Bundespolizei Ausbildung: mittlerer & gehobener Dienst

Bundespolizei Ausbildung

Mittlerer Dienst oder duales Studium — Inhalte, Dauer und Standorte.

Die Bundespolizei bildet an eigenen Aus- und Fortbildungszentren aus (u. a. Lübeck, Oerlenbach, Bamberg, Diez). Wie bei den Ländern entscheidet der Schulabschluss über die Laufbahn: Mit einem mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss oder vergleichbar) startest du im mittleren Dienst, mit Fachhochschulreife oder Abitur führt der Weg über das duale Studium in den gehobenen Dienst. Beide Laufbahnen sind grundverschieden im Zuschnitt, aber beide beginnen mit derselben Frage: Willst du möglichst schnell operativ im Streifendienst arbeiten, oder strebst du früher Richtung Führungs- und Sachbearbeiteraufgaben? Die Bundespolizei ist bundesweit für Grenzschutz, Bahnpolizei, Luftsicherheit und den Schutz von Bundesorganen zuständig — entsprechend unterscheiden sich Inhalte und Einsatzorte spürbar von der Ausbildung bei einer Landespolizei. Wer sich noch nicht sicher ist, ob Bund oder Land besser passt, findet einen direkten Vergleich zwischen Bundespolizei und Landespolizei auf einer eigenen Seite. Wer zwischen Bundespolizei und Zoll schwankt – beide arbeiten an Flughäfen und Grenzen eng zusammen –, findet unter Zoll oder Polizei? die Abgrenzung. Unabhängig von der Laufbahn beginnst du die Ausbildung als Beamter oder Beamtin auf Widerruf, durchläufst eine gesundheitliche und sportliche Eignungsprüfung im Vorfeld und wirst während der gesamten Ausbildungszeit besoldet statt vergütet — ein wesentlicher Unterschied zu einer klassischen Berufsausbildung in der freien Wirtschaft.

Die zwei Wege

Mittlerer Dienst Gehobener Dienst
Dauer 2,5 Jahre 3 Jahre (duales Studium)
Abschluss Polizeimeister (A7) Bachelor of Arts, A9
Schwerpunkt Wach- & Streifendienst Führung, Sachbearbeitung

So liest du die Tabelle: Die Dauer ist die reine Ausbildungs- bzw. Studienzeit bis zur Ernennung in die jeweilige Besoldungsgruppe — Verlängerungen durch Wiederholung einzelner Abschnitte sind darin nicht eingerechnet. „Abschluss“ meint die Besoldungsgruppe, mit der du nach bestandener Laufbahnprüfung übernommen wirst: A7 (Polizeimeister/-meisterin) im mittleren Dienst, A9 im gehobenen Dienst nach dem dualen Bachelorstudium. Der „Schwerpunkt“ beschreibt nicht das gesamte Aufgabenspektrum, sondern wo die Tätigkeit direkt nach der Ausbildung typischerweise liegt — im mittleren Dienst überwiegend im operativen Streifen- und Kontrolldienst an Grenze, Bahnhof oder Flughafen, im gehobenen Dienst zunehmend in koordinierenden und leitenden Funktionen. Wer im mittleren Dienst startet, ist damit keineswegs auf A7 festgelegt: Der spätere Aufstieg in den gehobenen Dienst über Qualifizierung ist ausdrücklich vorgesehen und bei der Bundespolizei etabliert.

Inhalte

  • Eingriffsrecht, Straf- und Verkehrsrecht
  • Grenz- und Bahnpolizei, Luftsicherheit
  • Einsatztraining, Dienstsport, Schießausbildung
  • Englisch (für grenzpolizeiliche Aufgaben)

Die Inhalte verteilen sich auf einen theoretischen Teil an einem der Aus- und Fortbildungszentren und mehrere praktische Ausbildungsabschnitte bei Bundespolizeiinspektionen oder -direktionen. Rechtsfächer wie Eingriffsrecht (die Rechtsgrundlagen für polizeiliches Handeln), Straf- und Verkehrsrecht bilden das juristische Fundament, damit Entscheidungen im Einsatz rechtssicher getroffen werden können. Die fachspezifischen Module zu Grenzpolizei, Bahnpolizei und Luftsicherheit unterscheiden die Bundespolizei-Ausbildung am deutlichsten von der Ausbildung bei einer Landespolizei, weil diese Aufgabenfelder dort so nicht vorkommen. Einsatztraining, Dienstsport und Schießausbildung laufen ausbildungsbegleitend über die gesamte Zeit und werden regelmäßig geprüft — wer die geforderten Fitness- und Schießstandards nicht erreicht, riskiert eine Verzögerung der Ausbildung. Englischkenntnisse sind wegen der grenzpolizeilichen Aufgaben und der internationalen Zusammenarbeit (etwa mit Frontex) fester Bestandteil des Curriculums, nicht nur ein Zusatzangebot.

