Kriminaldauerdienst (KDD)

Die erste kriminalpolizeiliche Anlaufstelle außerhalb der regulären Dienstzeiten – Aufgaben, Schichtalltag und Wege in den KDD.

Wie sich der KDD zu den übrigen Spezialverwendungen verhält, zeigt der Überblick Spezialeinheiten der Polizei.

Straftaten halten sich nicht an Bürozeiten. Damit auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen ausgebildete Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamte an einen Tatort ausrücken können, unterhalten die Polizeien der Länder den Kriminaldauerdienst (kurz KDD). Er stellt sicher, dass erste kriminalpolizeiliche Maßnahmen sofort eingeleitet werden – auch dann, wenn die zuständigen Fachkommissariate erst am nächsten Werktag besetzt sind. Dieser Ratgeber erklärt, was der KDD ist, welche Aufgaben er übernimmt, wie der Schichtalltag aussieht und wie der Einstieg gelingt.

Was ist der Kriminaldauerdienst?

Der Kriminaldauerdienst ist – vereinfacht gesagt – die rund um die Uhr erreichbare Kriminalpolizei. Während die spezialisierten Kommissariate (etwa für Tötungs-, Sexual- oder Eigentumsdelikte) in der Regel zu klassischen Bürozeiten arbeiten, überbrückt der KDD die Zeiten davor, danach sowie Wochenenden und Feiertage. Er ist organisatorisch bei der Kriminalpolizei angesiedelt und wird umgangssprachlich auch als „Kripo-Bereitschaft“ bezeichnet.

Die genaue Bezeichnung, der Zuschnitt und die Organisation unterscheiden sich je nach Bundesland und Behörde. In manchen Ländern deckt ein KDD den Bereich eines ganzen Polizeipräsidiums ab, in anderen ist er kleiner strukturiert. Gemeinsam ist allen Modellen die Grundidee: Bei Straftaten, die keinen Aufschub dulden, sind sofort erfahrene Kriminalbeamte vor Ort, sichern Spuren und leiten die Ermittlungen ein, bis das zuständige Fachkommissariat den Vorgang übernimmt.

KDD und Dauerdienst: die Abgrenzung

Rund um die Uhr arbeitet nicht nur der KDD: Auch die Schutzpolizei ist mit Wachen und Streifen durchgehend im Dienst und meist als Erste am Einsatzort. Der Unterschied liegt in der Zuständigkeit. Der KDD gehört zur Kriminalpolizei und übernimmt deren Aufgaben vor allem außerhalb der Bürozeiten. Das Polizeipräsidium Mittelfranken etwa beschreibt seinen KDD als das größte Kriminalkommissariat im Präsidium: Die Beamtinnen und Beamten leisten Schichtdienst rund um die Uhr und unterstützen vor allem nach Dienstschluss die kriminalpolizeilichen Fachkommissariate. Zu ihren Aufgaben zählen dort der „erste Angriff“ bei Kapitaldelikten, die Sicherung von Spuren am Tatort sowie erste Vernehmungen und Ermittlungen – unter anderem bei Tötungs- und Sexualdelikten, Raub, Einbrüchen in Wohnungen und Geschäfte, Branddelikten, ungeklärten Todesfällen und vermissten Personen.

Nicht zu verwechseln ist der KDD mit der Zivilpolizei: Zivilstreifen sind oft Kräfte der Schutzpolizei, die ohne Uniform unterwegs sind, um ein Geschehen unbemerkt zu beobachten. Der KDD ermittelt dagegen nach einer Tat am Tatort.

Quelle: Bayerische Polizei, „Der Kriminaldauerdienst Mittelfranken – Aufgaben und Zuständigkeiten“ (27.11.2025), abgerufen am 2. Oktober 2026.

Aufgaben & typische Einsätze

Der KDD wird meist hinzugezogen, wenn der uniformierte Streifendienst (Schutzpolizei) an einen Einsatzort kommt und feststellt, dass kriminalpolizeiliche Expertise nötig ist. Typische Aufgaben sind:

  • Erste Angriffsmaßnahmen am Tatort: den Tatort absichern, dokumentieren und erste Spuren sichern.
  • Ermittlungen einleiten: Zeugen und Beschuldigte befragen, Sachverhalte aufnehmen, Beweismittel sicherstellen.
  • Erstbearbeitung schwerer Delikte: etwa bei Einbrüchen, Raub, gefährlicher Körperverletzung, Branddelikten oder unklaren Todesfällen.
  • Fahndung und Sofortmaßnahmen: das Einleiten von Sofortfahndungen und die Abstimmung mit weiteren Kräften.
  • Übergabe: eine saubere Dokumentation, damit das Fachkommissariat nahtlos weiterermitteln kann.

