
Bereitschaftspolizei
Die geschlossene Einheit für Großlagen — Aufgaben, Alltag und Karriere.
Die Bereitschaftspolizei ist der geschlossen auftretende Teil der Landes- und Bundespolizei: Statt im Einzeldienst auf Streife zu fahren, treten Beamtinnen und Beamte hier in Zügen und Hundertschaften auf — organisiert, gemeinsam ausgerüstet und für Lagen gedacht, die ein einzelner Streifenwagen nicht bewältigen kann. Dazu zählen Demonstrationen, Fußballspiele, Staatsbesuche, aber auch Katastrophenschutz und größere Fahndungslagen. Fast jedes Bundesland unterhält eigene Bereitschaftspolizei-Abteilungen, der Bund über die Bundespolizei ebenfalls. Für viele Berufseinsteiger ist die Bereitschaftspolizei zugleich der erste Dienstposten nach der Ausbildung: Wer neu verbeamtet wird, verbringt häufig zunächst ein oder mehrere Jahre in einer Hundertschaft, bevor der Wechsel in den Einzeldienst, zur Kriminalpolizei oder zu einer Spezialeinheit ansteht. Der Dienst dort unterscheidet sich spürbar vom klassischen Streifenalltag: geplante Einsätze, oft mehrtägige Anreisen quer durchs Bundesland oder sogar bundesweite Unterstützungseinsätze, geschlossene Formationen und ein hoher Anteil an Ausbildung, Training und Einsatznachbereitung. Wer verstehen will, wie sich das auf Schichten, Zulagen und Karrierewege auswirkt, findet auf dieser Seite einen Überblick über Aufgaben, Struktur und die typischen nächsten Schritte nach der Zeit bei der Bereitschaftspolizei.
Typische Einsätze
- Demonstrationen und Versammlungen
- Fußball- und Großveranstaltungen
- Staatsbesuche und Objektschutz
- Katastrophen- und Unterstützungseinsätze
- Fahndungen und Durchsuchungen
So unterschiedlich diese Einsätze klingen, so ähnlich ist die Logik dahinter: Immer dort, wo eine große Zahl an Beamten koordiniert auftreten muss, kommt die Bereitschaftspolizei zum Einsatz. Bei einer Demonstration sichert ein Zug beispielsweise eine Wegstrecke ab, während ein anderer als Reserve bereitsteht, um kurzfristig zu verstärken. Bei Fußballspielen übernimmt die Bereitschaftspolizei häufig die Absicherung rund ums Stadion, während der Einzeldienst vor Ort für den regulären Streifenbetrieb zuständig bleibt. Bei Katastrophenlagen — etwa Hochwasser oder größeren Unwetterschäden — werden Hundertschaften oft länderübergreifend angefordert und unterstützen dann tagelang vor Ort, inklusive Unterbringung in mobilen Lagern. Wichtig zu wissen: Die Einsatzplanung erfolgt in der Regel über Wochen im Voraus, spontane Lagen wie Fahndungen oder kurzfristige Objektschutzaufträge sind dagegen eher die Ausnahme als die Regel im Alltag einer Hundertschaft.
Aufbau und Schichtrhythmus
Eine Hundertschaft ist in der Regel in mehrere Züge gegliedert, die wiederum aus Gruppen bestehen. Dieser klassische militärisch geprägte Aufbau sorgt für klare Führungsstrukturen im Einsatz: Ein Zugführer koordiniert seine Gruppen, mehrere Züge werden von einem Hundertschaftsführer geleitet. Der Dienst folgt keinem klassischen Frühdienst-Spätdienst-Nachtdienst-Rhythmus wie im Streifendienst, sondern richtet sich stark nach der Einsatzlage: An einem Wochenende mit Fußballspiel kann ein mehrtägiger Blockdienst mit langen Einsatzzeiten anfallen, in einsatzarmen Wochen stehen dafür Training, Fortbildung und Ausgleichstage im Vordergrund. Wer mit dem klassischen Wechselschichtdienst im Einzeldienst vergleichen möchte, findet dazu Hintergründe auf der Seite zum Schichtdienst der Polizei.
Ein Beamter wird für einen dreitägigen Großeinsatz (z. B. ein Gipfeltreffen mit Objektschutz) eingeteilt. Planmäßig sind pro Tag 8 Stunden Dienst vorgesehen, macht für die drei Tage zusammen 3 × 8 = 24 Stunden. Tatsächlich leistet er an jedem der drei Tage aber 12 Stunden, weil die Lage durchgehende Präsenz erfordert: 3 × 12 = 36 Stunden. Die Differenz von 36 − 24 = 12 Stunden fällt als Mehrarbeit an und wird — je nach Dienstherr und Regelung — überwiegend als Freizeitausgleich verrechnet, seltener zusätzlich vergütet. Dieses Beispiel ist eine vereinfachte Näherung; die genaue Anrechnung von Mehrarbeit hängt vom jeweiligen Bundesland und der konkreten Dienstvereinbarung ab.
