gehört zur Bereitschaftspolizei, arbeitet aber in kleineren, besonders trainierten Teams. Diese Seite erklärt, was die BFE tut, wie man hineinkommt und wo sie sich von SEK, USK und GSG 9 unterscheidet – auf Grundlage dessen, was Bundespolizei und Landespolizeien selbst dazu veröffentlichen.

Aufgaben der BFE

Die Bundespolizei beschreibt den Auftrag knapp: andere Kräfte dort unterstützen, wo es gegen aggressive und gewaltbereite Personen geht. In der Praxis heißt das: Die Einheit dokumentiert Straftaten aus einer Menschenmenge heraus – mit Video- und Fototechnik –, greift gezielt zu und führt die Festgenommenen ab, während die Hundertschaft den Raum hält. Die Landespolizei Schleswig-Holstein nennt als Einsatzfelder ihrer BFE zusätzlich die Unterstützung des Einzeldienstes und der Kriminalpolizei sowie die Kriminalitätsbekämpfung bei Tätern mit erhöhtem Gefährdungspotenzial – etwa bei Durchsuchungen oder Festnahmen, bei denen Widerstand zu erwarten ist.

Typische Lagen sind Versammlungen mit gewaltbereiten Teilnehmern, Fußballeinsätze, Räumungen und Großveranstaltungen. Die Arbeit ist körperlich fordernd und rechtlich anspruchsvoll: Jede Festnahme muss beweissicher dokumentiert sein, weil sie später vor Gericht Bestand haben muss. Wie geschlossene Einheiten insgesamt organisiert sind, erklärt die Seite zur Bereitschaftspolizei.

Wo die BFE organisatorisch hängt

Bei den Ländern ist die BFE Teil der Bereitschaftspolizei und damit an eine Einsatzhundertschaft angebunden. Bei der Bundespolizei gibt es in den zehn Abteilungen der Bundesbereitschaftspolizei eigene Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften, die jeweils aus drei BFE bestehen. Fünf davon – in Uelzen, Blumberg, Bayreuth, Sankt Augustin und Hünfeld – sind als BFE+ mit einer Ergänzungsfortbildung ausgestattet, um auch in Lagen mit bewaffneten Tätern bestehen zu können, ohne dass sofort die GSG 9 gebunden wird.

Voraussetzungen und Auswahl: So kommst du in die BFE

Eine Direktbewerbung von außen gibt es nicht. Grundvoraussetzung ist die abgeschlossene Ausbildung oder das abgeschlossene Studium im Polizeivollzugsdienst – in Schleswig-Holstein ausdrücklich im Bereich Schutzpolizei. Danach folgt ein gesondertes Auswahlverfahren; wer es besteht, durchläuft einen mehrwöchigen Basislehrgang und wird anschließend in der BFE verwendet. Bewerben kannst du dich in Schleswig-Holstein jederzeit, auch schon während Ausbildung oder Studium; in vielen anderen Ländern ist zunächst eine Verwendung in der Bereitschaftspolizei üblich.

Was das Auswahlverfahren prüft, veröffentlichen die Dienstherren nur in Umrissen. Erwarten solltest du deutlich höhere sportliche Anforderungen als beim Einstellungstest, Einsatztraining unter Belastung, Stressresistenz und Teamfähigkeit – die BFE arbeitet in Trupps, in denen sich jeder auf jeden verlassen muss. Wer schon beim Sporttest der Einstellung an der Grenze war, sollte vor der Bewerbung gezielt an Ausdauer und Kraft arbeiten.

BFE, SEK, USK, GSG 9: Wer macht was?

Einheit Zugehörigkeit Typische Lage
BFE Bereitschaftspolizei (Länder, Bund) Festnahmen und Beweissicherung aus Menschenmengen, Unterstützung bei gefährlichen Tätern
BFE+ Bundesbereitschaftspolizei (fünf Standorte) wie BFE, zusätzlich Lagen mit bewaffneten Tätern als erste Kraft vor der GSG 9
USK Bereitschaftspolizei Bayern vergleichbare Aufgaben wie die BFE, bayerische Bezeichnung
SEK / MEK Spezialeinheiten der Länder Geiselnahmen, Zugriffe auf Schwerstkriminelle, verdeckte Observation
GSG 9 Bundespolizei Terrorlagen, Geiselnahmen, Einsätze im Ausland

Der Unterschied liegt weniger in der Härte als in der Lage: Die BFE arbeitet aus geschlossenen Einheiten heraus und an Brennpunkten, die Spezialeinheiten in eigens geplanten Zugriffen. Für viele ist die BFE deshalb auch die Zwischenstation auf dem Weg zu SEK oder MEK. Die Einheiten im Überblick zeigt die Seite Spezialeinheiten der Polizei, das bayerische Modell die Seite zum USK.