💡 Während der Ausbildung bist du verbeamtet auf Widerruf und erhältst Anwärterbezüge — ohne Sozialabgaben, mit freier Heilfürsorge.

Diese Anwärterbezüge sind kein normales Ausbildungsgehalt: Sie werden als Beamtenbesoldung gezahlt und unterliegen keiner Sozialversicherungspflicht (keine Beiträge zu Kranken-, Pflege-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung). Für die Krankenversorgung gilt bei Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten der Bundespolizei die freie Heilfürsorge (§ 70 BBesG): Der Dienstherr trägt die Krankheitskosten während der aktiven Dienstzeit unmittelbar — schon ab dem ersten Ausbildungstag und ohne Wahlmöglichkeit zwischen Heilfürsorge und Beihilfe. Familienangehörige sind darüber nicht abgesichert; für sie greift die Beihilfe, und viele Anwärterinnen und Anwärter schließen zusätzlich eine Anwartschaftsversicherung ab, um sich den Zugang zur privaten Krankenversicherung für die Zeit nach dem aktiven Dienst (etwa im Ruhestand) zu sichern. In der Praxis bleibt vom Bruttobetrag netto deutlich mehr übrig als bei einem vergleichbaren Ausbildungsgehalt in der freien Wirtschaft. Die genauen Beträge der Anwärterbezüge sowie die anschließende Besoldung nach Übernahme in die Laufbahn zeigt die Besoldungstabelle Bundespolizei mit allen Stufen von A7 bis A13.

Die Anwärtergrundbeträge der Bundespolizei – derzeit als Abschlag unter Vorbehalt gezahlt – im Vergleich mit allen Ländern zeigt die Seite Gehalt in der Polizei-Ausbildung.

Rechenbeispiel: Vom Anwärter zum Polizeimeister

Ein Beispiel zur Einordnung, wie sich die Besoldung nach der Ausbildung entwickelt: Ein Anwärter im mittleren Dienst wird nach 2,5 Jahren und bestandener Laufbahnprüfung als Polizeimeister in die Besoldungsgruppe A7, Stufe 1, übernommen. Nach der aktuellen Bundesbesoldungstabelle liegt das Grundgehalt in A7, Stufe 1, bei ca. 3.138,37 Euro brutto monatlich. Wer stattdessen über das duale Studium den gehobenen Dienst durchläuft, wird nach 3 Jahren in A9, Stufe 1, übernommen — dort liegt das Grundgehalt bei ca. 3.551,63 Euro brutto. Die Differenz zwischen beiden Einstiegsgehältern beträgt damit ca. 413,26 Euro brutto pro Monat (3.551,63 minus 3.138,37 Euro) direkt beim Einstieg nach der jeweiligen Ausbildung. Wichtig: Zulagen (etwa für Wechselschicht- oder Erschwernisdienst) sind in diesem Beispiel nicht eingerechnet und kommen je nach Verwendung zusätzlich hinzu, sodass die tatsächliche Bezahlung in der Praxis höher ausfallen kann als der reine Tabellenwert.

Voraussetzungen und Bewerbung im Überblick

Neben dem passenden Schulabschluss prüft die Bundespolizei im Auswahlverfahren die deutsche Staatsangehörigkeit, die gesundheitliche und sportliche Eignung sowie ein einwandfreies Führungszeugnis. Der Sporttest gehört zu den Hürden, die Bewerberinnen und Bewerber häufig unterschätzen — eine gute Vorbereitung lohnt sich, wie die Übersicht zu Sporttest-Anforderungen nach Bundesland zeigt, auch wenn die Bundespolizei eigene Maßstäbe anlegt. Wer die Auswahl besteht, wird zunächst als Beamter oder Beamtin auf Widerruf verbeamtet; die dauerhafte Verbeamtung auf Lebenszeit folgt regulär erst nach der Probezeit im Anschluss an die Ausbildung. Mehr zu den einzelnen Schritten der Verbeamtung findest du in der Übersicht zur Verbeamtung bei der Polizei. Wer sich für das duale Studium im gehobenen Dienst interessiert, sollte zusätzlich einen Blick auf die allgemeinen Anforderungen eines Polizeistudiums werfen, da sich Aufbau und Prüfungsformate zwischen Bund und Ländern in Details unterscheiden.

Ausbildungsorte der Bundespolizei

Zuständig für die Aus- und Fortbildung ist die Bundespolizeiakademie mit Sitz in Lübeck. Die Ausbildung für den mittleren Dienst findet an ihren Aus- und Fortbildungszentren statt – in Neustrelitz, Walsrode, Swisttal, Diez, Eschwege, Oerlenbach und Bamberg – sowie an den Ausbildungsstätten Rotenburg an der Fulda und Bielefeld. Wo du landest, hängt von Bedarf und Wohnort ab; einen Anspruch auf einen bestimmten Standort gibt es nicht. Den gehobenen und höheren Dienst bildet die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung mit ihrem Fachbereich Bundespolizei aus, die praktischen Abschnitte laufen bei Direktionen und Inspektionen im ganzen Bundesgebiet.

