
Gesundheitsprüfung Polizei 2026: Was wird untersucht?
Die polizeiärztliche Untersuchung ist eine der größten Hürden — was erwartet dich und was kann zur Ablehnung führen?
Neben dem Sporttest und dem psychologischen Test ist die polizeiärztliche Untersuchung eine der drei großen Hürden im Auswahlverfahren — und für viele Bewerber die am wenigsten planbare, weil sie körperliche Gegebenheiten prüft, die sich kurzfristig kaum ändern lassen. Anders als beim Sporttest kannst du dich auf die Gesundheitsprüfung nicht „trainieren“: Es geht darum, ob dein Körper die dauerhaften Belastungen des Polizeidienstes ohne absehbares Risiko verträgt. Das betrifft Sehkraft, Hörvermögen, Herz-Kreislauf-System, Bewegungsapparat und Psyche gleichermaßen. Die Anforderungen unterscheiden sich in Details zwischen den Bundesländern — die folgenden Werte gelten als bundesweit gängige Richtgrößen. Wer sich frühzeitig informiert, welche Werte geprüft werden, kann Unsicherheiten vor dem Termin reduzieren und im Zweifel rechtzeitig einen Facharzt konsultieren.
Ablauf der polizeiärztlichen Untersuchung
- Schriftliche Vorab-Gesundheitsauskunft (Vorerkrankungen, Operationen, Medikamente)
- Allgemeine körperliche Untersuchung durch Polizeiarzt
- Blutbild, Urin, EKG
- Sehtest und Hörtest
- Röntgen (Wirbelsäule, teils Thorax)
- Ggf. Spezialistenüberweisung bei Auffälligkeiten
Die Untersuchung findet in der Regel an einem Termin bei einem Polizeiarzt oder einem von der Behörde beauftragten Amtsarzt statt und dauert je nach Bundesland zwischen zwei und vier Stunden. Die schriftliche Gesundheitsauskunft solltest du wahrheitsgemäß und vollständig ausfüllen — sie ist rechtlich bindend und wird mit den späteren Untersuchungsergebnissen abgeglichen. Werden bei der körperlichen Untersuchung oder im Blutbild Auffälligkeiten festgestellt, folgt meist keine sofortige Ablehnung, sondern eine Überweisung an einen Facharzt (z. B. Augenarzt, Kardiologe oder Orthopäde). Erst danach entscheidet der Polizeiarzt final über die gesundheitliche Eignung — das kann den Auswahlprozess um mehrere Wochen verlängern.
Körperliche Mindestanforderungen 2026
Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Mindestwerte, an denen sich Polizeiärzte orientieren. Wichtig: Die Werte sind Richtgrößen — bei Grenzfällen entscheidet meist eine Einzelfallprüfung, nicht ein starrer Cut-off. Wer beispielsweise leicht über dem BMI-Richtwert liegt, aber sportlich fit ist und im Sporttest gute Werte erzielt, wird deshalb nicht automatisch abgelehnt. Bei der Körpergröße gilt: Die hier genannte Mindestgröße ist ein grober bundesweiter Richtwert, tatsächlich variieren die Vorgaben von Bundesland zu Bundesland spürbar — wer genau wissen will, welche Mindestgröße im eigenen Bundesland gilt, findet die Details in einer eigenen Übersicht zur Mindestgröße bei der Polizei.
| Bereich | Anforderung | Hinweis |
|---|---|---|
| Sehschärfe | mind. 0,5 / 0,5 (unkorrigiert) | Mit Korrektur: mind. 1,0 / 1,0 |
| Farbsichtigkeit | Normal (kein Rotgrün-Defizit) | Ishihara-Test |
| Hören | Sprachverstehen normal | Audiogramm-Test |
| BMI | 18–30 (Richtwert) | Stark über-/untergewicht: Risiko |
| Körpergröße | mind. 160 cm (variiert) | Bayern: 163 cm (m), 158 cm (w) |
| Blutdruck | < 140/90 mmHg | Dauerhaft erhöht = Ausschluss |
Ein Bewerber ist 1,82 m groß und wiegt 88 kg. Der BMI berechnet sich als Gewicht in kg geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat: 1,82 × 1,82 = ca. 3,31. Anschließend 88 ÷ 3,31 = ca. 26,6. Der Wert liegt damit innerhalb des Richtwertkorridors von 18 bis 30 aus der Tabelle oben und wäre für sich genommen unauffällig. Läge derselbe Bewerber bei z. B. 115 kg, ergäbe sich ein BMI von ca. 115 ÷ 3,31 = ca. 34,7 — ein Wert, der außerhalb des Richtwerts liegt und im Einzelfall geprüft würde, insbesondere in Kombination mit den Ergebnissen aus dem Fitnesstest.
