Wasserwerfer der Polizei: Technik, Einsatz und Rechtslage im Überblick

Wasserwerfer der Polizei

Technik, Kenndaten und rechtliche Grenzen der Modelle WaWe 10000 und WaWe 9000 im Überblick

Wasserwerfer sind schwere Sonderfahrzeuge der Polizei, die vor allem bei Großlagen wie Demonstrationen, Ausschreitungen oder gewaltsamen Blockaden zum Einsatz kommen. Sie zählen zu den Mitteln des unmittelbaren Zwangs und werden in Deutschland von der Bereitschaftspolizei der Länder sowie der Bundespolizei vorgehalten. Zwei Baureihen prägen das Bild: der ältere Wasserwerfer 9000 (WaWe 9000) und sein leistungsfähigerer Nachfolger, der Wasserwerfer 10000 (WaWe 10000). Dieser Ratgeber ordnet Technik, Aufgaben und die rechtlichen Grenzen sachlich ein.

Technik & Modelle (WaWe 10000)

Der WaWe 10000 wird nach öffentlich zugänglichen Angaben vom Hersteller Rosenbauer auf einem Fahrgestell des Typs Mercedes-Benz Actros aufgebaut. Namensgebend ist der Wassertank mit rund 10.000 Litern Fassungsvermögen. Eine Pumpe fördert nach Herstellerangaben etwa 3.500 Liter pro Minute bei rund 10 bar. Das Fahrzeug verfügt über drei Werfer: zwei an den vorderen Kabinenecken mit einer Durchflussmenge von jeweils bis zu 1.200 Litern pro Minute und einer Wurfweite von rund 65 Metern sowie einen Heckwerfer mit bis zu 900 Litern pro Minute und rund 50 Metern Reichweite. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei etwa 31 Tonnen.

Der Vorgänger WaWe 9000 wurde nach vorliegenden Quellen Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre entwickelt und fasst rund 9.000 Liter. Im Zuge der Weiterentwicklung wurden Tankgröße, Druck und Reichweite gegenüber älteren Wasserwerfern deutlich erhöht. Beide Modelle sind auf Dauerbetrieb ausgelegt, benötigen bei längerem Werfen aber eine Nachspeisung über Hydranten oder Zubringerfahrzeuge, da der Tankvorrat je nach Durchflussmenge nur wenige Minuten reicht. Die folgende Übersicht fasst gängige Kenndaten zusammen; einzelne Werte können je nach Baujahr und Ausstattungsvariante abweichen.

Merkmal WaWe 9000 WaWe 10000
Wassertank rund 9.000 Liter rund 10.000 Liter
Werfer Front- und Heckwerfer zwei Front-, ein Heckwerfer
Wurfweite (Front) bis rund 65 Meter rund 65 Meter
Besatzung mindestens 4 bis zu 5
Fahrgestell Mercedes-Benz (ältere Baureihen) Mercedes-Benz Actros
Einführung ab Ende der 1970er-Jahre ab den 2000er-Jahren

Einsatz & Aufgaben

Wasserwerfer dienen in erster Linie dazu, gewaltbereite Menschenmengen auf Distanz zu halten, Blockaden aufzulösen und abgesperrte Bereiche zu schützen. Der Wasserstrahl wirkt vor allem über Druck und Nässe und soll Personen zum Zurückweichen bewegen, ohne dass Einsatzkräfte in direkten Kontakt treten müssen. Neben dem eigentlichen Werfen können die Fahrzeuge im Rahmen der Amtshilfe auch zur Wasserabgabe, etwa zur Kühlung oder Brandbekämpfung, herangezogen werden.

Gefahren, geführt und bedient werden Wasserwerfer von der Bereitschaftspolizei und speziell geschulten technischen Einheiten. Die Besatzung teilt sich typischerweise in Fahrzeugführer, Fahrer, Beobachter und die Werferbediener auf. Rechtlich zulässig ist in einzelnen Bundesländern grundsätzlich die Beimischung von Reizstoffen wie CN oder CS; nach vorliegenden Angaben macht insbesondere die Bundespolizei davon in der jüngeren Praxis jedoch keinen Gebrauch. In der Regel wird ausschließlich mit Wasser gearbeitet. Farblich sind die neueren Fahrzeuge überwiegend blau lackiert, während ältere Wasserwerfer traditionell grün waren.

