
Kriminalpolizei werden 2026: Von der Schupo zur Kripo
Wechsel zur Kriminalpolizei — Voraussetzungen, interner Bewerbungsprozess und was dich erwartet.
Die Kriminalpolizei — kurz Kripo — ermittelt in Straftaten, vernimmt Beschuldigte und Zeugen und arbeitet eng mit Staatsanwaltschaften zusammen. Anders als bei vielen Berufen mit klassischer Ausbildung gibt es für die Kripo in den meisten Bundesländern keinen eigenständigen Einstiegsweg: Wer als Kriminalbeamter arbeiten will, kommt fast immer über die Schutzpolizei dorthin. Dieser Ratgeber erklärt, wie sich Schutz- und Kriminalpolizei in Aufgaben und Alltag unterscheiden, welche Etappen der interne Wechsel typischerweise durchläuft, welche Spezialisierungen es innerhalb der Kripo gibt und wie sich das Gehalt eines Kriminalbeamten im Vergleich zur Schutzpolizei zusammensetzt. Wichtig vorab: Die genauen Fristen, Auswahlverfahren und Zulagenregelungen unterscheiden sich je nach Bundesland spürbar — die folgenden Angaben sind Orientierungswerte, verbindlich ist immer die Ausschreibung der jeweiligen Landespolizei oder des Bundeskriminalamts.
Schutzpolizei vs. Kriminalpolizei
| Merkmal | Schutzpolizei | Kriminalpolizei |
|---|---|---|
| Uniform | Ja (in Dienst) | Zivil |
| Einsatz | Streife, Wach-/WD | Ermittlung, Vernehmung |
| Einstieg | Direkt nach Studium | Nach Erfahrung Schupo |
| Schwerpunkt | Ordnung, Prävention, Einsatz | Strafverfolgung, Ermittlung |
So liest du die Tabelle: Die vier Merkmale zeigen, warum die Kripo für viele Beamte ein bewusster zweiter Schritt in der Laufbahn ist, kein alternativer Erststieg. Die Zeile „Einsatz“ macht den größten praktischen Unterschied deutlich — Schutzpolizisten sind im sichtbaren Streifen- und Wachdienst unterwegs, Kriminalbeamte arbeiten überwiegend im Hintergrund an Fällen, oft über Wochen oder Monate hinweg. Die Zeile „Einstieg“ ist der Grund, warum dieser Ratgeber existiert: Wer sich für Zivilfahndung, Vernehmung und Ermittlungsarbeit interessiert, muss den Umweg über die Schutzpolizei einplanen, bevor eine Bewerbung zur Kripo überhaupt möglich ist.
Wie wechselt man zur Kripo?
Einen direkten Einstieg in die Kriminalpolizei gibt es in den meisten Bundesländern nicht. Der klassische Weg:
- Einstellung in die Schutzpolizei (gD nach Studium)
- Mindestens 2–4 Jahre Erfahrung im Streifendienst
- Interne Bewerbung auf ausgeschriebene Kripo-Stellen
- Auswahlgespräch + Eignungstest für Kriminalaufgaben
Diese vier Schritte laufen in jedem Bundesland grundsätzlich ähnlich ab, unterscheiden sich aber in Details wie Mindestdienstzeit, Bewerbungsfristen und Gewichtung des Auswahlgesprächs. Wer den Wechsel plant, sollte frühzeitig — idealerweise schon im ersten Dienstjahr bei der Schutzpolizei — mit Vorgesetzten über eine spätere Kripo-Laufbahn sprechen und auf entsprechend positive Beurteilungen hinarbeiten, da diese in der internen Bewerbung stark ins Gewicht fallen.
