Beihilfebemessungssatz Polizei – alle Bundesländer im Vergleich

Beihilfebemessungssatz Polizei – alle Bundesländer im Vergleich

Der Beihilfebemessungssatz legt fest, welchen Anteil deiner Krankheitskosten der Dienstherr erstattet. Er variiert je nach Bundesland, Familiensituation und Laufbahngruppe – und gilt nur dort, wo kein Heilfürsorgesystem besteht.

Konkret bedeutet das: Reichst du eine Arztrechnung bei der Beihilfestelle ein, erstattet dir der Dienstherr den Prozentsatz der beihilfefähigen Aufwendungen, der deinem persönlichen Bemessungssatz entspricht. Den verbleibenden Anteil deckst du über eine private Restkostenversicherung ab. Der Bemessungssatz ist damit die zentrale Stellgröße deiner Krankenversicherung als Beamter: Er bestimmt deine PKV-Quote – und damit deinen monatlichen Beitrag. Einen Überblick über das Zusammenspiel der beiden Systeme findest du im Ratgeber Beihilfe für Polizisten – Heilfürsorge oder Beihilfe?.

Auf dieser Seite findest du die bundeseinheitliche Grundregel nach Familiensituation, eine Übersicht aller Bundesländer plus Bundespolizei, ein Rechenbeispiel und Antworten auf die häufigsten Fragen.

Wichtig für Polizisten: In Bundesländern mit Heilfürsorge gibt es keinen Bemessungssatz – dort übernimmt der Dienstherr die Kosten vollständig. Der Bemessungssatz ist nur relevant, wenn du im Beihilfesystem bist (z. B. Verwaltungsbeamte, Beamte in Bundesländern ohne Heilfürsorge, Pensionäre).

Bemessungssatz nach Familiensituation (bundeseinheitliche Grundregel)

Die folgende Tabelle zeigt die Grundsystematik, die sich in den meisten Beihilfeverordnungen von Bund und Ländern wiederfindet. So liest du sie: Die mittlere Spalte nennt den Anteil, den die Beihilfe an den beihilfefähigen Kosten übernimmt. Die rechte Spalte zeigt spiegelbildlich, welchen Prozentsatz deine ergänzende private Krankenversicherung abdecken muss, damit du rechnerisch bei 100 % Absicherung landest. Beide Werte gehören also immer zusammen – ändert sich dein Bemessungssatz, muss auch der PKV-Tarif angepasst werden.

Situation Bemessungssatz Ergänzende PKV-Quote
Aktiv, ledig, keine Kinder 50 % 50 %
Aktiv, verheiratet / mit Kindern 70 % 30 %
Kinder des Beihilfeberechtigten 80 % 20 %
Ruhestand (Pension) 70 % (meist) 30 %
Waisenrente 80 % 20 %

Die Ergänzungs-PKV versichert den verbleibenden Anteil – idealerweise exakt passend zum Bemessungssatz (beihilfekonforme PKV).

Praktisch heißt das: Je höher dein Bemessungssatz, desto kleiner der privat zu versichernde Rest – und desto günstiger der PKV-Beitrag. Die genauen Voraussetzungen (etwa Einkommensgrenzen für Ehepartner) regelt die Beihilfeverordnung deines Landes. Was Beamte für die ergänzende PKV realistisch einplanen sollten, liest du im Beitrag PKV-Kosten für Beamte.

Rechenbeispiel: So wirkt der Bemessungssatz bei einer Arztrechnung

Eine Polizeiverwaltungsbeamtin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ihr persönlicher Bemessungssatz beträgt damit nach der Grundregel 70 %, für ihre Kinder gelten 80 %. Nun fallen zwei Rechnungen an:

  • Zahnbehandlung der Beamtin: 1.200 €
    Beihilfe: 70 % von 1.200 € = 840 €
    Beihilfekonforme PKV: 30 % von 1.200 € = 360 €
    Eigenanteil: 840 € + 360 € = 1.200 € → 0 €
  • Kieferorthopädie für ein Kind: 600 €
    Beihilfe: 80 % von 600 € = 480 €
    PKV (Kindertarif mit 20 %-Quote): 20 % von 600 € = 120 €
    Eigenanteil: 0 €

Das Beispiel ist bewusst vereinfacht: Es unterstellt, dass die Rechnungen in voller Höhe beihilfefähig sind. In der Praxis können Höchstsätze, Eigenbehalte oder nicht beihilfefähige Positionen die Erstattung mindern. Genau deshalb sollte der PKV-Tarif beihilfekonform sein, also exakt zur eigenen Quote passen und typische Beihilfelücken mitversichern.