Gehalt und Zulagen in der BFE

BFE-Beamte werden wie alle Polizeivollzugsbeamten nach ihrer Besoldungsgruppe bezahlt – im mittleren Dienst meist A7 bis A9, im gehobenen Dienst ab A9. Hinzu kommen die Polizeizulage und Erschwerniszulagen für Dienst zu ungünstigen Zeiten, die bei den einsatzintensiven Wochenenden der BFE regelmäßig anfallen. Ob es darüber hinaus eine eigene Zulage für die BFE gibt, regelt jedes Land in seinem Besoldungsgesetz; die amtlichen Seiten des Bundes und Schleswig-Holsteins nennen keine gesonderte BFE-Zulage. Anders beim SEK: Für Spezialeinsatzkommandos sehen etwa Bayern und Nordrhein-Westfalen eine eigene Zulage vor – Einzelheiten unter SEK Gehalt. Was in deinem Land netto bleibt, rechnet der Polizei-Gehaltsrechner aus.

Praxisbeispiel: Vom Streifendienst in die BFE

Jan ist Polizeiobermeister und seit drei Jahren in einer Einsatzhundertschaft. Er bewirbt sich intern für die BFE, besteht das Auswahlverfahren mit Sporttest, Einsatztraining und Gespräch und absolviert den mehrwöchigen Basislehrgang. Sein Alltag danach: Blocktraining unter der Woche, an Wochenenden Fußball- und Versammlungseinsätze, dazwischen Unterstützungseinsätze für die Kriminalpolizei bei Durchsuchungen. Sein Grundgehalt bleibt das eines A8-Beamten, die Zulagen für Nacht- und Wochenenddienst steigen. Nach fünf Jahren in der BFE will er sich beim SEK bewerben – die Einheit hat ihn dafür genau vorbereitet.

💡 Wichtig für die Absicherung: Die BFE gehört zu den Verwendungen mit dem höchsten Verletzungsrisiko im Polizeidienst. Ein Dienstunfall ist über den Dienstherrn abgesichert, eine dauerhafte Dienstunfähigkeit aus anderen Gründen nicht – gerade in den ersten Dienstjahren mit geringen Versorgungsansprüchen.

Häufige Fragen zur BFE

Was bedeutet BFE bei der Polizei?

BFE steht für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit. Sie gehört zur Bereitschaftspolizei und unterstützt andere Einheiten, wenn es gegen aggressive und gewaltbereite Personen geht – vor allem durch beweissichere Festnahmen aus Menschenmengen heraus.

Kann ich mich direkt für die BFE bewerben?

Nein. Voraussetzung ist die abgeschlossene Ausbildung oder das Studium im Polizeivollzugsdienst. Danach folgt ein gesondertes Auswahlverfahren und ein mehrwöchiger Basislehrgang. In Schleswig-Holstein ist die Bewerbung auch schon während der Ausbildung möglich.

Was ist der Unterschied zwischen BFE und SEK?

Die BFE arbeitet aus der Bereitschaftspolizei heraus an Brennpunkten wie Demonstrationen und Fußballspielen. Das SEK ist eine Spezialeinheit für geplante Zugriffe, Geiselnahmen und Schwerstkriminelle. Viele SEK-Beamte haben zuvor in einer BFE gedient.

Was ist die BFE+ der Bundespolizei?

Eine BFE mit Ergänzungsfortbildung an fünf Standorten der Bundesbereitschaftspolizei: Uelzen, Blumberg, Bayreuth, Sankt Augustin und Hünfeld. Sie soll Lagen mit bewaffneten Tätern bewältigen können, bevor die GSG 9 eingesetzt wird.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Die Angaben zu Aufgaben, Aufbau und Auswahl stammen von den Dienstherren selbst; Zulagen richten sich nach dem jeweiligen Besoldungsgesetz. Rechtsstand geprüft: September 2026.

Absicherung für Einsatzkräfte

Hohe Belastung, hohes Risiko: Dienstunfähigkeits- und Unfallschutz sollten zur Verwendung passen. Unverbindliche Erstinformation für Polizeivollzugsbeamte.

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