Für den Dienstsport unterhält die Akademie die Sportschulen Bad Endorf und Kienbaum sowie das Trainingszentrum Kührointhaus in den Berchtesgadener Alpen. Nach der Ausbildung beginnen viele Absolventen in einer Einsatzhundertschaft der Bundesbereitschaftspolizei, bevor sie in eine Inspektion an Bahnhof, Flughafen oder Grenze wechseln.

Quelle: Bundespolizei – Bundespolizeiakademie (Standorte), abgerufen im September 2026.

Vom ersten Tag an im Beamtenverhältnis

Mit dem Beginn der Ausbildung wechselt nicht nur der Arbeitgeber, sondern das ganze Sicherungssystem: Anwärterinnen und Anwärter sind Beamte auf Widerruf und damit nicht mehr gesetzlich krankenversichert. An die Stelle tritt je nach Dienstherr freie Heilfürsorge oder Beihilfe — im zweiten Fall bleibt ein Eigenanteil, der über eine private Krankenversicherung gedeckt wird. Wer aus der Familienversicherung kommt, sollte das rechtzeitig klären; der Wechsel passiert nicht automatisch. Eine unverbindliche Erstinformation sortiert, was im jeweiligen Land gilt.

In den ersten fünf Dienstjahren meist kein Ruhegehalt

Wirst du als Anwärter oder Beamter auf Probe dienstunfähig, bekommst du vor Ablauf der fünfjährigen Wartezeit in der Regel kein Ruhegehalt – es sei denn, die Dienstunfähigkeit geht auf einen Dienstunfall oder eine im Dienst erlittene Schädigung zurück – dann greift die Unfallfürsorge. Kostenlose Erstinformation anfordern:

Erstinformation anfordern →

Häufige Fragen zur Bundespolizei-Ausbildung

Wie lange dauert die Ausbildung bei der Bundespolizei?

Der mittlere Dienst dauert 2,5 Jahre und endet mit der Übernahme als Polizeimeister in Besoldungsgruppe A7. Das duale Studium für den gehobenen Dienst dauert 3 Jahre und schließt mit einem Bachelor of Arts sowie der Übernahme in A9 ab.

Welcher Schulabschluss wird für die Bundespolizei-Ausbildung benötigt?

Für den mittleren Dienst reicht in der Regel ein mittlerer Schulabschluss (Realschulabschluss oder als gleichwertig anerkannter Abschluss). Für das duale Studium im gehobenen Dienst ist die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife erforderlich.

Bin ich während der Ausbildung schon verbeamtet?

Ja, du wirst mit Beginn der Ausbildung als Beamter oder Beamtin auf Widerruf verbeamtet und erhältst Anwärterbezüge statt eines klassischen Ausbildungsgehalts. Die Bezüge sind sozialversicherungsfrei; für die Krankenversorgung gilt bereits während der Ausbildung die freie Heilfürsorge der Bundespolizei.

Wo findet die Ausbildung statt?

Die theoretische Ausbildung läuft an eigenen Aus- und Fortbildungszentren der Bundespolizei, unter anderem in Lübeck, Oerlenbach, Bamberg und Diez. Praktische Abschnitte absolvierst du bei Bundespolizeiinspektionen oder -direktionen im jeweiligen Zuständigkeitsbereich.

Was verdient man nach der Ausbildung als Polizeimeister?

Nach bestandener Laufbahnprüfung wirst du im mittleren Dienst in Besoldungsgruppe A7, Stufe 1, übernommen, im gehobenen Dienst in A9, Stufe 1. Die genauen Beträge je Erfahrungsstufe zeigt die Besoldungstabelle Bundespolizei.

Kann ich vom mittleren in den gehobenen Dienst aufsteigen?

Ja, der Aufstieg vom mittleren in den gehobenen Dienst ist bei der Bundespolizei über ein Qualifizierungsverfahren vorgesehen und in der Praxis ein etablierter Karriereweg für erfahrene Beamtinnen und Beamte.

Was unterscheidet die Bundespolizei-Ausbildung von der Ausbildung bei einer Landespolizei?

Inhaltlich kommen bei der Bundespolizei grenzpolizeiliche Aufgaben, Bahnpolizei und Luftsicherheit hinzu, die bei den Landespolizeien so nicht vorkommen. Auch Einsatzorte und Zuständigkeiten unterscheiden sich deutlich, wie der ausführliche Vergleich zwischen Bundespolizei und Landespolizei zeigt.

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