Beihilfe-Regelung nach Bundesland

Ob für dich als Polizist überhaupt ein Bemessungssatz gilt, hängt zuerst vom Bundesland und vom Dienstverhältnis ab. Die Tabelle liest du so: Die Spalte „System Vollzugsdienst“ zeigt, ob aktive Polizeivollzugsbeamte in diesem Land Heilfürsorge oder Beihilfe erhalten. Steht dort „Heilfürsorge“, entfällt der Bemessungssatz für den Vollzugsdienst komplett – er greift dann nur für Verwaltungsbeamte der Polizei und später im Ruhestand. Steht dort „Beihilfe“, gilt die Staffel aus der ersten Tabelle. In Brandenburg besteht ein Wahlrecht: Vollzugsbeamte können sich statt der freien Heilfürsorge für die Beihilfe entscheiden – nur bei dieser Wahl greift dort die Staffel. Die letzte Spalte nennt die jeweilige Rechtsgrundlage, falls du im Einzelfall nachlesen willst. Welche Länder Heilfürsorge gewähren und was sie umfasst, haben wir gesondert im Ratgeber Freie Heilfürsorge Polizei aufgeschlüsselt.

Bundesland System Vollzugsdienst Bemessungssatz (Beihilfe) Rechtsgrundlage
Baden-Württemberg Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 79 Landesbeamtengesetz Baden-Württemberg (LBG BW)
Bayern Beihilfe 50 / 70 / 80 % Art. 96 Bayerisches Beamtengesetz (BayBG)
Berlin Beihilfe 50 / 70 / 80 % § 103 LBG Berlin (Landesbeamtengesetz vom 19.03.2009)
Brandenburg Wahlrecht (HF oder Beihilfe) 50 / 70 / 80 % (bei Beihilfe-Wahl) § 114 LBG Brandenburg
Bremen Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 111 Bremisches Beamtengesetz (BremBG)
Hamburg Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 112 Hamburgisches Beamtengesetz (HmbBG)
Hessen Beihilfe 50 / 70 / 80 % § 80 Hessisches Beamtengesetz (HBG)
Mecklenburg-Vorpommern Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 112 Landesbeamtengesetz M-V
Niedersachsen Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 114 Niedersaechsisches Beamtengesetz (NBG)
Nordrhein-Westfalen Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 112 Abs. 2 Landesbeamtengesetz NRW (LBG NRW)
Rheinland-Pfalz Beihilfe 50 / 70 / 80 % § 113a Landesbeamtengesetz Rheinland-Pfalz (LBG)
Saarland Beihilfe 50 / 70 / 80 % § 67 Saarlaendisches Beamtengesetz (SBG)
Sachsen Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 135 Saechsisches Beamtengesetz (SaechsBG)
Sachsen-Anhalt Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 3a BesVersEG LSA (Heilfuersorge) und § 3c BesVersEG LSA
Schleswig-Holstein Heilfürsorge entfällt (Heilfürsorge) § 112 Landesbeamtengesetz Schleswig-Holstein (LBG SH)
Thüringen Beihilfe 50 / 70 / 80 % § 103 ThürBG
Bundespolizei (Bund) Heilfürsorge entfällt (Verwaltung: 50/70/80 %) BBhV (Bund)

Ohne Gewähr. Regelungen können sich ändern. Die Angaben beziehen sich auf den aktiven Vollzugsdienst; Verwaltungsbeamte fallen i. d. R. stets ins Beihilfesystem.

Für die Praxis heißt das: Wechselst du das Bundesland oder zur Bundespolizei, kann sich dein komplettes Absicherungssystem ändern, nicht nur der Prozentsatz. Beim Wechsel in ein Beihilfe-Land muss kurzfristig eine passende Restkostenversicherung her – kläre solche Wechsel deshalb vorab mit Beihilfestelle und Versicherer.

Bemessungssatz im Ruhestand

Mit Pensionierung ändert sich der Bemessungssatz in den meisten Bundesländern:

  • Pensionäre ohne berücksichtigungsfähige Angehörige: 70 % (statt 50 % im aktiven Dienst)
  • Wer als Vollzugsbeamter Heilfürsorge hatte, wechselt bei Pensionierung meist ins Beihilfesystem
  • Ohne Anwartschaftsversicherung droht eine erneute Gesundheitsprüfung bei der PKV

Der Ruhestand ist damit der Moment, in dem das Thema Bemessungssatz auch für Heilfürsorge-Beamte real wird: Aus 100 % Kostenübernahme im Dienst werden meist 70 % Beihilfe plus 30 % privat zu versichernder Rest. Wie hoch deine Versorgungsbezüge dann ausfallen, hängt von Dienstjahren und letztem Amt ab – die Grundlagen dazu findest du im Ratgeber Pension für Polizeibeamte. Ob und wann sich eine Anwartschaft lohnt, um sich den späteren PKV-Zugang ohne neue Gesundheitsprüfung zu sichern, erklärt der Beitrag Anwartschaft PKV für Polizeianwärter.

