Spezialeinheiten der Polizei

SEK, MEK, GSG 9 und BFE — wer was macht, und wie man hineinkommt.

Wenn in den Nachrichten von einem Zugriff die Rede ist, fällt fast immer eines dieser Kürzel: SEK, MEK, GSG 9, manchmal BFE oder USK. Im Sprachgebrauch werden sie regelmäßig durcheinandergeworfen — auch in Zeitungsberichten. Tatsächlich unterscheiden sie sich in fast allem: in der Ebene, auf der sie angesiedelt sind, in ihrem Auftrag, in ihrem Auftreten und in der Ausrüstung.

Eines haben sie allerdings gemeinsam, und es ist der Punkt, an dem die meisten Bewerbungen scheitern, bevor sie geschrieben sind: In keine dieser Einheiten kann man sich von außen bewerben. Der Weg führt ausnahmslos über den regulären Polizeidienst.

Die Einheiten auf einen Blick

Kürzel Name Ebene Auftrag Auftreten
SEK Spezialeinsatzkommando Land Zugriff bei lebensbedrohlichen Lagen: Geiselnahmen, schwer bewaffnete Täter offen, erkennbar, schwer ausgerüstet
MEK Mobiles Einsatzkommando Land Observation, verdeckte Ermittlung, Festnahme aus der Observation zivil, unauffällig
GSG 9 GSG 9 der Bundespolizei Bund Terrorlagen, Geiselnahmen, Einsätze von nationaler Tragweite – auch im Ausland offen, erkennbar
BFE Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Land und Bund Beweissicherung und gezielte Festnahmen in Großlagen (Demonstrationen, Fußball) offen, geschlossene Einheit
USK Unterstützungskommando Bayern bayerische Entsprechung der BFE offen, geschlossene Einheit

So liest du die Tabelle: Die Spalte „Ebene“ entscheidet über den Dienstherrn und damit über den Bewerbungsweg — SEK und MEK gehören den Ländern, die GSG 9 dem Bund. Die Spalte „Auftreten“ erklärt, warum manche Einheiten fotografiert werden und andere nie: Wer verdeckt arbeitet, verliert seinen Wert in dem Moment, in dem er erkannt wird.

SEK oder MEK — der Unterschied in einem Satz

Das SEK greift zu, das MEK schaut zu. Das ist verkürzt, trifft aber den Kern. Das Spezialeinsatzkommando kommt, wenn eine Lage bereits eskaliert ist oder unmittelbar zu eskalieren droht: eine Geiselnahme, ein schwer bewaffneter Täter, eine Wohnungstür, hinter der mit Gegenwehr zu rechnen ist. Die Kräfte treten sichtbar auf, in Schutzausstattung, und der Einsatz dauert oft nur Minuten.

Das Mobile Einsatzkommando arbeitet in der Zeit davor. Es observiert Verdächtige über Wochen, manchmal Monate, in zivilen Fahrzeugen und ziviler Kleidung, dokumentiert Kontakte und Bewegungsmuster und greift dann zu, wenn der Moment günstig ist — häufig auf offener Straße, ohne dass Umstehende überhaupt merken, dass gerade eine Festnahme stattfindet.

Ein Beispiel aus dem Alltag beider Einheiten: Bei einer Ermittlung gegen eine Bande von Wohnungseinbrechern übernimmt das MEK die Observation und stellt fest, wo die Beute gelagert wird und wann die Täter dort sind. Für den Zugriff auf das Objekt wird das SEK hinzugezogen, weil im Lager Waffen vermutet werden. Beide Einheiten arbeiten an derselben Lage, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit gegenläufigen Anforderungen: Das MEK darf unter keinen Umständen auffallen, das SEK muss im entscheidenden Moment maximale Präsenz zeigen.

Die Voraussetzungen, das Auswahlverfahren und die Zulagen beider Einheiten stehen ausführlich im Ratgeber SEK und MEK werden; die Verdienstseite dazu ist SEK Gehalt, den Bewerbungsweg beschreibt SEK Bewerbung.