Häufige Ablehnungsgründe
- Sehstärke nicht korrigierbar auf das Mindestniveau
- Rotgrün-Blindheit (Farbfehlsichtigkeit)
- Chronische Erkrankungen: Diabetes Typ 1, Epilepsie, schwere Allergien
- Psychische Vorerkrankungen (Depression, PTSD in der Vorgeschichte)
- Starkes Übergewicht (BMI > 30)
- Bandscheibenvorfälle / Wirbelsäulenschäden
Psychische Vorerkrankungen: Wie ehrlich muss man sein?
Grundsätzlich musst du alle Vorerkrankungen wahrheitsgemäß angeben. Verschwiegene Erkrankungen können zur späteren Entlassung führen. Allerdings: Eine behandelte, abgeschlossene Depression aus dem Teenageralter führt nicht automatisch zur Ablehnung — es kommt auf Art, Schwere und Verlauf an. Der Polizeiarzt bewertet dabei vor allem drei Faktoren: wie lange die Erkrankung zurückliegt, ob eine Behandlung erfolgreich abgeschlossen wurde und ob ein Rückfallrisiko erkennbar ist. Wer unsicher ist, wie eine eigene Vorgeschichte einzuordnen ist, kann vorab mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten sprechen und sich eine fachärztliche Einschätzung zur Belastbarkeit einholen — das ersetzt zwar nicht die Einschätzung des Polizeiarztes, hilft aber, realistisch mit der Bewerbung umzugehen. Auch der spätere psychologische Test im Auswahlverfahren prüft ergänzend die aktuelle psychische Stabilität, unabhängig von der medizinischen Vorgeschichte.
Was bei der polizeiärztlichen Untersuchung geprüft wird
Die zweite Tabelle ordnet die einzelnen Untersuchungsbereiche danach ein, was konkret gemessen wird und welche Befunde zu einem Ausschluss führen können. Sie ergänzt die Mindestwerte von oben um den diagnostischen Blick: Beim Sehvermögen etwa zählt nicht nur die reine Sehschärfe, sondern auch das räumliche Sehen (Tiefenwahrnehmung), das für Einsatzsituationen im Straßenverkehr oder bei Personenschutz relevant ist — mehr dazu in der Detailseite zum Polizei-Sehtest. Bei Herz-Kreislauf und Bewegungsapparat geht es vor allem um die Frage, ob eine Belastung im Schichtdienst und bei körperlichen Einsätzen über Jahrzehnte hinweg ohne gesundheitliches Risiko möglich ist — deshalb fließen hier auch chronische, aktuell beschwerdefreie Vorerkrankungen in die Bewertung ein.
| Bereich | Was wird gemessen | Mögliche Ausschlussgründe |
|---|---|---|
| Sehvermögen | Sehschärfe, Farbsehen, Tiefenwahrnehmung | Sehschärfe unter Korrektur-Grenzwert, Farbfehlsicht |
| Hören | Audiogramm | Hörminderung über Grenzwert |
| BMI / Körperbau | Größe/Gewicht-Verhältnis | Adipositas Grad II+ (Einzelfall) |
| Herz-Kreislauf | EKG, Blutdruck | Arrhythmien, anhaltende Hypertonie |
| Psyche | Anamnesegespräch | Akute psychische Erkrankungen, Suizidhistorie |
| Bewegungsapparat | Haltung, Gelenke | Chronische Beschwerden, Einschränkungen |
Sollte die Untersuchung ein dauerhaftes gesundheitliches Risiko ergeben, lohnt sich auch ein Blick auf das Thema Dienstunfähigkeit: Was im späteren Berufsleben bei gesundheitsbedingtem vorzeitigem Ausscheiden aus dem Dienst gilt, erklärt die Übersicht zur Dienstunfähigkeit bei der Polizei.
