Kriminaltechnik und Spurensicherung: Aufgaben und Einstieg im Überblick

Kriminaltechnik & Spurensicherung

Wie die Polizei materielle Spuren am Tatort sichert, im Labor auswertet und daraus belastbare Beweise macht – und welche Wege in dieses Berufsfeld führen.

Ohne Spuren kein Beweis: Die Kriminaltechnik gehört zu den wichtigsten Stützen moderner Ermittlungsarbeit. Sie verbindet klassisches Handwerk der Spurensuche mit Naturwissenschaft und liefert der Staatsanwaltschaft und den Gerichten objektive Anhaltspunkte, die eine Aussage bestätigen oder widerlegen können. Dieser Überblick erklärt, was Kriminaltechnik umfasst, wie die Spurensicherung am Tatort abläuft, welche Teilbereiche es gibt und über welche Wege man in diesem Feld arbeiten kann. Wo Zuständigkeiten und Ausbildungswege zwischen Bund und Ländern variieren, weisen wir darauf hin.

Was ist Kriminaltechnik?

Kriminaltechnik bezeichnet die Anwendung natur- und ingenieurwissenschaftlicher Methoden auf die Sicherung, Untersuchung und Auswertung materieller Spuren im Zusammenhang mit Straftaten. Sie ist von der Kriminalistik zu unterscheiden, die sich allgemeiner mit der Aufklärung von Straftaten befasst. Auf Bundesebene bündelt das Kriminaltechnische Institut (KTI) des Bundeskriminalamts (BKA) diese Expertise; nach Angaben des BKA betreibt es über 50 kriminaltechnische Sammlungen und Informationssysteme und stellt sie den Bedarfsträgern zur Verfügung. Vergleichbare Kriminaltechnische Institute bestehen bei den Landeskriminalämtern (LKA) der Bundesländer. Neben der Fallbearbeitung gehören Forschung und Entwicklung, die Pflege von Referenzsammlungen sowie Lehre und Gutachtenerstellung zum Aufgabenspektrum.

Aufgaben der Spurensicherung

Die Spurensicherung am Tatort folgt einem systematischen Vorgehen, dessen oberstes Ziel es ist, Spuren weder zu zerstören noch zu verunreinigen. Am Anfang steht die umfassende Dokumentation: Der Tatort wird fotografiert, vermessen und skizziert, bevor Gegenstände bewegt werden. Anschließend werden Spuren systematisch gesucht, gesichert und beschriftet. Typische Spurenarten sind unter anderem:

  • Finger- und Handflächenspuren
  • biologische Spuren wie Blut, Speichel oder Haare (Träger möglicher DNA)
  • Faser-, Lack- und Materialspuren
  • Werkzeug-, Schuh- und Reifenspuren
  • Schmauch- und Waffenspuren

Entscheidend ist die lückenlose Beweismittelkette: Wer eine Spur wann wo gesichert hat, muss nachvollziehbar dokumentiert sein, damit ein späteres Gutachten vor Gericht Bestand hat. Sauberes Arbeiten mit Schutzkleidung dient auch dazu, eine Kontamination mit eigener DNA der Einsatzkräfte zu vermeiden.

Teilbereiche: Daktyloskopie, DNA, Ballistik und mehr

Die Kriminaltechnik gliedert sich in zahlreiche Fachbereiche. Zu den bekanntesten gehören:

  • Daktyloskopie: die Identifizierung von Personen anhand von Fingerabdrücken. Fingerspuren werden seit über 120 Jahren systematisch genutzt; für den automatisierten Abgleich betreibt das BKA das Fingerabdruck-Identifizierungssystem AFIS (eingeführt 1993).
  • DNA-Analyse: die Auswertung biologischer Spuren. Aus einem DNA-Identifizierungsmuster lässt sich ein Abgleich mit gespeicherten Datensätzen vornehmen; die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind gesetzlich geregelt.
  • Ballistik und Schussspuren: die Untersuchung von Waffen, Munition und Projektilen, etwa die Zuordnung von Geschossen zu einer Waffe oder die Rekonstruktion von Schussverläufen.
  • Weitere Bereiche: Handschriften- und Dokumentenprüfung, Brand- und Sprengstoffuntersuchungen, Toxikologie sowie digitale Forensik.

Eng verbunden ist der Erkennungsdienst (ED): Er erfasst und speichert biometrische Merkmale – insbesondere Fingerabdrücke, Lichtbilder und DNA-Identifizierungsmuster. Rechtsgrundlage für erkennungsdienstliche Maßnahmen ist unter anderem § 81b StPO; ob eine Maßnahme zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab.