SEK und GSG 9 — der Unterschied ist die Ebene, nicht die Härte

Die verbreitetste Fehlannahme lautet, die GSG 9 sei „das bessere SEK“. Sie ist etwas anderes. Die Spezialeinsatzkommandos gehören zu den Landespolizeien — jedes Bundesland unterhält mindestens eines. Die GSG 9 gehört zur Bundespolizei und wird bei Lagen von nationaler Tragweite tätig, überwiegend im Bereich Terrorismus. Sie ist außerdem die einzige der hier genannten Einheiten, die regelmäßig auch im Ausland zum Einsatz kommt.

Ein häufiger Irrtum betrifft die Zuordnung: Die GSG 9 gehört nicht zum Bundeskriminalamt. Sie wurde 1972 beim damaligen Bundesgrenzschutz aufgestellt, der 2005 in Bundespolizei umbenannt wurde — daher rührt auch das „G“ im Namen. Das BKA unterhält eigene Spezialkräfte, die davon organisatorisch getrennt sind.

Praktisch heißt das für die Bewerbung: Wer zur GSG 9 will, muss zuerst Bundespolizist werden — eine Bewerbung aus einer Landespolizei heraus ist nicht der vorgesehene Weg. Alle Einzelheiten stehen im Ratgeber GSG 9 werden. Wer noch schwankt, welche Ebene überhaupt die richtige ist, findet den Vergleich unter Bundespolizei oder Landespolizei.

BFE und USK — geschlossene Einheiten, nicht Spezialeinheiten

Hier lohnt sich die Genauigkeit, weil sie in der Berichterstattung fast immer verlorengeht. Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit gehört zur Bereitschaftspolizei und ist eine geschlossene Einheit — keine Spezialeinheit im technischen Sinn, wie es SEK und MEK sind. Ihr Auftrag liegt in Großlagen: Demonstrationen, Fußballspiele, Ausschreitungen. Dort sichert sie Beweise und nimmt gezielt einzelne Personen aus einer Menge heraus fest, was taktisch etwas völlig anderes ist als der Zugriff auf ein Objekt.

Zwischen Hundertschaft und SEK steht die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE): Sie nimmt Straftäter aus Menschenmengen heraus fest und ist für viele die Zwischenstation auf dem Weg in eine Spezialeinheit.

Das bayerische Unterstützungskommando erfüllt denselben Auftrag unter anderem Namen. Und die Bundespolizei unterhält seit 2015 die BFE+, eine zusätzlich ausgebildete und ausgerüstete Variante für Terrorlagen: Ihre Beamten durchlaufen eine achtwöchige Ergänzungsfortbildung bei der GSG 9 und schließen damit die Lücke zwischen regulärer Bundespolizei und Spezialeinheit.

Für die Karriereplanung ist ein Punkt wichtiger als die Begriffsfrage: In mehreren Bundesländern gilt die BFE als übliche Zwischenstation auf dem Weg zum SEK. Wer dorthin will, bewirbt sich oft zuerst hier. Mehr dazu unter Bereitschaftspolizei und USK der Polizei.

Was Spezialkräfte verdienen

Eine eigene Besoldung für Spezialeinheiten gibt es nicht. Das Grundgehalt richtet sich nach der ganz normalen Besoldungsordnung A des jeweiligen Landes beziehungsweise des Bundes — ein SEK-Beamter in A11 verdient im Grundgehalt dasselbe wie ein Sachbearbeiter in A11 derselben Behörde. Die aktuellen Tabellen aller sechzehn Länder und des Bundes stehen im Gehaltsvergleich nach Bundesland.

Der Unterschied entsteht über die Zulagen. Dazu gehören die Polizeizulage, Erschwerniszulagen für Dienst zu ungünstigen Zeiten — nachzulesen unter Schichtzulage und Gefahrenzulage — sowie einsatzbezogene Bestandteile. Wie viel davon zusammenkommt, hängt stark vom Einsatzaufkommen ab und schwankt deshalb von Monat zu Monat deutlich stärker als bei einer Verwendung im Innendienst.