Rechtslage & Verhältnismäßigkeit

Der Einsatz eines Wasserwerfers ist eine Maßnahme des unmittelbaren Zwangs und wird nach den Zwangsmittelvorschriften des Bundes und der Länder in der Regel als Hilfsmittel der körperlichen Gewalt eingeordnet. Wie jede Zwangsmaßnahme muss er verhältnismäßig sein, also geeignet, erforderlich und angemessen. Vor dem Einsatz ist der unmittelbare Zwang grundsätzlich anzudrohen, damit Betroffene die Möglichkeit haben, sich zu entfernen.

Bei Versammlungen kommt der besondere Schutz von Artikel 8 Grundgesetz hinzu. Solange eine Versammlung besteht, gilt das Versammlungsrecht; polizeilicher Zwang gegen die Teilnehmenden setzt in der Regel voraus, dass die Versammlung zuvor rechtmäßig aufgelöst wurde. Erst danach ist der Rückgriff auf das allgemeine Polizeirecht und damit auf Mittel wie Wasserwerfer eröffnet. Weil ein Druckstrahl auf kurze Distanz erhebliche Verletzungen verursachen kann, sind an die Verhältnismäßigkeit hohe Anforderungen zu stellen.

Praxisbeispiel

Ein bekanntes Beispiel ist der Polizeieinsatz im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21, später als „Schwarzer Donnerstag“ bezeichnet. Dabei wurden Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende eingesetzt; nach Medienberichten wurden mehr als 100 Menschen verletzt, ein Teilnehmer erlitt schwere Augenverletzungen. Das Verwaltungsgericht Stuttgart stufte den Einsatz 2015 rückblickend als rechtswidrig ein, unter anderem weil die versammlungsrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt waren. Der Fall gilt seither als Referenzpunkt für die Grenzen des Wasserwerfereinsatzes bei Versammlungen.

Häufige Fragen

Wie weit reicht der Wasserstrahl eines Polizei-Wasserwerfers?

Beim WaWe 10000 geben Hersteller- und Behördenangaben für die beiden Frontwerfer eine Wurfweite von rund 65 Metern bei etwa 10 bar an, der Heckwerfer erreicht rund 50 Meter. Die tatsächliche Reichweite hängt von Druck, Düsenstellung, Wind und Gelände ab und kann im Einsatz deutlich geringer ausfallen.

Wie viel Wasser fasst ein Wasserwerfer der Polizei?

Der Name gibt die Tankgröße an: Der WaWe 10000 fasst rund 10.000 Liter, das ältere Modell WaWe 9000 rund 9.000 Liter. Bei länger andauerndem Werfen ist der Vorrat je nach Durchflussmenge in wenigen Minuten erschöpft, sodass das Fahrzeug nachgespeist werden muss.

Wer bedient den Wasserwerfer bei der Polizei?

Wasserwerfer werden von der Bereitschaftspolizei und speziell geschulten technischen Einheiten gefahren und bedient. Die Besatzung des WaWe 10000 umfasst bis zu fünf Beamtinnen und Beamte, typischerweise Fahrzeugführer, Fahrer, Beobachter und zwei Werferbediener.

Dürfen Wasserwerfer bei Demonstrationen eingesetzt werden?

Nur unter engen Voraussetzungen. Versammlungen stehen unter dem Schutz von Artikel 8 Grundgesetz; unmittelbarer Zwang wie ein Wasserwerfer setzt in der Regel voraus, dass die Versammlung zuvor rechtmäßig aufgelöst wurde und der Einsatz verhältnismäßig sowie zuvor angedroht ist. Ob diese Anforderungen erfüllt sind, prüfen im Streitfall die Verwaltungsgerichte.

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