Spezialisierungen in der Kripo
Nach dem Wechsel in den Kriminaldauerdienst (KDD) folgt meist eine Phase der allgemeinen Ermittlungsarbeit, bevor eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Deliktfeld möglich wird. Wer sich für die technische Seite der Ermittlungsarbeit interessiert, kann sich zusätzlich in Richtung Kriminaltechnik und Spurensicherung orientieren — ein eigener Fachbereich mit eigenem Zugangsweg. Die gängigsten Spezialisierungen innerhalb der klassischen Ermittlungsdienste sind:
- Wirtschaftskriminalität (WIKO): Betrug, Insolvenz, Steuerhinterziehung
- Cybercrime: Ransomware, Kinderpornografie, Darknet
- Organisierte Kriminalität (OK): Drogenhandel, Menschenhandel
- Kapitaldelikte (K1): Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung
- Sexualdelikte (K11): Vergewaltigung, Missbrauch
Gehalt als Kriminalbeamter
Das Gehalt entspricht der regulären Besoldung A9–A13+ — Kriminalbeamte erhalten dieselbe Polizeizulage wie Schutzpolizisten, in einigen Bundesländern zusätzlich eine Kripo-Funktionszulage von 50–100 € / Monat. Ein häufiges Missverständnis: Der Wechsel zur Kripo bringt für sich genommen keine automatische Höhergruppierung — ein Polizeikommissar bleibt zunächst in derselben Besoldungsgruppe wie zuvor bei der Schutzpolizei, das Grundgehalt richtet sich weiterhin nach der eigenen Besoldungsgruppe und Erfahrungsstufe. Eine ausführliche Aufstellung, was Kommissare im gehobenen Kripo-Dienst konkret verdienen, findest du in unserem Ratgeber zum Kriminalkommissar-Gehalt.
Rechenbeispiel: Gehalt eines Kriminalkommissars in NRW
Ein konkretes Beispiel macht die Zusammensetzung greifbarer. Ein Kriminalkommissar in Nordrhein-Westfalen, Besoldungsgruppe A9, Erfahrungsstufe 4 (entspricht in etwa den ersten Dienstjahren nach dem Wechsel zur Kripo), erhält laut Besoldungstabelle Polizei NRW ein Grundgehalt von 3.565,23 € brutto im Monat. Gewährt das Land zusätzlich eine Kripo-Funktionszulage von 50 bis 100 € monatlich, ergibt sich rechnerisch ein Bruttobetrag von ca. 3.615,23 € bis 3.665,23 € — jeweils zzgl. der Polizeizulage, die unabhängig vom Wechsel zur Kripo in gleicher Höhe wie bei der Schutzpolizei weitergezahlt wird. Ob und in welcher Höhe die Funktionszulage tatsächlich gewährt wird, entscheidet das jeweilige Bundesland und teils die konkrete Dienststelle — verbindliche Auskunft gibt nur die eigene Besoldungsstelle.
Der Weg zur Kripo: Was viele nicht wissen
Die Kriminalpolizei ist keine eigenständige Laufbahn — man wechselt erst nach Jahren bei der Schutzpolizei. Die folgende Tabelle zeigt die vier typischen Phasen von der Einstellung bis zur eigenen Spezialisierung im Überblick:
| Phase | Zeitraum | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Schutzpolizei (Schupo) | Meist 2–5 Jahre | Pflicht vor Wechsel zur Kripo |
| Antrag auf Versetzung zur Kripo | Ab ca. 3. Jahr | Gute Beurteilungen, persönliche Eignung |
| Ermittler im KDD | Sofort nach Versetzung | Einarbeitung durch Senior-Ermittler |
| Spezialisierung | Nach 2–5 Jahren | Mordkommission, Cybercrime, Wirtschaftskriminalität |
Der Zwischenschritt „Ermittler im KDD“ wird häufig unterschätzt: Der Kriminaldauerdienst übernimmt die Erstbearbeitung und Sicherung aller eingehenden Fälle rund um die Uhr und ist damit für viele Kriminalbeamte die erste echte Praxisstation nach der Versetzung. Mehr zu Schichten, Aufgaben und Einstieg findest du im Ratgeber zum Kriminaldauerdienst (KDD). Erst danach folgt in der Regel die Entscheidung für ein festes Fachkommissariat.