Bei besonders schweren Taten – etwa einem Tötungsdelikt – zieht der KDD in der Regel weitere Spezialisten wie die Kriminaltechnik oder eine Mordkommission hinzu. Der KDD trifft also nicht zwangsläufig alle Entscheidungen allein, sondern sorgt vor allem dafür, dass in den ersten, oft entscheidenden Stunden keine wichtigen Spuren verloren gehen.

Schichten & Alltag

Weil der KDD durchgehend erreichbar sein muss, arbeiten die Beamtinnen und Beamten im Wechselschichtdienst – also in Früh-, Spät- und Nachtschichten, auch an Wochenenden und Feiertagen. Die konkreten Schichtmodelle unterscheiden sich je nach Behörde.

Der Alltag ist schwer planbar: Auf ruhige Phasen mit Sachbearbeitung am Schreibtisch können unvermittelt mehrere Einsätze parallel folgen. Gefragt sind daher Belastbarkeit, schnelle Entscheidungsfähigkeit und ein breites kriminalistisches Grundwissen, weil der Dienst nahezu jede Deliktsform abdecken kann. Für den Schichtdienst werden in der Regel Zulagen gezahlt; die genauen Regelungen richten sich nach dem jeweiligen Landesrecht.

Einstieg in den KDD

Der Weg in den Kriminaldauerdienst führt üblicherweise über die Kriminalpolizei. Voraussetzung ist in aller Regel eine abgeschlossene Polizeiausbildung beziehungsweise ein Studium im gehobenen Polizeidienst sowie kriminalpolizeiliche Erfahrung. Ein direkter Quereinstieg speziell in den KDD ist unüblich – zunächst wird man Kriminalbeamtin oder Kriminalbeamter, danach kann eine Verwendung im KDD erfolgen. Was Kriminalbeamte im Einstiegsamt verdienen, zeigt die Seite Kriminalkommissar Gehalt.

Weil der Dienst breites Wissen und Routine bei Erstmaßnahmen verlangt, gilt eine Verwendung im KDD vielerorts als anspruchsvolle, aber lehrreiche Station. Wer sich dafür interessiert, sollte zunächst die Einstellungsvoraussetzungen und Auswahlverfahren des jeweiligen Bundeslandes prüfen, da sich diese unterscheiden.

Gehalt im Kriminaldauerdienst: Besoldung, Polizeizulage und Schichtzulagen

Der KDD ist eine Verwendung, kein eigener Dienstgrad. Wer dort arbeitet, wird wie alle Kriminalbeamten nach der Besoldungstabelle seines Landes bezahlt — in den meisten Ländern im gehobenen Dienst als Kriminalkommissar (A9), Kriminaloberkommissar (A10) oder Kriminalhauptkommissar (A11/A12). Die Tabelle zeigt die Spanne von der Eingangs- bis zur Endstufe für vier große Landespolizeien; alle 16 Länder und der Bund stehen auf der Seite Polizeioberkommissar Gehalt (A10).

Land (Tabellenstand) A9 Kriminalkommissar A10 Kriminaloberkommissar A11 Kriminalhauptkommissar
Nordrhein-Westfalen (04/2026) 3.438,22 € – 4.295,45 € 3.693,51 € – 4.783,77 € 4.047,72 € – 5.256,99 €
Bayern (02/2025) 3.294,99 € – 4.108,12 € 3.537,12 € – 4.572,23 € 4.045,29 € – 5.069,49 €
Baden-Württemberg (04/2026) 3.480,07 € – 4.342,82 € 3.737,00 € – 4.838,21 € 4.108,34 € – 5.368,64 €
Niedersachsen (04/2026) 3.281,97 € – 4.182,22 € 3.492,91 € – 4.674,50 € 3.948,33 € – 5.191,36 €

Bayern ab 1. Oktober 2026: Die bayerischen Beträge auf dieser Seite stammen aus der Tabelle vom 1. Februar 2025, die bis 30. September 2026 gezahlt wird. Ab 1. Oktober 2026 zahlt das Landesamt für Finanzen die Grundgehälter im Vorgriff um 2,82 % erhöht – vorbehaltlich der Verabschiedung des Gesetzes (Drs. 19/12912). Die Vorgriffswerte stehen in der Besoldungstabelle Polizei Bayern.

Was den KDD finanziell vom Tagdienst eines Fachkommissariats unterscheidet, sind die Zulagen für den Wechselschichtdienst: Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste werden je nach Landesrecht pauschal pro Monat oder je Stunde vergütet — Größenordnung und Regeln erklärt der Beitrag Schichtzulage bei der Polizei. Die Polizeizulage erhalten Kriminalbeamte ohnehin, unabhängig von der Verwendung.