Häufige Fragen zur Gesundheitsprüfung
Was passiert, wenn ich eine chronische Erkrankung habe?
Das ist keine automatische Absage — es kommt auf Art und Schwere an. Kontrollierter Diabetes Typ 2, gut eingestellte Schilddrüsenerkrankung oder leichte Allergien sind teils kein Ausschlussgrund. Entscheidend ist: Kann die Erkrankung die Dienstfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen? Bei Grenzfällen gibt es Einzelfallprüfungen durch den Polizeiarzt. Ein Vorabgespräch mit dem Hausarzt hilft, die eigene Einstellungschance realistisch einzuschätzen.
Darf ich Brillen oder Kontaktlinsen bei der polizeiärztlichen Untersuchung tragen?
Ja — die Sehschärfe wird mit Korrektur gemessen. Entscheidend ist, dass du mit Brille/Kontaktlinsen bestimmte Mindestwerte erreichst (je nach Bundesland ca. 0,8 auf beiden Augen). Im Einsatz werden dann Schutzbrillen mit Korrektur verwendet. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte am Test-Tag die Brille dabei haben — bei Irritationen kann nicht plötzlich auf Gläser umgestellt werden.
Bekommt man eine schriftliche Begründung, wenn man die Gesundheitsprüfung nicht besteht?
Ja — Bewerber haben Anspruch auf einen Bescheid mit Begründung. Dieser ist die Grundlage für einen Widerspruch. Das ist wichtig zu wissen: Wer die Gesundheitsprüfung nicht besteht, ohne eine klar kommunizierte Diagnose zu erhalten, sollte aktiv nach dem schriftlichen Bescheid fragen und diesen für eine zweite Meinung oder Widerspruchsverfahren nutzen.
Wie lange vor der Bewerbung sollte ich meine Gesundheit checken lassen?
Ein Hausarztbesuch drei bis sechs Monate vor der geplanten Bewerbung ist sinnvoll. So bleibt genug Zeit, um Befunde abzuklären, Blutwerte zu verbessern oder beispielsweise eine Sehkorrektur (Brille, Kontaktlinsen oder eine rechtzeitig geplante Laser-OP mit ausreichend Wartezeit) vorzunehmen. Wer erst kurz vor dem Untersuchungstermin auffällige Werte bemerkt, hat kaum noch Spielraum, etwas daran zu ändern.
Kann ich die Gesundheitsprüfung wiederholen, wenn ich durchgefallen bin?
Das hängt vom Grund der Ablehnung und vom Bundesland ab. Bei vorübergehenden Werten (z. B. leicht erhöhter Blutdruck am Untersuchungstag) ist häufig eine Nachuntersuchung nach ärztlicher Behandlung möglich. Bei dauerhaften Ausschlussgründen ist eine erneute Bewerbung meist erst sinnvoll, wenn sich die gesundheitliche Situation nachweislich geändert hat. Der schriftliche Bescheid mit Begründung gibt in der Regel Auskunft darüber, ob und unter welchen Voraussetzungen ein neuer Versuch möglich ist.
Zählt die Gesundheitsprüfung auch nach der Einstellung noch weiter?
Ja, indirekt. Während der Ausbildung und im späteren Dienst gibt es weitere ärztliche Untersuchungen, etwa vor Verbeamtung auf Lebenszeit oder bei bestimmten Spezialverwendungen. Die Erstuntersuchung bei der Bewerbung ist also nicht die einzige gesundheitliche Prüfung im gesamten Berufsleben, sondern der erste von mehreren Kontrollpunkten.
Versicherungsschutz trotz Vorerkrankung
Manche PKV-Anbieter bieten trotz Vorerkrankungen gute Tarife — jetzt unverbindlich informieren.