Häufige Fragen zur Kriminalpolizei
Kann ich direkt zur Kriminalpolizei oder muss ich Schupo-Erfahrung haben?
In fast allen Bundesländern ist ein direkter Einstieg in die Kripo nicht möglich — du musst zuerst einige Jahre Erfahrung bei der Schutzpolizei sammeln. Die Ausnahme: einige Bundesländer ermöglichen Spezialisten (z.B. IT-Experten, Ökonomen) den Direkteinstieg für Cybercrime- oder Wirtschaftskriminalität-Einheiten.
Verdient man bei der Kripo mehr?
Nicht direkt — die Besoldungsgruppe (A9, A10 usw.) bleibt gleich wie bei der Schupo. Allerdings bieten manche Bundesländer Kriminalitätszulagen oder Funktionszulagen für besondere Stellen (LKA, BKA-Verbindungen). Indirekt ist die Karriere in der Kripo oft das Sprungbrett für höhere Führungspositionen.
Wie unterscheidet sich der Alltag der Kripo von der Schutzpolizei?
Schutzpolizei: Streifendienst, Direkteinsatz, Schichtdienst. Kriminalpolizei: Ermittlungstätigkeit, Büro- und Außendienst gemischt, teils flexible Arbeitszeiten (aber auch Rufbereitschaft). Kripo-Arbeit ist intellektuell anspruchsvoller, erfordert mehr Schreibarbeit und Dokumentation, dafür weniger körperliche Konfrontation.
Welche Bundesländer bieten einen direkten Kripo-Einstieg ohne Schupo-Zeit?
Bayern und einige andere Bundesländer ermöglichen unter bestimmten Umständen einen direkten Kripo-Einstieg für spezialisierte Akademiker (Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler für Cybercrime/Wirtschaftskriminalität). Das ist aber die Ausnahme — in den meisten Bundesländern ist mehrjährige Schupo-Erfahrung Pflicht. Vorab bei der jeweiligen Landespolizei nachfragen.
Wie lange dauert der Wechsel von der Schutzpolizei zur Kriminalpolizei insgesamt?
Von der Einstellung bis zur ersten Stelle bei der Kripo vergehen in der Regel 2 bis 5 Jahre, je nach Bundesland und offenen Stellen. Danach folgt meist eine Einarbeitungsphase im Kriminaldauerdienst, bevor eine feste Spezialisierung auf ein Fachkommissariat möglich wird.
Kann ich mir aussuchen, in welchem Bereich der Kripo ich arbeite?
Nicht direkt frei wählbar — offene Stellen in Fachkommissariaten wie Mordkommission, Cybercrime oder Wirtschaftskriminalität werden intern ausgeschrieben, und die Zuteilung hängt von Eignung, Qualifikation und Bedarf der Dienststelle ab. Wer sich früh spezialisiert (z.B. durch IT-Kenntnisse für Cybercrime), erhöht die Chancen auf die gewünschte Fachrichtung.
Kripo vs. Schutzpolizei: Gehaltsvergleich und Karrierepfade
Neben dem Gehalt lohnt sich auch ein Blick auf die längerfristige Karriereperspektive. Wer den Aufstieg in den höheren Dienst anstrebt, findet in der Kripo oft kürzere Wege — Details dazu im Ratgeber Polizeirat werden. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
- Einstiegsgehalt Kriminalpolizei (KK A9): Gleich wie Schutzpolizei-PK — keine Gehaltsdifferenz beim Wechsel
- Karriere-Vorteil Kripo: Weg zum Kriminalrat (A13+) kürzer durch akademische Ermittlungsarbeit
- Belastungstyp: Kripo = psychische Belastung (Gewaltdelikte, CSAM), Schupo = körperliche Belastung und Schichtdienst
- Dienstzeiten: Kripo = teils flexibler, aber Rufbereitschaft und Überstunden bei laufenden Ermittlungen
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