Tipp: Wer im Vollzugsdienst Heilfürsorge bezieht, sollte spätestens 5 Jahre vor der Pensionierung prüfen, ob eine Anwartschaft bei einer PKV sinnvoll ist. Die Alterungsrückstellungen, die während der Anwartschaft aufgebaut werden, senken den späteren Beitrag erheblich.

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Welcher Bemessungssatz für dich gilt und welche beihilfekonforme PKV am besten passt – das hängt von deiner persönlichen Situation ab. Unsere Partnerberater helfen dir unverbindlich weiter.

PKV & Heilfürsorge Polizei – Erstinformation

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Häufige Fragen zum Beihilfebemessungssatz

Warum ist der Beihilfebemessungssatz nicht 100 %?

Das System ist bewusst so gestaltet: Die Beihilfe deckt einen Teil der Kosten, der Rest soll durch eigene Vorsorge (private Restkostenversicherung) abgedeckt werden. Das erzeugt einen Anreiz zur Eigenverantwortung und verhindert unbegrenzte staatliche Haftung. Der ergänzende PKV-Beitrag ist für Beamte entsprechend günstiger als eine vollständige private KV (ca. 50–100 €/Monat statt 300–400 €).

Was passiert bei einem Kind mit erhöhtem Pflegebedarf?

Kinder mit chronischen Erkrankungen oder Behinderung können einen höheren Beihilfebemessungssatz erhalten (bis zu 100 % in einigen Ländern). Wichtig: Frühzeitig bei der Beihilfestelle beantragen und den erhöhten Bedarf dokumentieren. Die GdP-Rechtsberatung hilft bei der Durchsetzung erhöhter Bemessungssätze, falls die Beihilfestelle zögert.

Welcher Bemessungssatz gilt für Polizisten mit Heilfürsorge?

Keiner – solange du im aktiven Vollzugsdienst freie Heilfürsorge erhältst, übernimmt der Dienstherr die Krankheitskosten direkt, ein Bemessungssatz existiert in diesem System nicht. Relevant wird der Bemessungssatz für dich erst, wenn du aus der Heilfürsorge ausscheidest, typischerweise mit der Pensionierung: Dann wechselst du in den meisten Ländern ins Beihilfesystem, üblicherweise mit 70 % Bemessungssatz.

Ändert sich der Bemessungssatz bei Heirat oder Geburt eines Kindes?

Der Bemessungssatz kann steigen, wenn berücksichtigungsfähige Angehörige hinzukommen – die genauen Voraussetzungen (etwa Einkommensgrenzen des Ehepartners oder die Zahl der Kinder) regelt die Beihilfeverordnung deines Landes. Melde Änderungen der Familiensituation deshalb zeitnah der Beihilfestelle und passe anschließend die Quote deiner privaten Restkostenversicherung an, damit keine Lücke oder Doppelabsicherung entsteht.

Muss ich meine PKV anpassen, wenn sich mein Bemessungssatz ändert?

Ja. Beihilfe und PKV-Quote müssen zusammen 100 % ergeben. Steigt dein Bemessungssatz von 50 auf 70 %, reicht künftig eine 30-%-Restkostenquote – du kannst den Tarif reduzieren und Beitrag sparen. Sinkt der Satz (etwa weil ein Angehöriger nicht mehr berücksichtigungsfähig ist), musst du die Quote erhöhen, sonst bleibst du auf einem Teil der Kosten sitzen. Beihilfekonforme Tarife sehen für solche Anpassungen in der Regel vereinfachte Wechselrechte vor.

Gilt für meinen Ehepartner ein eigener Bemessungssatz?

Ja, sofern dein Ehe- oder Lebenspartner berücksichtigungsfähig ist – das hängt vor allem von dessen eigenem Einkommen ab, für das die Länder unterschiedliche Grenzen festlegen. Für die Aufwendungen berücksichtigungsfähiger Ehepartner gilt dann in der Regel ein Satz von 70 %. Liegt das Einkommen über der Grenze (z. B. bei eigener sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung), muss sich der Partner vollständig selbst versichern.

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