Wege in die Kriminaltechnik

Es gibt keinen einheitlichen Ausbildungsberuf „Kriminaltechniker“. Nach Darstellung des BKA sind allein dort rund 60 verschiedene Berufsbilder in der Kriminaltechnik vertreten – vom Polizeivollzugsbeamten bis zur Naturwissenschaftlerin. In der Praxis lassen sich grob zwei Wege unterscheiden:

  • Über den Polizeivollzugsdienst: Wer als Beamtin oder Beamter in die Tatortarbeit oder Spurensicherung möchte, durchläuft zunächst Einstellungstest und Polizeiausbildung bzw. -studium und spezialisiert sich später, häufig im Bereich der Kriminalpolizei.
  • Als Fachwissenschaftlerin oder Tarifbeschäftigter: Für Laborbereiche wie DNA, Chemie oder Ballistik werden häufig einschlägige Studienabschlüsse (z. B. Biologie, Chemie, Physik oder Forensik) vorausgesetzt. Der Einstieg erfolgt dann in der Regel als Tarifbeschäftigte oder Tarifbeschäftigter, nicht zwingend im Beamtenverhältnis.

An eine Grundqualifikation schließt sich meist eine mehrstufige Weiterbildung zur Sachverständigen bzw. zum Sachverständigen an. Die konkreten Zugangsvoraussetzungen, Bezeichnungen und Dauern unterscheiden sich je nach Bund und Bundesland; verbindlich sind stets die aktuellen Stellenausschreibungen und Vorgaben der jeweiligen Behörde.

Praxisbeispiel

Ein typischer Ablauf verdeutlicht das Zusammenspiel der Bereiche: Nach einem Einbruchdiebstahl sichert das Team zunächst den Tatort und dokumentiert ihn fotografisch. An einem aufgehebelten Fenster werden Werkzeugspuren gesichert, an einer Glasscherbe eine mutmaßliche Blutspur, am Fensterrahmen Fingerspuren. Im Labor wird die Blutspur ausgewertet und ein DNA-Identifizierungsmuster erstellt, die Fingerspur über AFIS abgeglichen und die Werkzeugspur mit einem sichergestellten Brecheisen verglichen. Ergibt sich ein Treffer, ist das ein wichtiger Ermittlungsansatz – entscheidend bleibt jedoch die Gesamtwürdigung aller Beweise durch Staatsanwaltschaft und Gericht. Kriminaltechnik liefert objektive Bausteine, ersetzt aber nicht die rechtliche Bewertung.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Kriminaltechnik und Kriminalistik?

Kriminalistik ist der Oberbegriff für die Lehre von der Aufklärung und Verhütung von Straftaten. Die Kriminaltechnik ist ein Teilbereich davon und konzentriert sich auf die naturwissenschaftlich-technische Sicherung und Auswertung materieller Spuren, etwa Fingerabdrücke, DNA oder Schussspuren.

Braucht man ein Studium, um in der Kriminaltechnik zu arbeiten?

Nicht zwingend. Für die Tatort- und Spurensicherung ist häufig der Weg über den Polizeivollzugsdienst möglich. Für wissenschaftliche Laborbereiche wie DNA- oder Chemieanalytik wird dagegen meist ein einschlägiges Studium vorausgesetzt, oft mit Einstieg als Tarifbeschäftigte. Maßgeblich sind die jeweiligen Stellenausschreibungen.

Was macht der Erkennungsdienst?

Der Erkennungsdienst erfasst und speichert biometrische Merkmale von Personen, insbesondere Fingerabdrücke, Lichtbilder und DNA-Identifizierungsmuster. Diese Daten unterstützen die Identifizierung von Personen und das Erkennen von Zusammenhängen zwischen Taten. Erkennungsdienstliche Maßnahmen sind rechtlich geregelt, unter anderem in § 81b StPO.

Wie zuverlässig sind kriminaltechnische Beweise?

Kriminaltechnische Verfahren wie die DNA-Analyse gelten als sehr aussagekräftig, sind aber kein Automatismus. Aussagekraft und Fehlergrenzen hängen von Spurenqualität, Methode und sauberer Arbeit ab. Ein Treffer ist ein Ermittlungsansatz; die abschließende Bewertung nehmen Staatsanwaltschaft und Gericht im Rahmen einer Gesamtwürdigung vor.

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