Rechenbeispiel: Kriminaloberkommissar im KDD in Nordrhein-Westfalen

Eine Kriminaloberkommissarin (A10) in Nordrhein-Westfalen hat Erfahrungsstufe 5 erreicht; ihr Grundgehalt nach der NRW-Tabelle (Stand 1. April 2026) beträgt 4.018,94 €. Hinzu kommen die Polizeizulage von 130,56 € (voller Satz nach zwei Dienstjahren, Anlage 15 LBesG NRW) und — bei ständigem Wechselschichtdienst — die Wechselschichtzulage: Sie beträgt 102,26 € im Monat (§ 20 Abs. 1 EZulV NRW), wird neben der Polizeizulage aber nur zur Hälfte gezahlt, also mit 51,13 € (§ 20 Abs. 4 EZulV NRW). Rechenweg: 4.018,94 € + 130,56 € + 51,13 € = 4.200,63 € brutto im Monat. Ob die Wechselschichtzulage anfällt, hängt vom konkreten Dienstplan ab. Familienzuschlag und Steuern sind nicht berücksichtigt.

Der Wechselschichtdienst hat eine Kehrseite, die bei der Absicherung zählt: Wer wegen der Belastung vorzeitig dienstunfähig wird, verliert die Schichtzulagen sofort und fällt auf das Ruhegehalt zurück. Was dann gilt, steht unter Dienstunfähigkeit bei der Polizei.

Praxisbeispiel

Ein Beispiel verdeutlicht die Rolle des KDD: An einem Sonntagmorgen meldet eine Anwohnerin einen Einbruch in ein Wohnhaus. Der Streifendienst sichert die Lage und stellt fest, dass verwertbare Spuren vorhanden sind. Da die Fachkommissariate am Wochenende nicht regulär besetzt sind, rückt der Kriminaldauerdienst aus, dokumentiert den Tatort, sichert Fingerabdrücke und mögliche DNA-Spuren, befragt Nachbarn und nimmt die Anzeige auf. Am Montag übernimmt das zuständige Kommissariat den aufbereiteten Vorgang und ermittelt weiter. So bleiben wichtige Spuren erhalten, obwohl zwischen Tat und regulären Bürozeiten mehr als ein Tag liegt.

Häufige Fragen

Was macht der Kriminaldauerdienst genau?

Der Kriminaldauerdienst übernimmt außerhalb der regulären Bürozeiten die ersten kriminalpolizeilichen Maßnahmen: Er sichert Tatorte, sammelt Spuren, führt erste Befragungen durch und leitet Ermittlungen ein, bis das zuständige Fachkommissariat den Fall übernimmt.

Wann ist der Kriminaldauerdienst im Einsatz?

Der KDD ist in der Regel rund um die Uhr erreichbar – vor allem nachts, an Wochenenden und Feiertagen, wenn die spezialisierten Kommissariate nicht regulär besetzt sind. Die genauen Dienstzeiten hängen vom jeweiligen Bundesland ab.

Wie wird man Teil des Kriminaldauerdienstes?

Der Einstieg führt üblicherweise über die Kriminalpolizei. Nötig sind meist eine abgeschlossene Polizeiausbildung beziehungsweise ein Studium im gehobenen Dienst und kriminalpolizeiliche Erfahrung. Erst danach ist eine Verwendung im KDD möglich; die Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Land.

Worin unterscheidet sich der KDD vom Streifendienst?

Der Streifendienst gehört zur uniformierten Schutzpolizei und ist für die allgemeine Gefahrenabwehr und Ersteinsätze zuständig. Der KDD ist Teil der Kriminalpolizei und übernimmt die kriminalistische Erstbearbeitung von Straftaten – am Einsatzort arbeiten beide eng zusammen.

Was verdient man im Kriminaldauerdienst?

Das Grundgehalt richtet sich nach der Besoldungsgruppe — als Kriminalkommissar (A9) beginnt es je nach Land bei rund 3.188,26 € bis 3.480,07 €, als Kriminaloberkommissar (A10) in NRW etwa bei 3.693,51 € (Stand 04/2026). Dazu kommen Polizeizulage und, wegen des Wechselschichtdienstes, Schicht- und Nachtdienstzulagen.

Gibt es im KDD eine besondere Zulage?

Eine eigene KDD-Zulage gibt es nicht. Finanziell wirkt sich die Verwendung über die Wechselschicht- und Nachtdienstzulagen aus, die für Dienste zu ungünstigen Zeiten gezahlt werden; die Höhe regelt das jeweilige Landesrecht.

In den ersten fünf Dienstjahren meist kein Ruhegehalt

Wirst du als Anwärter oder Beamter auf Probe dienstunfähig, bekommst du vor Ablauf der fünfjährigen Wartezeit in der Regel kein Ruhegehalt – es sei denn, die Dienstunfähigkeit geht auf einen Dienstunfall oder eine im Dienst erlittene Schädigung zurück – dann greift die Unfallfürsorge. Kostenlose Erstinformation anfordern:

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