Der Weg hinein — der Anfang ist überall derselbe

Unabhängig davon, welche Einheit am Ende das Ziel ist, verläuft der Einstieg in fünf Schritten:

  1. Regulärer Polizeidienst. Ausbildung im mittleren oder Studium im gehobenen Dienst — die Wege beschreibt der Ratgeber Polizeiausbildung, die Laufbahnen der Laufbahn-Ratgeber.
  2. Bewährung im Streifendienst. Wie lange, regelt jedes Bundesland selbst – in NRW etwa ist eine Verwendung in den Spezialeinheiten laut Polizei NRW drei Jahre nach dem Studienabschluss möglich. Diese Zeit ist keine Formalie: Wer nie erlebt hat, wie sich eine Lage im Alltag entwickelt, wird in einer Spezialeinheit gefährlich.
  3. Keine laufenden Disziplinarverfahren. Ob du bereits auf Lebenszeit verbeamtet sein musst, nennen die ausgewerteten Karriereseiten nicht ausdrücklich – maßgeblich ist die interne Ausschreibung.
  4. Interne Ausschreibung. Stellen werden behördenintern ausgeschrieben; eine Initiativbewerbung von außen führt zu nichts.
  5. Auswahlverfahren und Zusatzausbildung. Sport, Schießen, Stresstests, psychologische Eignung — deutlich über dem Niveau des Einstellungstests, mit dem alles begonnen hat.

Praxisbeispiel: zwei Wege, ein Ziel

Zwei Beamte desselben Jahrgangs wollen ins SEK. Der eine geht nach der Ausbildung in den Streifendienst einer Großstadt, sammelt dort vier Jahre Einsatzerfahrung und bewirbt sich direkt auf die erste Ausschreibung. Der andere wechselt nach zwei Jahren in eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, arbeitet dort bei Fußball- und Demonstrationslagen, lernt das Arbeiten im geschlossenen Verband und bewirbt sich erst nach fünf Jahren.

Beide Wege sind üblich, und keiner ist der schnellere: Der erste spart Zeit, der zweite bringt Erfahrung mit, die im Auswahlverfahren sichtbar wird. Was in beiden Fällen den Ausschlag gibt, ist die Dienstbeurteilung — sie wird geschrieben, lange bevor jemand an eine Bewerbung denkt.

Die übrigen Spezialverwendungen

Neben den Spezialeinheiten im engeren Sinn gibt es eine Reihe von Verwendungen, die ebenfalls eine eigene Zusatzausbildung verlangen und den Dienstalltag grundlegend verändern:

  • Bereitschaftspolizei — die geschlossenen Verbände für Großlagen – und in vielen Ländern die erste Station, in der sich zeigt, ob jemand für eine Spezialverwendung taugt
  • Diensthundführer — Rauschgift, Sprengstoff, Personensuche – eine Verwendung, die den Beamten auch nach Dienstschluss beschäftigt, weil der Hund mit nach Hause geht
  • Reiterstaffel — berittene Kräfte, vor allem bei Fußballeinsätzen und in unwegsamem Gelände
  • Wasserschutzpolizei — eigene Laufbahn mit nautischer Zusatzqualifikation
  • Kriminaltechnik — Spurensicherung am Tatort und Auswertung im Labor
  • Kriminaldauerdienst — die erste kriminalpolizeiliche Instanz rund um die Uhr
  • Zivilpolizei und Zivilfahndung — Streifendienst in zivil – nicht zu verwechseln mit dem MEK
  • Verkehrspolizei — Unfallaufnahme, Verkehrsüberwachung, Schwerlast
  • Autobahnpolizei — eigener Dienstzweig mit eigenem Alltag
  • Wachpolizei — kein Vollzugsdienst, aber ein möglicher Einstieg – mit eigener Besoldung

Ein Punkt, der beim Wechsel oft übersehen wird

Mit dem Wechsel in eine Spezialverwendung ändert sich das Risikoprofil — und damit die Frage, was im Ernstfall abgesichert ist. Zwei Punkte werden dabei regelmäßig zu spät bedacht: die Dienstunfähigkeit, die Polizeivollzugsbeamte früher trifft als die meisten anderen Berufsgruppen, und die Diensthaftpflicht für Schäden, die im Dienst entstehen. Beides ist keine Frage des Alters, sondern des Zeitpunkts: Wer den Schutz einrichtet, solange er gesund ist, hat andere Bedingungen als jemand, der nach einer ersten Diagnose fragt. Eine unverbindliche Erstinformation ordnet die Lage ein.