Karriere
Die Bereitschaftspolizei gilt als gute Schule fürs Handwerk: Teamarbeit, Einsatztaktik und Belastbarkeit. Nach einigen Jahren wechseln viele in den Einzeldienst, zur Kripo oder zu Spezialeinheiten.
Der Wechsel weg von der Bereitschaftspolizei ist für viele Beamte ein bewusster Karriereschritt und keine Pflicht — manche bleiben über Jahre oder sogar dauerhaft in der geschlossenen Einheit, etwa als Zug- oder Hundertschaftsführer. Wer den Wechsel sucht, hat mehrere Optionen: den klassischen Einzeldienst auf der Wache, eine Spezialisierung wie das Unterstützungskommando (USK), den Weg über eine Bewerbung zu SEK oder MEK, oder auch den Umstieg in die Kriminalpolizei. Die konkreten Dienstgrade und Aufstiegsstufen, die dabei durchlaufen werden, sind auf der Seite zu den Polizei-Dienstgraden zusammengefasst. Für die Besoldung während der Zeit bei der Bereitschaftspolizei gelten grundsätzlich dieselben Tabellen wie im übrigen Polizeivollzugsdienst des jeweiligen Bundeslandes; hinzu kommen können situationsabhängige Zulagen etwa für Erschwernisse im Einsatz, deren Höhe und Voraussetzungen auf der Seite zur Polizeizulage erklärt werden.
Häufige Fragen zur Bereitschaftspolizei
Was ist der Unterschied zwischen Bereitschaftspolizei und Einzeldienst?
Der Einzeldienst arbeitet in kleinen Teams oder allein auf Streife und reagiert auf laufende Einsätze im Alltag. Die Bereitschaftspolizei tritt geschlossen in Zügen und Hundertschaften auf und wird gezielt für planbare Großlagen wie Demonstrationen, Veranstaltungen oder Katastrophenschutz eingesetzt.
Muss ich zur Bereitschaftspolizei, wenn ich Polizist werde?
In vielen Bundesländern und beim Bund ist ein Einsatz bei der Bereitschaftspolizei nach der Ausbildung üblich, da dort auch ein Teil der praktischen Einweisung stattfindet. Die genaue Handhabung — ob verpflichtend oder als übliche erste Station — unterscheidet sich je nach Bundesland und Polizeibehörde.
Wie lange bleibt man üblicherweise bei der Bereitschaftspolizei?
Es gibt keine feste bundesweite Regel dazu. Üblich ist ein Zeitraum von einigen Jahren, bevor viele Beamte in den Einzeldienst, zur Kriminalpolizei oder in eine Spezialeinheit wechseln. Andere bleiben deutlich länger oder machen dort dauerhaft Karriere.
Bekommt man bei der Bereitschaftspolizei mehr Gehalt als im Einzeldienst?
Die Grundbesoldung richtet sich nach derselben Besoldungstabelle wie im übrigen Polizeivollzugsdienst des jeweiligen Bundeslandes. Zusätzliche Zulagen können je nach Einsatzlage hinzukommen, sind aber an bestimmte Voraussetzungen geknüpft und variieren je nach Bundesland und Situation.
Ist die Bereitschaftspolizei dasselbe wie SEK oder MEK?
Nein. SEK und MEK sind spezialisierte Einheiten für besonders gefährliche Lagen wie Geiselnahmen oder bewaffnete Festnahmen, mit eigenem, sehr anspruchsvollem Auswahlverfahren. Die Bereitschaftspolizei ist demgegenüber eine breiter aufgestellte, geschlossene Einheit für allgemeine Großlagen und häufig eine erste Station für Berufseinsteiger.
Welche körperlichen Anforderungen gelten bei der Bereitschaftspolizei?
Da der Dienst oft körperlich fordernd ist — lange Einsätze, Schutzausrüstung, teils Formationsdienst — gelten grundsätzlich dieselben Fitness- und Eignungsanforderungen wie im übrigen Polizeivollzugsdienst des jeweiligen Bundeslandes.
Kann ich von der Bereitschaftspolizei zur Bundespolizei oder umgekehrt wechseln?
Landes- und Bundespolizei sind eigenständige Dienstherren mit jeweils eigenen Bereitschaftspolizei-Strukturen. Ein Wechsel zwischen beiden ist grundsätzlich möglich, folgt aber eigenen Bewerbungs- und Auswahlverfahren und ist kein automatischer Übertritt.