Häufige Fragen zu den Spezialeinheiten

Was ist der Unterschied zwischen SEK und MEK?

Das SEK greift zu, das MEK schaut zu. Das Spezialeinsatzkommando übernimmt den offenen Zugriff in lebensbedrohlichen Lagen – Geiselnahmen, schwer bewaffnete Täter – und tritt dabei sichtbar und schwer ausgerüstet auf. Das Mobile Einsatzkommando arbeitet verdeckt: Es observiert über Wochen, fährt zivile Fahrzeuge und nimmt aus der Observation heraus fest. Beide sind auf Landesebene angesiedelt und arbeiten oft an derselben Lage – nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Was ist der Unterschied zwischen SEK und GSG 9?

Der Unterschied ist die Ebene, nicht die Härte. Die SEK gehören zu den Landespolizeien, die GSG 9 gehört zur Bundespolizei. Sie wird bei Lagen von nationaler Tragweite tätig, vor allem im Bereich Terrorismus, und ist die einzige der Einheiten, die regelmäßig auch im Ausland eingesetzt wird. Beide Auswahlverfahren gelten als extrem anspruchsvoll; die GSG 9 ist nicht das „bessere SEK“, sondern eine Einheit mit anderem Auftrag.

Gehört die GSG 9 zum BKA?

Nein. Die GSG 9 gehört zur Bundespolizei – sie wurde 1972 beim damaligen Bundesgrenzschutz aufgestellt, der 2005 in Bundespolizei umbenannt wurde. Das Bundeskriminalamt unterhält eigene Spezialkräfte, die davon organisatorisch getrennt sind.

Ist die BFE eine Spezialeinheit?

Streng genommen nicht. Die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit gehört zur Bereitschaftspolizei und ist eine geschlossene Einheit, keine Spezialeinheit im technischen Sinn wie SEK oder MEK. Sie sichert Beweise und nimmt gezielt fest, meist in unübersichtlichen Großlagen wie Demonstrationen oder Fußballspielen. In mehreren Bundesländern gilt die BFE allerdings als übliche Zwischenstation auf dem Weg zum SEK.

Was ist der Unterschied zwischen USK und BFE?

Kaum einer – es sind im Kern dieselben Aufgaben unter unterschiedlichem Namen. Das Unterstützungskommando ist die bayerische Bezeichnung für eine Einheit, die anderswo BFE heißt: geschlossene Einheit der Bereitschaftspolizei, zuständig für Beweissicherung und Festnahmen in Großlagen.

Kann man sich direkt beim SEK bewerben?

Nein, und das gilt für alle Einheiten auf dieser Seite. Der Einstieg führt immer über den regulären Polizeidienst: erst Ausbildung oder Studium, dann mehrere Jahre Streifendienst, dann eine interne Bewerbung auf eine Ausschreibung. Wie viel Diensterfahrung verlangt wird, regelt jedes Bundesland selbst – in NRW etwa ist eine Verwendung in den Spezialeinheiten laut Polizei NRW drei Jahre nach dem Studienabschluss möglich.

Wie viel verdient man in einer Spezialeinheit?

Das Grundgehalt richtet sich nach der normalen Besoldungsordnung A des jeweiligen Landes beziehungsweise des Bundes – eine eigene Besoldung für Spezialeinheiten gibt es nicht. Der Unterschied entsteht über Zulagen: Polizeizulage, Erschwerniszulagen für Dienst zu ungünstigen Zeiten und einsatzbezogene Zulagen. Wie viel davon zusammenkommt, hängt stark vom Einsatzaufkommen ab.

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